Goa-Sound am Anjuna-Beach
14.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In der bis 1961 portugiesischen Kolonie leben noch heute neben Hindus viele Katholiken. Der Lebensstandard ist für indische Verhältnisse hoch, aber riesige Einkaufszentren oder «Ladybars» gibt es nicht. Kampftrinker-Wettbewerbe mit lautem Gegröle sind in Goa bisher ebenfalls unbekannt. Dennoch ärgert sich mancher Einheimische über das dreiste Auftreten einiger Gäste: Auf Rave-Partys dringt an vermeintlich einsamen Stränden ohrenbetäubende Musik aus großen Lautsprechern und raubt Fischern und Schulkindern den Schlaf. Die Polizei rückt an. Heute werden Ruhestörung, Joints und Haschpfeifchen nicht mehr geduldet. Die Ordnungshüter schreiten meist rigoros ein.
Ein Einheimischer offeriert CDs mit dem «Goa-Sound». Die Klänge waren in den achtziger Jahren in der früheren Hippie-Hochburg entstanden. Von dort aus schwappte der aus wummernden Bässen und mystisch angehauchten Synthesizer-Klängen bestehende Stil nach Europa.
Auf dem Flea Market verkauft ein Alt-Hippie aus New York mit langen, angegrauten Haaren Sandalen, weite Hosen und Blusen. Die sehen gebraucht aus - und sind es auch. Langzeiturlauber und Globetrotter mit schmalem Budget sind dankbare Abnehmer. Hohe Palmen spenden Schatten. Die Anfahrt zum Strand, am Ende ein sandiger Pfad, ist blockiert. Zwei klapprige Autos müssen Ausweichmanöver fahren, zwei Mopedfahrer - Urlauber aus Deutschland - schlängeln sich durch.
Am Calangute Strand ein paar Kilometer weiter tippeln Inderinnen in farbenprächtigen Saris bis in Wadenhöhe ins Wasser. Andere tragen Shorts und Bikini. Die Frauen in Goa sind generell lockerer gekleidet als in anderen Teilen Indiens. Im Ozean schwimmen britische Urlauber. Am Strand döst ein junges Paar aus Hamburg, den Kopf auf dem Rucksack. Wenige Kilometer weiter räkeln sich wohlhabende Touristen am Pool des «Fort Aguada Beach Resort». Der Blick von der Anhöhe ist spektakulär: Ozean, Strand, hochgereckte Palmen und die Ruinen der Festung.
Viele Ausländer bleiben für ein paar Monate in Goa: Sie haben meist viele Einkaufstüten am Lenker und fahren in der Regel ohne Hast und ohne Kamera im Gepäck. Francis Vaz arbeitet im Restaurant «Alexander» in Colva, er rechnet vor: «Wenn ein Ausländer geschickt handelt, zahlt er im Monat für ein Häuschen mit Garten und ein Moped zusammen umgerechnet 300 Dollar - in der Nebensaison.» Im Januar und Dezember steigen die Preise, auch in Touristenrestaurants.
Am Colva Beach stoppen fast alle Ausflugsbusse. Nach den historischen Kirchen und Museen von Alt Goa - heute Weltkulturerbe -, etlichen Hindutempeln und Festungen locken Rast, Strandspaziergang und ein Bad im Meer. Hier im Süden Goas mit Strandorten wie Benaulim, Varca, Cavelossim oder Mobor beziehen viele Pauschalurlauber und Luxusreisende ihr Quartier. Sie entspannen sich im Spa und genießen Ayurveda-Behandlungen. Bekannte Hotel-Ketten wie Holiday Inn, Radisson, Hyatt und Ramada sind präsent. Die Strände sind hell und feinsandig, manchmal auch mit Palmen bestückt und für viele Urlauber sicher ein Traum. Das Wasser ist aber nicht so türkisfarben wie in Teilen Thailands, auf den Malediven, Aruba oder Tobago, wo es schützende Riffe und spektakuläre Tauchgründe gibt. Als einer der schönsten Palmenstrände Goas gilt im Südzipfel Palolem.
«Wir waren früher arm. Die Hippies brachten uns Geld. Da haben wir viel akzeptiert», erzählt Celestino de Souza. Der 68-Jährige hat vor 40 Jahren die ersten Zimmer seiner «Villa Bomfim» in Baga an die «Blumenkinder» vermietet. «Da hinten waren unsere kleinen Bungalows. Da haben die plötzlich nackt im Garten getanzt, später auch am Strand», erinnert sich der Hotelier. Dann gibt er seinem Gast eine Botschaft auf den Weg: «Wir freuen wir uns über alle Urlauber, ob reich oder nicht, ob in Rente oder im Stress. Ihr werdet mit offenen Armen empfangen. Aber bitte respektiert unsere Sitten und Kultur.» (Bernd Kubisch/dpa)
Goa liegt an der Westküste Indiens und ist etwa ein Drittel größer als das Saarland. Bildung- und Lebensstandard der 1,5 Millionen Bewohner Goas zählen zu den höchsten in Indien. Die Hauptstadt Goas ist Panaji mit gut 130 000 Menschen im Einzugsgebiet. Goa war rund 450 Jahre lang bis 1961 portugiesische Kolonie. Der katholische Bevölkerungsanteil ist daher immer noch recht hoch.
EU-Bürger benötigen für die Reise ein Visum. Es kostet 50 Euro, ist bis zu einem halben Jahr gültig und bei der Indischen Botschaft in Berlin und den Generalkonsulaten in Frankfurt/Main, Hamburg und München (www.indischebotschaft.de) erhältlich. Condor steuert Goa im Winterhalbjahr von Deutschland aus direkt an. Air India und Lufthansa fliegen regelmäßig von Frankfurt über Mumbai (Bombay) und Sri Lankan Airlines über Colombo nach Goa.
Die beste Reisezeit ist von Oktober bis April, dann ist es kühler und trockener. Der Sommer kann heftige Regenfälle bringen. Der Sommermonsun setzt etwa Mitte Juni ein und dauert in der Regel bis September. Besonders heiß ist es im April und Mai. Dann steigen die Durchschnittstemperaturen auf bis zu 30 Grad.
Landeswährung ist die Rupie. Ein Euro entspricht etwa 58 Indischen Rupien (Stand: Februar 2007).
In Goa ist die offizielle Sprache Konkani. Landessprache ist Hindi. Viele Einwohner sprechen auch Englisch.
In Goa gilt die Indian Standard Time. Das bedeutet 4,5 Stunden «Vorsprung» gegenüber Deutschland. Während der Sommerzeit in Europa sind es nur 3,5 Stunden Unterschied.
Impfungen sind nicht vorgeschrieben. Empfehlenswert ist es, Medikamente gegen Durchfall sowie gegen die Reisekrankheit mitzunehmen. Nach heftigen Regenfällen in der Region hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin im Januar Malariaschutz empfohlen, der sonst in Goa nicht gebraucht wird.
Mehr Informationen gibt India Tourism, Basler Straße 48, 60329 Frankfurt (Tel.: 069/2429490, Internet: www.india-tourism.com, www.goatourism.org).

