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Goa-Sound am Anjuna-Beach

14. Mrz 2007 10:20
Das duftet! Frische Gewürze werden in Goa auf fast jedem Markt angeboten.
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Man trifft sich auf dem Flea Market, auch «Hippie Market» genannt. Gewürze duften aus geöffneten Säcken. In den 60er Jahren tanzten in der früheren portugiesischen Kolonie die «Blumenkinder» - nackt.

Die ersten Hippies kamen in den sechziger Jahren nach Goa, die ersten deutschen Pauschalurlauber folgten in den Achtzigern. Heute überwintern am Arabischen Meer preiswert Rentner aus Wuppertal und Dresden, und Briten schenken in ihren Kneipen Ale und Guinness aus. Auf begrünten Hügeln und am Strand entstehen zwischen Kokospalmen und Reisfeldern weitere Luxushotels. Indische Filmstars entspannen sich in ihren Villen. Auch manche ihrer Kollegen aus Hollywood haben in Goa schon entspannte Tage verbracht.

In der bis 1961 portugiesischen Kolonie leben noch heute neben Hindus viele Katholiken. Der Lebensstandard ist für indische Verhältnisse hoch, aber riesige Einkaufszentren oder «Ladybars» gibt es nicht. Kampftrinker-Wettbewerbe mit lautem Gegröle sind in Goa bisher ebenfalls unbekannt. Dennoch ärgert sich mancher Einheimische über das dreiste Auftreten einiger Gäste: Auf Rave-Partys dringt an vermeintlich einsamen Stränden ohrenbetäubende Musik aus großen Lautsprechern und raubt Fischern und Schulkindern den Schlaf. Die Polizei rückt an. Heute werden Ruhestörung, Joints und Haschpfeifchen nicht mehr geduldet. Die Ordnungshüter schreiten meist rigoros ein.

Wummernde Bässe

Mittwochs treffen sich alle Schichten am Anjuna-Beach auf dem Flea Market, auch «Hippie Market» genannt. Curry, Zimt und Kardamom duften aus geöffneten Säcken. Ein großer Wandbehang in Rosa, Blau und Gold mit gestickten Elefanten ist an einem Lieferwagen aufgespannt. Vielfarbige Saris tanzen, von einer frischen Brise erfasst, an Kleiderständern aus Plastik und Bambus. Frauen und Männer aus ärmeren nördlichen Regionen wie Kaschmir und Rajasthan haben auf bunten Tüchern im Sand und auf dem Rasen Kleidung und Kunsthandwerk ihrer Heimat ausgebreitet.

Ein Einheimischer offeriert CDs mit dem «Goa-Sound». Die Klänge waren in den achtziger Jahren in der früheren Hippie-Hochburg entstanden. Von dort aus schwappte der aus wummernden Bässen und mystisch angehauchten Synthesizer-Klängen bestehende Stil nach Europa.

Auf dem Flea Market verkauft ein Alt-Hippie aus New York mit langen, angegrauten Haaren Sandalen, weite Hosen und Blusen. Die sehen gebraucht aus - und sind es auch. Langzeiturlauber und Globetrotter mit schmalem Budget sind dankbare Abnehmer. Hohe Palmen spenden Schatten. Die Anfahrt zum Strand, am Ende ein sandiger Pfad, ist blockiert. Zwei klapprige Autos müssen Ausweichmanöver fahren, zwei Mopedfahrer - Urlauber aus Deutschland - schlängeln sich durch.

Farbenprächtige Saris

Viele Besucher kaufen gar nichts auf dem Markt. Sie kommen, um zu sehen und um - im lässigen Beach-Outfit - gesehen zu werden. Im Strandrestaurant laben sie sich an Rührei, Müsli, Krabbensalat und eisgekühltem Kingfisher-Bier zu sehr günstigen Preisen. Auch ein paar Rinder machen es sich im warmen Sand vor dem mit Flechtwerk gedeckten «See Breeze» bequem. «1961 hat mein Vater hier geöffnet», sagt Francis Fernandes. «Reisbauern und Fischerleute tranken damals ihr Bier. Dann kamen die Hippies und der Markt.» Heute ist der Laden eine Goldgrube. Viele Marktbesucher kehren ein, um sich den spektakulären Sonnenuntergang anzusehen.

Am Calangute Strand ein paar Kilometer weiter tippeln Inderinnen in farbenprächtigen Saris bis in Wadenhöhe ins Wasser. Andere tragen Shorts und Bikini. Die Frauen in Goa sind generell lockerer gekleidet als in anderen Teilen Indiens. Im Ozean schwimmen britische Urlauber. Am Strand döst ein junges Paar aus Hamburg, den Kopf auf dem Rucksack. Wenige Kilometer weiter räkeln sich wohlhabende Touristen am Pool des «Fort Aguada Beach Resort». Der Blick von der Anhöhe ist spektakulär: Ozean, Strand, hochgereckte Palmen und die Ruinen der Festung.

Einkaufstüten am Lenker

Das alles spielt sich am nördlichen Küstenabschnitt Goas ab. Strandorte wie Arambol und Vagator mit eher schlichten Unterkünften sowie Baga, Calangute und Candolim mit vielen Preisklassen sind etwa 20 bis 40 Motorradminuten von Anjuna entfernt. Von der nahen Goa-Hauptstadt Panaji fährt der Überlandbus in jedes Dorf. Morgens und nachmittags ist er vor allem mit Schulkindern in schmucken Uniformen gefüllt. Viele Touristen bummeln auf ihren Mietmopeds zwischen langen Stränden, Felsküste und Fischerdörfern. Die so genannten Scooter können für vier oder fünf Euro pro Tag gemietet werden.

Viele Ausländer bleiben für ein paar Monate in Goa: Sie haben meist viele Einkaufstüten am Lenker und fahren in der Regel ohne Hast und ohne Kamera im Gepäck. Francis Vaz arbeitet im Restaurant «Alexander» in Colva, er rechnet vor: «Wenn ein Ausländer geschickt handelt, zahlt er im Monat für ein Häuschen mit Garten und ein Moped zusammen umgerechnet 300 Dollar - in der Nebensaison.» Im Januar und Dezember steigen die Preise, auch in Touristenrestaurants.

Am Colva Beach stoppen fast alle Ausflugsbusse. Nach den historischen Kirchen und Museen von Alt Goa - heute Weltkulturerbe -, etlichen Hindutempeln und Festungen locken Rast, Strandspaziergang und ein Bad im Meer. Hier im Süden Goas mit Strandorten wie Benaulim, Varca, Cavelossim oder Mobor beziehen viele Pauschalurlauber und Luxusreisende ihr Quartier. Sie entspannen sich im Spa und genießen Ayurveda-Behandlungen. Bekannte Hotel-Ketten wie Holiday Inn, Radisson, Hyatt und Ramada sind präsent. Die Strände sind hell und feinsandig, manchmal auch mit Palmen bestückt und für viele Urlauber sicher ein Traum. Das Wasser ist aber nicht so türkisfarben wie in Teilen Thailands, auf den Malediven, Aruba oder Tobago, wo es schützende Riffe und spektakuläre Tauchgründe gibt. Als einer der schönsten Palmenstrände Goas gilt im Südzipfel Palolem.

Kultur respektieren

Goa macht wegen seiner kolonialen Vergangenheit auch heute noch viele Ausnahmen. Etliche alte Häuser sind mit großen Veranden, Säulen und breiten Treppen im alten Stil gebaut. Und der Alkohol fließt hier preiswerter und ist auch - anders als sonst in Indien - in fast jedem Lebensmittelgeschäft zu kaufen. Von den etwa 140.000 Indien-Urlaubern aus Deutschland reisen jährlich knapp 30.000 nach Goa. «Die Tendenz ist steigend», sagt Honorarkonsulin Cecilia Menezes in Panaji. Bis zu 5000 deutsche Rentner bleiben im Winter etliche Monate in Goa.

«Wir waren früher arm. Die Hippies brachten uns Geld. Da haben wir viel akzeptiert», erzählt Celestino de Souza. Der 68-Jährige hat vor 40 Jahren die ersten Zimmer seiner «Villa Bomfim» in Baga an die «Blumenkinder» vermietet. «Da hinten waren unsere kleinen Bungalows. Da haben die plötzlich nackt im Garten getanzt, später auch am Strand», erinnert sich der Hotelier. Dann gibt er seinem Gast eine Botschaft auf den Weg: «Wir freuen wir uns über alle Urlauber, ob reich oder nicht, ob in Rente oder im Stress. Ihr werdet mit offenen Armen empfangen. Aber bitte respektiert unsere Sitten und Kultur.» (Bernd Kubisch/dpa)

Goa liegt an der Westküste Indiens und ist etwa ein Drittel größer als das Saarland. Bildung- und Lebensstandard der 1,5 Millionen Bewohner Goas zählen zu den höchsten in Indien. Die Hauptstadt Goas ist Panaji mit gut 130 000 Menschen im Einzugsgebiet. Goa war rund 450 Jahre lang bis 1961 portugiesische Kolonie. Der katholische Bevölkerungsanteil ist daher immer noch recht hoch.

EU-Bürger benötigen für die Reise ein Visum. Es kostet 50 Euro, ist bis zu einem halben Jahr gültig und bei der Indischen Botschaft in Berlin und den Generalkonsulaten in Frankfurt/Main, Hamburg und München (www.indischebotschaft.de) erhältlich. Condor steuert Goa im Winterhalbjahr von Deutschland aus direkt an. Air India und Lufthansa fliegen regelmäßig von Frankfurt über Mumbai (Bombay) und Sri Lankan Airlines über Colombo nach Goa.

Die beste Reisezeit ist von Oktober bis April, dann ist es kühler und trockener. Der Sommer kann heftige Regenfälle bringen. Der Sommermonsun setzt etwa Mitte Juni ein und dauert in der Regel bis September. Besonders heiß ist es im April und Mai. Dann steigen die Durchschnittstemperaturen auf bis zu 30 Grad.

Landeswährung ist die Rupie. Ein Euro entspricht etwa 58 Indischen Rupien (Stand: Februar 2007).

In Goa ist die offizielle Sprache Konkani. Landessprache ist Hindi. Viele Einwohner sprechen auch Englisch.

In Goa gilt die Indian Standard Time. Das bedeutet 4,5 Stunden «Vorsprung» gegenüber Deutschland. Während der Sommerzeit in Europa sind es nur 3,5 Stunden Unterschied.

Impfungen sind nicht vorgeschrieben. Empfehlenswert ist es, Medikamente gegen Durchfall sowie gegen die Reisekrankheit mitzunehmen. Nach heftigen Regenfällen in der Region hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin im Januar Malariaschutz empfohlen, der sonst in Goa nicht gebraucht wird.

Mehr Informationen gibt India Tourism, Basler Straße 48, 60329 Frankfurt (Tel.: 069/2429490, Internet: www.india-tourism.com, www.goatourism.org).

 
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