netzeitung.deG8-Gipfel - Rügen als Fluchtburg

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Heiligendamm präpariert sich für den Bush-Besuch (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Heiligendamm präpariert sich für den Bush-Besuch
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Branche rechnet «nicht damit, dass plötzlich viele Urlauber aus den USA oder Japan kommen». Aber nutzen soll der G8-Gipfel der wichtigsten Staatschefs in Heiligendamm der Region schon.

Berlin hat sein Brandenburger Tor, Sachsen hat beispielsweise die Frauenkirche in Dresden und Bayern seine König- Ludwig-Schlösser. Mecklenburg-Vorpommern ist dagegen bislang auf der Liste der Sehenswürdigkeiten ausländischer Touristen kaum vertreten. Mit einem Anteil von knapp drei Prozent ausländischer Gäste an den Übernachtungen rangiert der Nordosten Deutschlands im bundesweiten Vergleich weit hinten. Mit dem G8-Gipfel der wichtigsten Staatschefs im Juni in Heiligendamm könnte sich das ändern. Rund 4000 Medienvertreter aus aller Welt schicken neben der Berichterstattung über den Gipfel auch Bilder und Eindrücke über das Land zwischen Seenplatte und Ostsee in ihre Heimat. Die Branche erhofft sich davon langfristig einen deutlichen Aufschwung.

«Night of Tourism»
«Mit dem Gipfel könnte eine Entwicklung angestoßen werden», meint der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Bernd Fischer. Auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin (7. bis 11. März) will das Land schon einmal Akzente setzen. Bei einer «Night of Tourism» sollen 1500 Gäste aus 180 Nationen auf die Vorzüge des Landes hingewiesen werden. Bei aller internationalen Aufmerksamkeit bleibt Fischer dennoch auf dem Boden. «Wir rechnen nicht damit, dass plötzlich viele Urlauber aus den USA oder Japan zu uns kommen.» Der Verband setzt vor allem auf die treuen Gäste aus Skandinavien, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden.

Herzlich willkommen, Eidgenossen
So wurden auf der ITB Gespräche mit Schweizer Veranstaltern verabredet, um mehr Eidgenossen an die Ostsee zu locken. Vom 5. Mai an fliegt die Fluggesellschaft Air Berlin wöchentlich von Zürich nach Rostock. «Wenn wir die 155 Sitzplätze regelmäßig voll kriegen, bedeutet das eine Zunahme um zehn Prozent bei den Urlaubern aus der Schweiz», rechnet Fischer vor. Mit Vertretern aus Dänemark will der Verband über Konzepte zum Ausbau des maritimen Tourismus auf der Ostsee sprechen. «Wir denken da an Segeltörns zwischen Dänemark und unserer Küste oder an gegenseitige Rabatte in den Sporthäfen.» Fühler werden auch nach China ausgestreckt: Zusammen mit den anderen Küstenländern präsentiert sich Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr erstmals auf der Reisemesse in Schanghai.

Durch die Synergieeffekte des G8-Gipfels und die anderen Marketinganstrengungen erhofft sich der Verband einen Zuwachs bei den ausländischen Gästen um jährlich acht bis zehn Prozent. Aus jetzt etwa 600.000 Übernachtungen könnten so in den kommenden Jahren eine Million werden.

Mehr Betten
Die Voraussetzungen in der Infrastruktur sieht Fischer gelegt: «Wir werden bis Anfang 2008 die Zahl der Betten um 2500 auf 175.000 steigern. Die Gesamtfläche der Wellnessbereiche steigt um 8000 Quadratmeter.» Spektakuläre Neu- und Wiedereröffnungen sind unter anderem das historische «Haus Goor» bei Lauterbach auf Rügen und das Dünenhotel Dierhagen, beide im gehobenen Preissegment. Schon jetzt hat der Nordosten mit 116 Vier-Sterne- und sechs Fünf-Sterne-Häusern die höchste Dichte an Luxushotels in Deutschland. Dazu passt der Ausbau des Golfbereichs mit zahlreichen neuen Plätzen.

Aber auch der «normale» Badegast soll nicht vergessen werden: «Diese Gäste sind seit langem eine Bank. Aber man darf nicht davon ausgehen, dass dies ein Selbstläufer ist, auch hier müssen Qualität und Service stimmen», betont Fischer. Bei den Aktivurlaubern bleiben die Radwanderer und Wassersportler wichtige Zielgruppen.

Rügen möchte profitieren
Positive Effekte ganz anderer Art könnte der G8-Gipfel auf Rügen haben. «Wir sehen uns als eine Art Fluchtburg für Urlauber, die dem Gipfel aus dem Weg gehen wollen», sagt die Marketingchefin der Rügener Tourismuszentrale, Claudia Leppin. Die Insel, die in den vergangenen zwei Jahren nach Vogelgrippe und Küstenabbrüchen mit Besucherrückgängen zu kämpfen hatte, schickt doppelt so viel Personal zur ITB wie beim letzten Mal. «Wir hoffen, dass wir den Abwärtstrend stoppen und wieder mit positiven Meldungen in die Schlagzeilen kommen können.» Der Anfang scheint gemacht: Schon im Januar stiegen die Buchungszahlen im Vergleich zu 2006 deutlich an, für Februar sieht Leppin ein noch stärkeres Plus.
(Von Axel Büssem, dpa)