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Sprachlos vor Staunen in Abu Dhabi

30. Jan 2007 10:50
Emirates Palace
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Abu Dhabi ist eine Herausforderung an das Vorstellungsvermögen. Es gibt immer wieder Augenblicke, in denen sich europäische Besucher des Emirates am Persischen Golf fragen: «Kann das jetzt sein?»

Von Andreas Heimann

Wenn bei der Stadtrundfahrt das «Emirates Palace Hotel» im Abu Dhabi auftaucht, ist es zum ersten Mal so weit. Man fragt sich, ob das alles wirklich wahr sein kann: Der Gebäudekomplex mit 114 Kuppeln erscheint wie ein Sultanspalast und sieht schon von weitem einfach riesig aus. Die Palmen und Fontänen davor lassen an Versailles denken: So hätte der «Sonnenkönig» wohl in Arabien gebaut. Es gibt 92 Luxus-Suiten und 302 Deluxe-Zimmer, rund 7000 Türen sowie 1000 Kristallleuchter. Um das Sieben-Sterne-Hotel, das im Februar 2005 eröffnet hat, zu Fuß zu umrunden, braucht man fast eine halbe Stunde.

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Die Frage «Kann das jetzt sein?» stellt sich wenig später erneut, und zwar vor Schwarz-Weiß-Fotos mit Motiven aus den fünfziger Jahren. Sie zeigen Abu Dhabi, wie es früher ausgesehen hat - oder besser die Stelle, an der die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sich heute ausbreitet. Ein einsamer Reiter auf einem Kamel ist dort zu sehen.

Ein anderes Bild zeigt Kinder vor einem Beduinenzelt, eine anrührende Szene wie aus einem Spendenaufruf von Brot für die Welt. Abu Dhabi vor 50 Jahren - das waren ein paar Hütten und viel Sand. Die Aufnahmen sind heute Teil der Ausstellung im «Heritage Village», einer Art Museumsdorf, in dem Touristen der Vergangenheit nachspüren können. Damals gab es noch keine Kanalisation und keine Häuser mit Strom, nicht einmal einen Arzt. Die meisten Einheimischen lebten mehr schlecht als recht als Fischer oder Perlentaucher.

Ganz anders ist es heute: In der wohl reichsten Stadt der Golfregion wohnen 800.000 Menschen. Die Skyline mit verglasten Fronten lässt eher an Chicago denken denn an die Arabische Halbinsel. Und die sechs Kilometer lange Promenade heißt Corniche - wie an der Côte d'Azur. In der Dämmerung funkelt die Stadt, selbst die Minarette der Moscheen sind beleuchtet. Genauso hell strahlen die großflächigen Neonreklameschilder über den Türen der Geschäfte: Neben dem Blumenladen ein Supermarkt, neben dem Internet-Café der «University Book Shop». Das klingt nicht gerade nach Orient - schon wegen der englischen Sprache, die in Abu Dhabi aber ganz alltäglich ist.

Abu Dhabi überrascht immer wieder: als Einkaufsoase zum Beispiel. Dass der Nachbar Dubai jährlich im Winter Tausende von Besuchern mit seinem Shopping-Festival anlockt, hat sich herumgesprochen. Auch Abu Dhabi City hat neben seinen Souks und traditionellen Märkten etliche moderne Einkaufszentren wie die «Abu Dhabi Shopping Mall»: Männer in bodenlangen Gewändern, die Dischdasch heißen, schlendern gemächlich an den Schaufenstern vorbei, oft begleitet von ihren Frauen. Viele von ihnen sind unverschleiert. Doch zumindest die traditionsbewussten verbergen einen Teil des Gesichts hinter einer Burqa genannten Maske.

Abu Dhabi dreht jetzt erst richtig auf. Geld spielt keine Rolle, das Emirat besitzt zehn Prozent der weltweiten Ölreserven. Scheich Khalifa bin Zayed muss sich also keine Sorgen machen: Anders als in vielen anderen Förderländern und auch in Dubai, wo bald Schicht im Förderschacht ist, reichen die Vorräte noch gut 120 Jahre. Trotzdem wird kräftig in den Tourismus investiert - in Dimensionen, bei denen die Frage «Kann das jetzt sein?» fast unvermeidlich ist.

Abu Dhabi auf der Landkarte
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Saadiyat Island zum Beispiel, die direkt vor Abu Dhabi City gelegene «Insel des Glücks», soll zum Tourismusziel ausgebaut werden. Drei Yachthäfen sind dort geplant, zwei Golfplätze und 29 Hotels mit mehr als 7000 Zimmern, darunter ein Sieben-Sterne-Haus. Öko-Touristen sollen ebenfalls auf ihre Kosten kommen, etwa bei Exkursionen auf den Spuren der Wildvögel, die in den Mangrovenwäldern der Insel nisten.

Und auch das war vor kurzem noch schwer vorstellbar: Auf Saadiyat Island wird die Guggenheim-Stiftung eine Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst bekommen - größer als die in New York, Venedig oder Bilbao. Für den Entwurf zeichnet der Stararchitekt Frank Gehry verantwortlich - voraussichtlich 2011 wird das Museum eröffnet. Auch einen neuen «Louvre» soll es geben mit Kunstwerken aus dem großen Vorbild in Paris und weiteren Museen der französischen Hauptstadt. Auch ein Abenteuer-Wasserpark ist geplant - genau wie eine Skihalle, die größer ist als die in Dubai. Insgesamt, so die ehrgeizigen Pläne, soll die Zahl der Besucher von derzeit einer auf drei Millionen im Jahr 2015 steigen, die Zahl der Hotelbetten von 12.000 auf 25.000.

Moschee-Bau in Abu Dhabi
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Gebaut wird auch zu Ehren Allahs: Die Minarette der Großen Moschee ragen schon in den Himmel, auch wenn davor noch Gerüste stehen. Etwa 70.000 Gläubige sollen darin einmal Platz finden - die Moschee gehört dann zu den größten der Welt. Wahrscheinlich im Sommer 2007 wird sie fertig und zumindest in Teilen auch für Nicht-Moslems zu besuchen sein. Schon jetzt ist so gut wie sicher, was sie still bei sich denken werden, wenn sie am Grab des Staatsgründers Scheich Zayed vorbei auf die Moschee zugehen: «Kann das jetzt sein?»

Informationen: Abu Dhabi Tourism Authority, Goethestraße 27, 60313 Frankfurt (Tel.: 069/299 25 39 20, E-Mail: germany@adta.ae). (dpa)

 
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