netzeitung.de«Kyrill» stoppt Flugzeuge, Bahn und Fähren

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Abgesagte Flüge (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Abgesagte Flüge
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In NRW hat die Bahn wegen des Orkans den Betrieb zunächst eingestellt. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen.

Das Orkantief «Kyrill» sorgt für Einschränkungen Flug-, Bahn- und Fährenverkehr. Die Deutsche Bahn stellte am Donnerstagnachmittag den gesamten Betrieb in Nordrhein-Westfalen ein. Fahrgäste wurden an den Bahnhöfen aufgefordert, die Züge zu verlassen.

An der nordfriesischen Küste wird wegen der drohenden Böen von bis zu 140 Kilometern pro Stunde der Fährverkehr den gesamten Tag von und zu den Halligen Hooge und Langeneß eingestellt, berichtete die Wyker Dampfschiffs-Reederei. Ab Mittag müsse auch mit Einschränkungen im Fährverkehr Dagebüll-Föhr-Amrum gerechnet werden.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartet für die Nordseeküste und Hamburg eine Sturmflut mit Wasserständen bis zu 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser.

Flüge gestrichen
Auch im Luftverkehr sorgt der Sturm bereits für ernsthafte Verzögerungen. Am Flughafen Frankfurt am Main mussten am Vormittag 34 Flüge storniert werden, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport der Nachrichtenagentur AP sagte. Bei ankommenden Maschinen komme es zudem zu Verspätungen bis zu einer Stunde.

Allein die Deutsche Lufthansa hat 14 Verbindungen innerhalb Deutschlands und Europas vom Flugplan genommen worden, im Laufe des Tages sei aber mit weiteren Streichungen zu rechnen, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow in Frankfurt. Die Langstrecke soll dagegen planmäßig bedient werden.

Umbuchung möglich
Die Lufthansa empfahl ihren Gästen, kostenlos auf einen anderen Tag umzubuchen. Auch Stornierungen sind kostenlos möglich. Außerdem können innerdeutsche Tickets bei der Bahn gegen einen Zugfahrschein umgetauscht werden. Wer trotzdem fliegen wolle, solle sich möglichst im Internet über Verspätungen informieren, sagte der Sprecher.

Bei starken Seitenwinden und Böen müssen die Flugzeuge einen größeren Abstand einhalten, so dass sich die Kapazität der Flughäfen verringert. In Deutschland arbeitet vor allem der Frankfurter Flughafen am Rande seiner Kapazität. Neben Frankfurt seien aber auch weitere Städte wie Hannover und Düsseldorf betroffen.

Züge fahren langsamer
Wegen der Orkangefahr hat die Deutsche Bahn das Höchsttempo ihrer Fernverkehrszüge am Donnerstag auf Tempo 200 herabgesetzt. Nahverkehrszüge fahren nur noch maximal 140 Stundenkilometer, wie ein Bahnsprecher in Berlin auf Anfrage mitteilte.

Man wolle versuchen, trotz der dadurch entstehenden Verspätungen die Anschlüsse zu gewährleisten. «Aber wir können nicht versprechen, dass wir alle Auswirkungen dieser höheren Gewalt ausgleichen können», sagte der Sprecher. Normalerweise fahren die schnellsten Züge der Bahn Tempo 300, etwa auf den Hochgeschwindigkeits- strecken Köln - Frankfurt und München - Nürnberg.

Reparatürzüge stehen bereit
In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stehen drei zusätzliche Dieselloks bereit, die Züge bei Oberleitungsschäden notfalls abschleppen können, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert am Donnerstagmorgen. Es lägen auch Umleitungspläne bereit.

Für mögliche Oberleitungsschäden stünden in der Region mehrere Reparaturzüge mit Dieselantrieb bereit, ergänze Ahlert. Die Fahrzeuge sind mit ausfahrbaren Hebebühnen ausgestattet. Damit keine Bäume auf die Schienen stürzen, hält die Bahn an den Rändern einen Grünstreifen frei und schneidet Bäume regelmäßig zurück. Entwurzelte Bäume auf Oberleitungen und Schienen sind bei schwerem Sturm dennoch nicht ausgeschlossen.

Die «Hilfseinsätze» der Bahn während oder nach einem Sturms gelten im Nah- und Fernverkehr allen Unternehmen, die auf den Schienen unterwegs sind - auch der Berliner S-Bahn. Auch sie soll während möglicher Böen weiterfahren. «Wir sind für einen harten Betrieb ausgerüstet», sagte S-Bahn-Sprecher Gisbert Gahler am Donnerstag. «Die S-Bahnen sind so konstruiert, dass sie nicht gleich von den
Schienen geweht werden.»

Warnung an Autofahrer
Angesichts des Orkans über Deutschland hat der Auto Club Europa (ACE) Kraftfahrer zu besonderer Vorsicht sowohl beim Fahren als auch beim Parken aufgerufen. «Das Wetter verteilt an Autofahrer und Passanten gewaltige Fausthiebe statt der sonst üblichen Seitenwinde», warnte ein ACE-Sprecher am Donnerstag in Stuttgart.

Bei Fahrten über hohe Talbrücken drohe die Gefahr, dass Autos und Lastwagen durch die Gewalt heftiger Böen von der Fahrbahn gedrückt würden. In Baumalleen geparkte Autos könnten von herabfallenden Äste beschädigt werden.

Baustellen und Wald gefährlich
Auf Fahrten durch enge Waldstraßen sollte besser verzichtet werden, rät der ACE. Als riskant bewertete es der Club zudem, Autos auf Stellplätzen in der Nähe von Baustellen mit Fassadengerüsten, Behelfsdächern und Kränen zu parken. Gefährlich sei auch der Bereich von Straßenbaustellen, weil dort durch den Sturm aufgewirbelte Baken, Pylonen und Hinweistafeln schwere Beschädigungen an Autos verursachen könnten.

In den Fußgängerzonen der Städte und Gemeinden seien Passanten beispielsweise durch umher fliegende Werbetafeln und umstürzende Pflanzkübel gefährdet. Radler und Motorradfahrer sollten wegen der Gefährdung durch Sturmböen auf geplante Touren verzichten, mahnte der ACE. (nz)