netzeitung.deBädertour durch die Türkei

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Holzpantinen für Besucher eines Badehauses in Istanbul. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Holzpantinen für Besucher eines Badehauses in Istanbul.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Entspannung pur bieten die traditionellen Badehäusern der Türkei, die so genannten Hamams: Nach dem Shopping wird man solange eingeseift, bis die Nasenspitze vor lauter Schaum nicht mehr zu sehen ist.

Von Shirin Soijtrawalla

Extra ausgewiesene Damentage haben türkische Badehäuser nicht nötig, denn es geht sowieso streng nach Geschlechtern getrennt zu. Das traditionelle Dampfbad der Türken heißt Hamam. Allein in Istanbul gibt es mehr als 100 solcher Badetempel. Und wer in die Stadt am Bosporus fährt, ohne in einem Hamam gewesen zu sein, ist ähnlich zu bedauern wie jemand, der wieder nach Hause fährt, ohne die Hagia Sophia besichtigt zu haben.

Am schönsten entspannt es sich wohl in den historischen Hamams, etwa dem Cemberlitas Bad in der Altstadt. Das Badehaus gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen osmanischer Baukunst des 16. Jahrhunderts.

Frauen in knappen Hosen
Im Umkleideraum versorgen die Mitarbeiter ihre Gäste mit karierten Tüchern, die man sich um den Körper wickelt, um damit den Hauptraum des Hamams zu betreten. Sofort schlägt einem warm-feuchte Luft entgegen. In der Mitte des runden Saals befindet sich eine runde Marmorplatte, die angenehm warm ist und sich Göbektashi nennt. Frauen in knappen Hosen kümmern sich hier um die Besucherinnen.

Die Massage, die sie bereiten, ist nicht so schnell zu vergessen. Zuerst schrubben sie einem nach allen Regeln ihrer Kunst mit einem rauen Schwamm aus Seide oder Kese genanntem Ziegenhaar den Schmutz vom Körper. Selbst den saubersten Besuchern kann es passieren, dass sich danach unschöne Schmutzwürmchen auf dem Körper kringeln.

Nach dem Peeling seifen die Frauen die Gäste mit stark duftender Seife ein, bis man vor lauter Schaum die eigene Nasenspitze nicht mehr sieht. Nach der abschließenden Massage darf man sich nach Herzenslaune ausruhen. Die Haut fühlt sich nun babyzart an, und man ist ähnlich erschöpft und hungrig wie nach einer langen Wanderung.

Nach der Prozedur empfiehlt es sich, im Aufenthaltsraum oder dem Hamam-Café noch einen Tee oder besser noch ein Ayran zu genießen, ein alkoholfreies, salziges Joghurtgetränk, das Mineralien liefert.

220 Gäste pro Tag
Auch viele Touristen besuchen das Cemberlitas Bad, das etwa 220 Gäste pro Tag zählt. Gleiche gilt für das Cagaloglu Bad, 1741 erbaut und unweit der Hagia Sophia gelegen. Berühmte Badegäste waren hier Englands König Edward VIII., der deutsche Kaiser Wilhelm II. und der Komponist Franz Liszt.

Ebenso besuchenswert ist das Tarihi Galatasaray Hamam gleich um die Ecke, das 1481 erbaut wurde und ein Traum aus rötlichem Marmor ist. Wie überall stehen auch hier am Eingang für die Besucher die typischen Holzpantoffeln bereit, die aber vielerorts schon durch Plastiksandalen ersetzt wurden. Wer sie nicht anziehen möchte, sollte sich eigene Badeschuhe mitbringen.

Ohnehin sind vor dem Badevergnügen einige Regeln zu beherzigen. Beine, Arme und Bärte sollten nicht vorher rasiert werden, die harte Abreibung könnte die Haut ansonsten zu sehr beanspruchen. Frauen sollten sich zudem vor dem Besuch gründlich abschminken, damit sich die Poren besser öffnen können. Bei Kreislaufproblemen und Infekten sollte man von einem Besuch absehen, da die warme Luft den Blutdruck senken kann. Auch üppige Mahlzeiten sollte man besser auf später verschieben - großer Hunger ist dafür nach dem Besuch garantiert. (dpa)

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Verschiedene Fluggesellschaften bieten von Deutschland Flüge nach Istanbul an. Die kürzeste Strecke mit dem Auto führt durch das ehemalige Jugoslawien. Für die Einreise genügt für EU-Bürger ein gültiger Personalausweis. Die Mitnahme eines noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepasses wird aber empfohlen.

KLIMA UND REISEZEIT: Im Sommer wird es in Istanbul bis zu 40 Grad heiß. Die Durchschnitts-Temperatur im Juli und August beträgt 28 bis 30 Grad. Im nasskalten Winter fällt das Thermometer fast nie unter 4 Grad. Als beste Reisezeiten gelten Frühjahr und Herbst.

INFORMATIONEN: Türkisches Generalkonsulat, Baseler Straße 37, 60329 Frankfurt. Tel.: 069/23 30 81