12.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Orang Utan in Borneo
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eine Reise durch den indonesischen Teil Borneos steckt voller Gefahren. Wer aber Insekten und Krokodile nicht scheut, erlebt ein Abenteuer der besonderen Art.
Von Carola FrentzenSchwerer Rauch hängt in der Luft. Wie jedes Jahr kurz vor der Regenzeit, die von November bis April dauert, brennt in Kalimantan der Regenwald. «Aber so schlimm ist es noch nie gewesen, der Monsunregen will einfach nicht einsetzen», sagt Anang.
Er arbeitet im indonesischen Teil Borneos als Reiseführer und bringt Gäste per Boot in den Tanjung Puting Nationalpark - dorthin, wo Orang-Utans leben.
Vom spartanischen Flughafen in Pangkalan Bun aus geht es zunächst per Auto in das Hafenstädtchen Kumai und dann mit einem Klotok - dem traditionellen indonesischen Boot - in den Dschungel von Zentral-Kalimantan. Schon nach zwei Stunden bewegt sich etwas Rotes in den Baumkronen. «Ein Orang-Utan!», ruft Anang.
Gibbons, Krokodile, FischreiherIm Laufe der mehrtägigen Tour über den Sekonyer River sehen Touristen aber nicht nur die roten Menschenaffen, sondern auch Gibbons, Krokodile, Fischreiher und tropisch-bunte Schmetterlinge. «In der Regenzeit gibt es auch unzählige Insekten», sagt der Kapitän.
Nachts, wenn die Besucher unter einem Moskitonetz in den Schlaf gleiten, erwacht der Regenwald erst richtig zum Leben. «Unter freiem Himmel auf dem Boot zu schlafen ist einfach fantastisch. Nur so hat man andauernd den direkten Kontakt mit der Natur», sagt Carlo, ein italienischer Orang-Utan-Fan.
Vorbei geht es an der «Rimba Lodge», dem einzigen Hotel im Regenwald, während der Klotok immer tiefer in den Urwald Borneos eindringt. Rechts liegt der Tanjung-Puting-Nationalpark, links säumen Bäume und Sträucher das Ufer, aber dahinter ist erschreckende Leere auszumachen: Unkontrolliertes Holzfällen und die daraus resultierenden Waldbrände haben hier alles kahl geschlagen.
«Die Situation für die Orang-Utans und den Regenwald ist wirklich trostlos», sagt die Kanadierin Biruté Galdikas, die weltweit bekannteste Orang-Utan-Forscherin. Sie hat im Jahr 1971 die nach ihrem Mentor Louis Leakey benannte Auswilderungsstation Camp Leakey mitten im Nationalpark eingerichtet - das Ziel der Bootsreise.
Von der Anlegestation geht es über eine mehrere hundert Meter lange Holzbrücke hinein in das Camp. «Männliche Orang-Utans können bis zu 1,50 Meter groß werden und wiegen durchschnittlich 120 Kilogramm», ist im Informationszentrum zu lesen.
«Mann des Waldes»Kurz darauf ist der «Mann des Waldes» persönlich anzutreffen: Nach einem fünfminütigen Fußmarsch versperrt auf einmal Tom den Dschungelpfad, ein ausgewachsener Menschenaffe mit den typischen Backenwülsten. Unbedarfte Touristen lehrt er wahrlich das Fürchten.
Dabei sind Orang-Utans keineswegs aggressiv - allerdings sind die Tiere wahre Meisterdiebe, die sich gerne auf Rucksäcke oder ausgebeulte Hosentaschen stürzen.
Die meisten der rund um Camp Leakey lebenden Orang-Utans sind Waisen, die in jungen Jahren von Galdikas gerettet und später ausgewildert wurden. Fast alle Weibchen haben ein Junges dabei, das sich an den Körper der Mutter klammert. Sie sind durchaus in der Lage, sich selbst ihre Nahrung - vor allem Früchte - zu suchen. Aber viele lassen sich gerne von den Rangern mit etwas Milch verwöhnen.
Da Orang-Utans nur etwa alle acht Jahre ein Junges bekommen und ihr Lebensraum wegen der Abholzung und der Waldbrände zunehmend gefährdet wird, ist ihr Überleben bedroht. Wild lebende Orang-Utans könnten Schätzungen zufolge in zehn Jahren ausgestorben sein.
(dpa)