Skilaufen wie der König von Spanien
08. Dez 2006 12:57
 |  Die Berge um das Aran-Tal | Foto: dpa |
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Das Baqueira-Beret-Skigebiet in den Pyrenäen verbindet familienfreundliche Hänge mit stilvollem Ambiente und viel Schnee. Das Aran-Tal war ehemals ein abgeschiedenes Tal mit eigener Sprache - heute ist es ein teures Ferienziel.
Von Ute MüllerDas kleine Aran-Tal liegt im Herzen der Pyrenäen, völlig abgeschieden an einem schattigen Nordhang. Kulturell ist es eher mit Frankreich als mit Spanien verbunden. Doch hier, unweit des Maladeta-Massivs mit seinem 3404 Meter hohem Pico Aneto, dem höchsten Berg der Pyrenäen, versteckt sich Spaniens berühmtestes und größtes Skigebiet Baqueira-Beret. Seit vielen Jahren verbringt die spanische Königsfamilie ihren Weihnachtsurlaub in dem Tal und auf den umliegenden Berghängen. Das Skigebiet gilt als schneereich - auch wenn die weiße Pracht im sehr milden Herbst 2006 auf sich warten ließ. Der Skibetrieb war Anfang Dezember in den Pyrenäen noch kaum möglich.
Die Kirchtürme sind das erste, was dem Besucher des Aran-Tals auffällt, wenn er über die kurvenreiche Straße von Vielha nach Baqueira kommt. Seit 500 Jahren überragen sie majestätisch die kleinen Ortschaften mit ihren Häusern aus Granit und Kalkstein. Bei Nacht sind die romanischen Kirchen des Tals stimmungsvoll beleuchtet. Früher waren die Ortschaften mit so eigenwilligen Namen wie Escunhau, Artiés, Casarilh, Tredos oder Bossost im Winter von der Außenwelt abgeschnitten.
Vom verwunschenen Tal zum Skirummel
Das änderte sich nach dem spanischen Bürgerkrieg, als der 5,2 Kilometer langen Tunnel von Vielha gebaut wurde. Seither ist das ehemals isolierte Tal ganzjährig mit Katalonien verbunden. «Der richtige Boom begann vor 30 Jahren, als die Spanier das Skifahren entdeckten und Geld hierher brachten», erklärt Carlos Rodríguez, der in Artiés die Bar «Casa Pórtola» betreibt. Der Jahrhunderte langen Abgeschiedenheit haben die Bewohner ihre eigene Sprache, das Aranesische zu verdanken, heute als Amtssprache in Spanien anerkannt.
 |  Sessellift in Bequeira-Beret | Foto: dpa |
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Das 1500 Meter hoch gelegene Baqueira selbst kann mit seinen seinerzeit eilig in die Höhe gezogenen riesigen Apartmentblöcken und Hotels nicht mit den stilvollen vorgelagerten Dörfchen mithalten. Doch das variantenreiche Skigebiet mit 104 Kilometern befahrbarer Piste und 72 Abfahrten ist umgeben von einer der schönsten Hochgebirgslandschaften in den Pyrenäen.
Wenig steil und familienfreundlich
Und wer erst einmal mit dem Sessellift oder der in der vergangenen Saison eingeweihten Kabinenbahn in wenigen Minuten oben angekommen ist, kann in aller Ruhe die drei zusammenhängenden Gebiete Beret, Baqueira und Bonaigua erschließen. Für Familien eignen sich besonders die weniger steilen Abfahrten auf den weiten Hängen von Beret, dessen Talstation von Baqueira aus bequem zu erreichen ist. Cap de Baqueira in 2500 Meter Höhe hingegen zieht eher geübtere Skifahrer an. Nach den ersten Schwüngen durch den Pulverschnee eröffnet sich der Blick ins Argulls-Tal, der schneereichsten Ecke des Skigebiets, die gleichzeitig die Verbindung zur inzwischen gut erschlossenen Bonaigua bildet. Ein Erlebnis für sich ist die Auffahrt mit dem neuen Sessellift Teso dera Mira, der genau über der Bergkuppe verläuft. Wer hier den Blick ins Bergpanorama genießt, vergisst zuweilen sogar, am Ende der Liftfahrt auszusteigen. Auch dieser Teil des Skigebiets ist sehr weitläufig, hat viele einfache Pisten und eignet sich für Anfänger.
Skilaufen ohne Anstehen
Port de Bonaigua auf 2072 Metern, acht Kilometer von Baqueira entfernt, gehört streng genommen schon zur Nachbarregion des Val d'Aran, dem Pallars Sobira. Die neuen Pisten La Peülla, Les Paletes und Pleta del Duc sorgen mittlerweile dafür, dass man im gesamten Skigebiet fast nie anstehen muss. Dank der privilegierten Lage des Val d'Aran mit seiner Nordorientierung hält sich der Schnee in der Regel bis Ende April.
Baqueira hat in Spanien den Ruf einer altehrwürdigen Adresse. Bereits 1964 wurde das Skigebiet von dem Skirennläufer und Aranesen Luis Arias ins Leben gerufen. Die ersten Kunden waren Franzosen aus dem vergleichsweise nahe gelegenen Toulouse. «Unsere natürlichen Verbündeten», nennt sie Barbesitzer Rodríguez. Schließlich entspringt im Aran-Tal der französische Fluss Garonne. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Spanien machten sich auch immer mehr Wintersportler aus Madrid und Barcelona ins Schneeparadies auf. Viele haben inzwischen eine Zweitwohnung gekauft und so zum Preisauftrieb in der Region beigetragen.
Warten aufs späte Essen lohnt sich
Beliebtestes Dorf ist Artiés mit seinen engen Gässchen und stilvollen Häusern in grauem Naturstein. Nicht umsonst beherbergt es den Parador und die edelsten Restaurants des Tals, etwa die «Casa Irene», das Lieblingslokal des spanischen Königs, wo Rinderlende mit Trüffelsauce und die neusten Kreationen der katalanischen Küche gereicht werden. Leider kann man im Val d'Aran erst ab 21 Uhr zu Abend essen, und das auch nur mit einer Reservierung. Wen der Hunger vorher plagt, kann immerhin schon einmal die Tapas-Bars im Hauptort Vielha aufsuchen und dort verschiedene Appetithappen wie Montaditos und Pinchos probieren.
Doch das Warten auf das Abendessen lohnt sich. Es gibt typische Gerichte wie die Olla Aranesa, ein Eintopf aus Bohnen, Kichererbsen, Wurst und verschiedenen Fleischsorten oder auch Civet de Jabalí, Wildschweingulasch in Blut und Wein gekocht. Erst gegen Mitternacht schwärmen die Skifahrer in die zahlreichen Bars des Bergorts. Dennoch lohnt es sich früh aufzustehen. Am Morgen zeigt sich die weiße Pracht der Pyrenäen von ihrer schönsten Seite.
Informationen: Baqueira Beret, Oficina de información Baqueira, cota 1500, 25598-Alt Aran Telefon: 0034/973 63 90 10. Oder im Spanischen Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin Telefon: 030/882 65 43 (dpa)