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Mit Rollstuhl auf Safari: Wenn Senioren reisen

30. Okt 2006 10:51
Ältere Menschen reisen gern mit dem Bus
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«Ältere Menschen legen viel Wert auf Service und Wohlfühlkonzepte», sagt ein Reiseexperte. Die Tourismusbranche stellt sich auf reiselustige Menschen im Rentenalter ein.

Von Janina Müller

Längst ist die Zeit vorbei, in der sich Menschen im Alter von mehr als 60 Jahren mit der sonntäglichen Kaffeefahrt in die nähere Umgebung begnügten. «Best Agers», «Sixty-ups», «Happy Enders» - oder wie auch immer diese Altersgruppe heutzutage genannt wird - haben ganz andere Ansprüche, wenn es in den Urlaub geht.

Das machten Experten bei einer öffentlichen Anhörung vor dem Tourismus-Ausschuss in Berlin deutlich. Ob Rundreise in den USA oder Schwarzwaldurlaub - die Wünsche sind vielfältig. Zeit für die Tourismusbranche, sich auf ihre wichtigste Zielgruppe einzustellen. «Es gibt immer mehr Senioren in Deutschland - und immer mehr von ihnen nehmen am Urlaubsgeschehen teil», bringt es die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) in ihrer aktuellen Reiseanalyse auf den Punkt.

Ein Drittel im Seniorenalter

75 Prozent der Menschen über 60 reisen demnach regelmäßig. Und immerhin fast zwei Drittel der über 70-Jährigen verzichten nicht auf ihren Urlaub. Damit ist heute einer von drei Urlaubern im Seniorenalter - Tendenz steigend.

Rentnerin Irmgard Müller zum Beispiel. Sie wird Urlaub machen, solange es irgendwie geht, sagt sie. «Ich reise, weil es mir Spaß macht, rauszukommen und Land und Leute zu sehen», so die 81-Jährige. Dreimal im Jahr ist sie unterwegs, meistens für ein paar Tage und immer mit der gleichen Gruppe. Am liebsten fährt sie mit ihrem vertrauten Busunternehmer - zum Beispiel ins Sauerland oder nach Bayern: «Das ist bequem und ich weiß, dass die Firma zuverlässig ist.»

«Service und Wohlfühlkonzepte»

Der Eichstätter Tourismusexperte Harald Pechlander drückt es bei der Anhörung vor dem Tourimus-Ausschuss so aus: «Ältere Menschen legen viel Wert auf Service und Wohlfühlkonzepte.» Das stehe noch vor der Wahl des Reiseziels. Reiseunternehmen müssten sich dahingehend um bessere Qualität und eine Vernetzung aller Leistungsträger bemühen.

Martin Smik, Geschäftsführer der Reiseagentur Weitsprung-Reisen für Senioren und Behinderte, weiß, dass viele Anbieter sich schon auf die Bedürfnisse älterer Reisender eingestellt haben. So gebe es immer mehr Hotels mit barrierefreien Zugängen und niedrigeren Betten. Das Gleiche gelte auch für Anbieter von Ausflügen am Urlaubsort: «Kürzlich haben wir eine Safari in Kenia mitgemacht, da waren sogar zwei Rollstuhlfahrer dabei», erzählt Smik.

«Intelligente Hilfestellungen»

«So etwas muss selbstverständlich werden», fordert Felizitas Romeiß-Stracke. Die Leiterin des Büros für Sozial- und Freizeitforschung in München stolpert über Worte wie barrierefrei oder behindertengerecht. Für alte Menschen, die sich ohnehin durchschnittlich 14 Jahre jünger fühlten, wirkten solche Begriffe eher abschreckend. «Natürlich gehören körperliche Beeinträchtigungen zum Alter dazu, und das Reisen muss durch intelligente Hilfestellungen erleichtert werden.» Aber das könne ja geschehen, ohne dass extra darauf hingewiesen werde.

Die Sprecherin des Reiseveranstalters Neckermann, Nina Dumbert, weiß, dass Senioren nicht gerne pauschal als Zielgruppe angesprochen werden. Aus diesem Grund gebe es auch keinen Katalog für Seniorenreisen. «Wir haben viele Angebote, die auch ältere Menschen ansprechen», macht sie deutlich. Vor allem Kreuzfahrten und Flussreisen seien sehr beliebt. Aber auch Gruppenreisen mit Bausteinsystem, bei denen sich jeder sein individuelles Programm zusammenstellen könne.

Reiseberater seien auf die besonderen Wunsche älterer Menschen eingestellt. Diese Wünsche sind genauso vielfältig wie die junger Reisender. Denn Vorlieben ändern sich nicht plötzlich, wenn Menschen ins Rentenalter kommen, zeigt eine Studie zu Urlaubsreisetrends der FUR. Jemand, der Kulturreisen liebt, wird sich auch mit 65 nicht für einen All-Inklusiv-Cluburlaub auf Ibiza erwärmen. Und passionierte Wanderer werden so lange weiter wandern wollen, wie es ihnen gesundheitlich möglich ist. (kna)

 
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