Von Festungsdörfern und Felsentälern
«Pasó por Aqui» beginnt die Inschrift, die übersetzt in etwa so lautet: «Don Juan de Onate kam hier vorbei, auf dem Rückweg vom südlichen Meer, am 16. April 1605.» Konquistadoren, Missionare, Siedler und Soldaten, alle kamen hier durch. Über 2000 Namenszüge zieren heute die 90 Meter hohen Wände von El Morro, dem Felsenklotz in der wüstenartigen Nordwestecke von New Mexico.
Die unweit lebenden Zuni sind Besucher gewohnt. Doch viele kamen ungebeten. Daher bestehen die Ureinwohner heute auf der Respektierung ihrer Sitten und Gebräuche. Zuni Pueblo, eine Stunde südlich von Gallup, ist das Zentrum des etwa 11.000 Menschen zählenden Stammes.
Nördlich von Window Rock, der Hauptstadt des Reservats, verwandeln sich die Risse neben der Straße in Canyons. Der größte ist der 41 Kilometer lange Canyon de Chelley. Die 300 Meter tiefe Schlucht wurde den Navajos im Winter 1863/64 zum Verhängnis. Hier hungerte die US-Kavallerie sie aus und trieb die Überlebenden nach Fort Sumner in New Mexiko. Wer heute in den Canyon hinabsteigt, betritt eine von Raum und Zeit losgelöste Welt. Kein Laut dringt in die Schlucht.
Unter einigen Felsenüberhängen kleben Ruinen. Niemand weiß, wer die Häuser und Türme gebaut hat, auch die Navajos nicht. Sie nennen die Baumeister Anasazi, was «die vorher da waren» bedeutet.
Tsebii'nidzisgai, das «Tal zwischen den Felsen» nennen die Navajo ein Naturschauspiel, das der Rest der Welt als «Monument Valley» kennt. Mit den Navajos lernt man den nur ihnen zugänglichen Teil des Tals kennen und hört die alten Geschichten.
Ihre uralten Festungsdörfer auf den bis zu 180 Meter hohen Felsentischen werden vom Highway SR-264 leicht übersehen. Das schönste ist Walpi, ein nur noch von ein paar alten Frauen bewohntes, 800 Jahre altes Adlernest. Die sandfarbenen, im Laufe der Zeit übereinander gewachsenen Steinhäuser scheinen organisch aus dem Felsen zu sprießen. «Keine Fotos, zusammen bleiben», knurrt die Hopi-Führerin. Den vielleicht interessantesten Ort im Südwesten der USA kann man nur in einer geführten Gruppe besichtigen. (dpa)

