netzeitung.deVon Festungsdörfern und Felsentälern

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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine karge Gegend ist es, das Colorado-Plateau im Südwesten der USA. Sand, Geröll und bizarre Gesteinsformen. Hier leben Amerikas indigene Ureinwohner. Und es gibt Häuser, von denen niemand weiß, wer sie baute.

Von Ole Helmhausen

«Pasó por Aqui» beginnt die Inschrift, die übersetzt in etwa so lautet: «Don Juan de Onate kam hier vorbei, auf dem Rückweg vom südlichen Meer, am 16. April 1605.» Konquistadoren, Missionare, Siedler und Soldaten, alle kamen hier durch. Über 2000 Namenszüge zieren heute die 90 Meter hohen Wände von El Morro, dem Felsenklotz in der wüstenartigen Nordwestecke von New Mexico.

Die unweit lebenden Zuni sind Besucher gewohnt. Doch viele kamen ungebeten. Daher bestehen die Ureinwohner heute auf der Respektierung ihrer Sitten und Gebräuche. Zuni Pueblo, eine Stunde südlich von Gallup, ist das Zentrum des etwa 11.000 Menschen zählenden Stammes.

Fotografieren und Filmen verboten
Das größte Schild im Ort ist ein Verbotsschild. Fotografieren und Filmen religiöser Zeremonien ist nicht gestattet. «Ihr würdet es auch nicht mögen, wenn wir euch in euren Kirchen beim Beten knipsen würden», sagt Lena Tsethlikia, die Zuni-Fremdenführerin vom Visitor Center.

In Wohnzimmern wird über Einlegearbeiten aus Silber und Türkis verhandelt - 80 Prozent der erwachsenen Zunis fertigen Schmuck an. In der Old Zuni Mission aus dem Jahr 1629 beeindrucken große Wandgemälde. Sie stellen Kachinas dar, Geister und Vorfahren, die Botschaften aus dem Jenseits übermitteln.

70.000 Quadratkilometer Wüste
Indian Country - die Heimat der Ureinwohner im Südwesten der USA - liegt auf dem 2200 Meter hohen Colorado Plateau, zum Teil in New Mexico, größtenteils in Arizona. Dort befindet sich auch die Navajo Indian Reservation: Mit 70.000 Quadratkilometer ist sie ein furioses Stück Wüste aus Sand, Geröll und geborstenem Fels.

Nördlich von Window Rock, der Hauptstadt des Reservats, verwandeln sich die Risse neben der Straße in Canyons. Der größte ist der 41 Kilometer lange Canyon de Chelley. Die 300 Meter tiefe Schlucht wurde den Navajos im Winter 1863/64 zum Verhängnis. Hier hungerte die US-Kavallerie sie aus und trieb die Überlebenden nach Fort Sumner in New Mexiko. Wer heute in den Canyon hinabsteigt, betritt eine von Raum und Zeit losgelöste Welt. Kein Laut dringt in die Schlucht.

Unter einigen Felsenüberhängen kleben Ruinen. Niemand weiß, wer die Häuser und Türme gebaut hat, auch die Navajos nicht. Sie nennen die Baumeister Anasazi, was «die vorher da waren» bedeutet.

Tsebii'nidzisgai, das «Tal zwischen den Felsen» nennen die Navajo ein Naturschauspiel, das der Rest der Welt als «Monument Valley» kennt. Mit den Navajos lernt man den nur ihnen zugänglichen Teil des Tals kennen und hört die alten Geschichten.

Zwischen Tradition und Moderne
Die Navajos üben den Balanceakt zwischen Tradition und Moderne. Im gelbfahlen Herzen des Landes der Navajo Nation lebt ein Stamm, der sich dem Schutz seiner Kultur verschrieben hat wie kein anderer in den USA: die Hopis. In den siebziger Jahren von Touristen überrannt, verhängten die Hopis ein totales Fotografierverbot über ihr Reservat.

Ihre uralten Festungsdörfer auf den bis zu 180 Meter hohen Felsentischen werden vom Highway SR-264 leicht übersehen. Das schönste ist Walpi, ein nur noch von ein paar alten Frauen bewohntes, 800 Jahre altes Adlernest. Die sandfarbenen, im Laufe der Zeit übereinander gewachsenen Steinhäuser scheinen organisch aus dem Felsen zu sprießen. «Keine Fotos, zusammen bleiben», knurrt die Hopi-Führerin. Den vielleicht interessantesten Ort im Südwesten der USA kann man nur in einer geführten Gruppe besichtigen. (dpa)