Fluggäste in Frankfurt trotz Gefahr gelassen
10. Aug 2006 20:28
 |  Fluggäste | Foto: dpa |
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Die bekannt gewordenen Pläne für eine Anschlagsserie auf Flugzeuge machen Reisenden am Frankfurter Flughafen kaum Angst. «Ich sehe das als Nummernspiel», sagt eine Frau über die Gefahr eines Anschlags.
Von Tom RademacherNur dem Eingeweihten verrät die Anzeige am Frankfurter Flughafen, dass heute nicht alles so ist wie sonst: Der Flug nach London-Heathrow entfällt. Das ist aber auch schon alles, was auf die vereitelten Terroranschläge am Londoner Flughafen hindeutet. Auch die Stimmung unter den Fluggästen scheint eher ruhig. Am Schalter von United Airlines - eine der angeblich bedrohten Fluglinien - geht es gelassen zu. Manche Passagiere sind besorgt, aber kaum jemand äußert wirkliche Angst.
Sie habe davon noch gar nichts gehört, sagt Martina Schmitz-Bennett, als sie auf die Vorkommnisse in London angesprochen wird. Und nein, das beunruhige sie nicht. Sie fliegt ab Frankfurt zurück in die USA. «Ich sehe das als ein Nummernspiel», sagt die 46-Jährige über die Gefahr eines Anschlags. «Deshalb bin ich nicht besorgter als sonst auch», sagt die in San Francisco lebende Deutsche.Eine ähnliche Gelassenheit legen auch andere an den Tag. Die beiden kalifornischen Backpacker, Brian Larsson und Chris Chan, sind gerade auf der Durchreise nach Spanien. «Wenn ein Anschlag passiert, dann passiert er halt», sagt der 25-jährige Larsson. Das sei eine Sache des Schicksals. Und sein Reisegefährte Chan meint: «Ich fühle mich relativ sicher.» Er werde jedenfalls weiterhin fliegen. «Ob es einen erwischt, kann man nie wissen», meint der 23-Jährige.
«Fliegen nicht mehr das Gleiche»
Natasa Basic machen die Vorkommnisse in London mehr zu schaffen. Die junge Deutsche hat gerade für ihren Flug nach Chicago eingecheckt. Ihr steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Sie mache sich Sorgen, sagt sie. «Aber ich mache mir immer viel zu viele Sorgen», meint die 34-Jährige dann wieder lachend. Ihr Begleiter ist gelassener. «Wir können ja nicht beide so beunruhigt sein», sagt Scott Lyngaas. Die beiden sind auf dem Heimweg; waren zu Besuch bei ihrer Familie. Lyngaas sagt, er vertraue auf die Sicherheitsvorkehrungen. «Ich glaube einfach, dass jeder seinen Job macht. Die Verhaftungen in London zeigen das ja auch», sagt der 41-Jährige. Und dass jetzt in London kein Handgepäck mehr mit an Bord genommen werden darf? «Wenn es hilft, dann halte ich das auf jeden Fall für richtig», sagen beide einhellig.
«Fliegen ist seit dem 11. September nicht mehr das Gleiche», sagt auch Jörg Kachelmann. Deutschlands bekanntester TV-Wetterexperte ist beruflich auf dem Weg nach Oklahoma. «Klar gibt es da auch bei mir die rationale und die irrationale Seite», sagt er. «Rational betrachtet war natürlich die Autofahrt zum Frankfurter Flughafen hundert Mal gefährlicher als der Flug jetzt.» Aber seine irrationale Seite habe nun mal die Bilder vom 11. September im Kopf und habe natürlich heute Morgen auch den Fernsehsender CNN geguckt.
«Schon so oft geflogen»
Doch den Flug absagen, das käme auch für Kachelmann nicht in Frage. «Das wäre ein zu großes Zugeständnis an die irrationale Seite», sagt er. «Dann dürfte ich auch in kein Auto mehr steigen.» Ohnehin habe er schon kurz nach dem 11. September wieder von Hamburg nach München fliegen müssen. «Wenn es sein muss, dann muss es halt», sagt Kachelmann achselzuckend.Die Routine ist es auch, die Jean Ryan nicht in Sorge verfallen lässt. Die zweifache Mutter war selbst 27 Jahre lang für eine Airline tätig, wie sie sagt. Und das färbt auch auf ihre Familie ab. Die Patricks aus Dallas in Texas sind auf dem Heimweg von ihrem Europaurlaub. «Die Sache in London ist schon beunruhigend», sagt Tochter Kailin. «Ich weiß, dass sich meine Freunde jetzt bestimmt Sorgen machen. Aber ich bin in meinem Leben schon so oft geflogen, dass mir sowas kaum noch etwas ausmacht.» Ihre Schwester Veronica wirft ein: «Wenn wir jetzt in London wären, dann wäre ich schon ziemlich verängstigt.»
Überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lässt sich hingegen Jeff McMonigal. Der 34-Jährige ist unterwegs nach Hause und sagt, er glaube an die Arbeit der Sicherheitskräfte. Er komme beruflich viel rum, teilweise auch in den Irak. «Das hier ist also gar nichts für mich», sagt der Mann aus Huntington, West Virginia lachend. (AP)