Dänische Südsee: Mehr als Wale und Kajaks
19.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Schweinswale sind ziemlich schlau, aber auch scheu. Rund 100.000 von ihnen leben in dänischen Gewässern. Die Wahrscheinlichkeit, ihnen ganz nahe zu kommen, ist allerdings nicht groß. Das sieht in Kerteminde schon anders aus. In der Hafenstadt im Nordosten der Insel Fünen liegt direkt an der Küste «Fjord & Baelt», eine Mischung aus Freizeitpark und Forschungszentrum. Meerestiere gibt es dort Hunderte zu sehen, vom Dorsch bis zum Seehund. Die Stars von Kerteminde aber sind Eigil und seine Freunde, Schweinswale, die regelmäßig zeigen, was sie drauf haben.
«Pffft!» macht es im Becken plötzlich und überraschend laut. Eigil ist kurz aufgetaucht und hat durch sein Blasloch Luft ausgestoßen. Aber kaum haben die Zuschauer das kapiert, ist der kleine Meeressäuger längst wieder abgetaucht. Die Besucher, die neben dem Becken sitzen oder dahinter stehen, wollen mehr. Zwei Trainerinnen stehen jetzt am Beckenrand. Und kaum halten sie einen Fisch hoch, kommen die Schweinswale angeschwommen, halten den Kopf aus dem Wasser und bedienen sich.
Der Hintergrund ist ernst. Jedes Jahr sterben mehr als 3000 Schweinswale in den Netzen der Fischer. Die Forschungen in Kerteminde sollen dazu beitragen, Methoden zu finden, das zu verhindern - beispielsweise durch Töne, die durch das Sonar der Wale ausgelöst werden und sie vertreiben, wenn sie sich den Netzen nähern. «Aber dafür müssen wir noch mehr über sie erfahren», sagt Petersen. Touristen dürfen dabei zusehen.
In etlichen Aquarien sind dort Fische wie Meerforelle, Kabeljau oder Scholle zu sehen - ein sechs Meter langer Tunnel mit Glasfenstern führt ein kleines Stück durch die Unterwasserwelt. Ein Fühlbecken für Kinder gibt es ebenso wie einen Angelwettbewerb, bei dem Strandkrabben aus dem Wasser gezogen werden müssen - so lernen Besucher die Ostsee auf spielerische Weise kennen.
Wer erst einmal eingestiegen ist und gelernt hat, die Richtung zu halten, merkt schnell, was so faszinierend daran ist, sich über die Ostsee zu bewegen: Das Wasser ist klar, der Meeresboden gut zu sehen. Miesmuscheln breiten sich dort aus, Quallen treiben kurz unter der Oberfläche - und der Kajak gleitet geräuschlos darüber hin. Eine Segelyacht überholt ein Stück weiter links - ein Zweimaster verursacht einigen Wellengang.
Nicolai zaubert zu Demonstrationszwecken in seinem kleinen Boot, fährt rückwärts und seitwärts und - die hohe Kunst - dreht sich bei der Eskimorolle samt Kajak einmal um sich selbst. Die Tour startet im Norden der kleinen Insel Tåsinge und geht entlang der Küste bis nach Troense. Die Kajaks können dort am Strand anlegen.
Troense ist lauschig - aber sonst ein typisches Dorf. Auf Fünen gibt es viele davon, oft mit Fachwerkhäusern in Rot oder Ocker. Landwirtschaft spielt auf der Insel eine große Rolle - meist in der bekannten modernen Variante.
Der ganze Hof steht Besuchern offen. Oft kommen Familien. Die Kinder dürfen den Kühen dann auch mal über den Kopf streicheln. Draußen auf der Weide grasen Rinder der Rasse British White Park Cattle. «Die einzigen in Dänemark» erzählt Jens. «Auch in Großbritannien gibt es davon nur noch wenige hundert.» Im Garten laufen Hühner und Enten herum. Und neben dem Haus, das Jens' Großvater gebaut hat, steht eine riesige Blutbuche. Ein Stück heile Welt mit Öko-Touch.
Und so steht dort ein Studebaker von 1912 gleich neben einem MG aus den Dreißigern. Cadillacs gibt es so viele, dass selbst Elvis Presley neidisch geworden wäre - auch frühe Exemplare vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die mit gut erhaltenen Ledersitzen und Laternen noch mehr an Kutschen als an Autos erinnern. Auch bei den Motorrädern zeigt Graf Michael ausgesuchten Geschmack: Hendersons und Harleys der frühen Jahre gibt es etliche.
Graf Michael wohnt noch in dem Schloss. Neben Autos und Motorrädern hat er viele weitere Hobbys: Er taucht, segelt und malt sogar, wie sich bei einem Rundgang besichtigen lässt. Er hat eine Sammlung mit Rüstungen - und mittendrin den Originalanzug, den Christopher Reeve 1978 in «Superman» getragen hat.
Im Schloss können Besucher bis unters Dachgestühl steigen. Da ist seit jüngstem eine Spielzeugsammlung zu sehen - Kurator war, wen wundert's, Graf Michael. In einer Ecke liegt allerdings schon länger eine Holzpuppe, wie lange, weiß niemand. «Es heißt, wenn die Puppe jemand entfernt, stürzt das Schloss ein», sagt Suzette Ascot von Fyntourismus. «Michaels Oma hat die Puppe einmal ins Nationalmuseum nach Kopenhagen geschickt. Aber da knirschte und knarrte es so im Gebälk, dass sie Angst bekam.» Zwei Tage später war sie wieder im Schloss. Seitdem ist Ruhe.
Reiseziel und Anreise: Fünen, auf Dänisch Fyn, ist die zweitgrößte von rund 400 dänischen Inseln. Sie liegt zwischen Jütland im Westen und Seeland mit Kopenhagen im Osten. Urlauber aus Deutschland reisen üblicherweise über die Autobahn von Hamburg nach Flensburg und dann über die Brücke an, die Fünen mit Südjütland verbindet. Die Inselhauptstadt ist Odense, der Geburtsort des Dichters Hans Christian Andersen.
Währung: Bezahlt wird mit Dänischen Kronen. Häufig wird aber auch der Euro akzeptiert - dann ist ein Umrechnungskurs von 1 Euro zu 7,5 Kronen üblich.
Sprache: Dänisch. Deutsch und Englisch werden oft gut verstanden.
Unterkünfte: Die Großteil der deutschen Urlauber übernachtet in Ferienhäusern, von denen es auch auf Fünen eine große Auswahl gibt, häufig direkt an der Küste.
Informationen: VisitDenmark, Glockengießerwall 2, 20095 Hamburg (Tel.: 01805/32 64 65 für 12 Cent pro Minute, E-Mail: daninfo@visitdenmark.com. (dpa)

