06. Jun 2006 09:56
In der kanadischen Wildnis können sich Besucher auf die Spuren der Dinosaurier begeben. Gletscher legten in der Nähe von Calgary so viele Fossilien frei, wie an kaum einem anderen Ort.
Von Christian RöwekampFred Hammer kann sich noch gut daran erinnern, wie es war, als 1993 «Jurassic Park» ins Kino kam. «Knapp einen Monat später wurden wir geradezu überrannt von Gästen», erzählt der Leiter des Besucherzentrums im Dinosaur Provincial Park in Alberta im Westen Kanadas. Viele wollten sehen, was von den Dinosauriern tatsächlich übrig geblieben ist. Und dazu eignet sich der Park 2,5 Autostunden östlich der Großstadt Calgary bis heute sehr gut: An kaum einem anderen Ort der Welt werden so viele Dinosaurier-Fossilien gefunden wie hier.
Der nächstgelegene Ort mit Einrichtungen für Urlauber ist das 48 Kilometer entfernte Brooks am Trans-Canada-Highway. Dort übernachtet, wer nicht per Wohnmobil anreist oder im Provinzpark zeltet. Eine dieser Möglichkeiten wählen die meisten Besucher: Für Tagestouren von Calgary aus ist der Park zu abgelegen. «Und für ein vollständiges Erlebnis braucht man hier mindestens zwei Tage», ist Fred Hammer überzeugt.
Die Dimensionen des Parks lassen sich in der Tat nicht in wenigen Stunden erfassen. Beiderseits des Red-Deer-Flusses durchbricht die Landschaft der Badlands die Monotonie der Prärie. Gut 80 Meter tief fällt die Ebene zum Fluss hin ab. Die bizarr wirkenden Felsen in dem hier bis zu 6,5 Kilometer breiten Flusstal sind das Ergebnis einer Erosion, die seit mehr als 12.000 Jahren voranschreitet. Nach der letzten Eiszeit spülte das Schmelzwasser der Gletscher nach und nach die vielen Dinosaurier-Knochen frei, die seit gut 76 Millionen Jahren unter der Erdoberfläche verborgen waren.Wie das alles funktioniert hat, können Touristen im neuen Besucherzentrum des Provinzparks lernen. Sie können im Park aber auch an geführten Wanderungen und Bustouren teilnehmen, die in Teile führen, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. «Wichtig ist, diese Touren frühzeitig zu buchen», rät Hammer. «Wir haben nur begrenzte Kapazitäten.»
Dinosaurier-Skelette bekommen Touristen im Park jedoch nur wenige zu sehen. Wer darauf Wert legt, sollte auf jeden Fall das Royal Tyrrell Museum bei Drumheller besuchen. Dort treten Besucher zunächst eine virtuelle Reise durch die verschiedenen Erdzeitalter an, bevor sie vor den großen Skeletten und Knochen-Nachbildungen der Dinosaurier stehen. Neben einem Tyrannosaurus Rex kann auch ein Albertosaurus bewundert werden – eine Art, die bisher nur in Alberta gefunden wurde.Drumheller hat sich voll auf den Touristen eingestellt, die wegen der Dinosaurier kommen. In Läden werden Fossilien verkauft. Ein «Jurassic Inn»-Hotel wirbt um Gäste, gegenüber versucht «Fred & Barney’s Restaurant», die Fans der Familie-Feuerstein-Fernsehserie für sich zu begeistern. Und dann gibt es noch den «weltgrößten Dinosaurier»: eine 46 Meter lange, 26,2 Meter hohe Nachbildung aus Kunststoff und Stahl. Bei einer Begegnung mit diesem Giganten bekämen es wohl auch die «Jurassic Park»-Monster mit der Angst zu tun. Aber die stehen ja in sicherer Entfernung als Skelett im Museum.
Informationen: Canadian Tourism Commission, Lange Touristik-Dienst, Eichenheege 1-5, 63477 Maintal; Tel.: 01805/52 62 32 für 12 Cent pro Minute, E-Mail: canada-info@t-online.de
(dpa)