Tipps für die Reiseapotheke
24. Mai 2006 13:47
 |  Medikamente und Verbandmaterial | Foto: Jens Schierenbeck/dpa/gms |
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Pflaster, Desinfektionsmittel, Wundsalbe: Wer bei Auslandsreisen eine Grundausstattung dabei hat, kann sich bei kleinen Problemen einen aufwändigen Arztbesuch sparen.
Von Eva Neumann Starke Kopfschmerzen oder akuter Durchfall kann eine Reise ins Ausland vermiesen. Wer dann nicht nach der nächsten Apotheke fahnden, sich mit Händen und Füßen verständigen und den Inhalt eines Beipackzettels erraten will, sollte eine gut sortierte Reiseapotheke dabei haben. Ihr Inhalt hängt vom Urlaubsziel, der Dauer der Reise und ihrer Gestaltung ab. Eine Grundausstattung an Verbandsmaterial und Medikamenten sollte jedoch immer dabei sein.
Pflaster
Unverzichtbar ist Pflaster. Am besten packt man sowohl vor geschnittene Wundpflaster als auch eine Rolle Heftpflaster ein. «Gerade im Sommerurlaub sind wasserfeste Pflaster sinnvoll: Sie halten auch, wenn man stark schwitzt», sagt Raymund Lösch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Reise- und Touristik-Medizin (DRTM) in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern). Sinnvoll sind auch Kompressen, Mull- und elastische Binden.
Desinfektionsmittel
«Auf keinen Fall darf ein Desinfektionsmittel fehlen: In wärmeren Ländern muss auch die kleinste Wunde sofort desinfiziert werden, damit sie sich nicht entzündet», sagt Lösch. Geeignet sind Wasserstoffperoxid, 70-prozentiger Alkohol, Jod oder steril verpackte Alkoholtupfer. Hilfreiche Werkzeuge sind eine Pinzette zur Entfernung von Splittern oder Zecken sowie eine Schere. Bei Flugreisen darf sie allerdings nicht ins Handgepäck.
Medikamente
Für die Auswahl der Medikamente gilt: Nur Arzneimittel, die bei früheren Beschwerden eingenommen und gut vertragen wurden und deren Verfallsdatum noch nicht in Sichtweite ist, sollten eingepackt werden. Bei Kopf-, Zahn- und Gliederschmerzen, sowie bei Fieber ist ein Schmerzmittel gefragt - bei Kindern am besten Zäpfchen. «Gut geeignet sind Paracetamol oder Ibuprofen», sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin. In den Tropen sollte auf Mittel mit Acetylsalicylsäure verzichtet werden: Sie könnten bei Fieber eventuell auftretende Blutgerinnungsstörungen verstärken.
Salben
Wenn sich eine Wunde trotz Desinfektion entzündet, hilft eine Wundheilsalbe. «Wer im Urlaub viel Sport treibt, sollte außerdem an eine Sportsalbe denken», rät Sellerberg. Eine antihistaminische Salbe, am besten ein kühlendes Gel, kommt bei leichten Verbrennungen, Sonnenbrand und Mückenstichen zum Einsatz.Am besten werden Sonnenbrand und Stiche jedoch vermieden. «Pro Person und Woche sollten 250 Milliliter Sonnenschutzcreme mit möglichst hohem Lichtschutzfaktor einkalkuliert werden», sagt die Apothekerin. Als Mückenschutz reichen in gemäßigten Breiten normale Mittel. In Skandinavien dagegen gebe es ergänzend Mittel, die sich gegen die weit aggressiveren Mücken dort gut bewährt haben, so Sellerberg.
Magen
Ungewohnte Ernährung, verdorbene oder verunreinigte Lebensmittel können Durchfall verursachen. «Das ist zwar unangenehm, jedoch in aller Regel nach zwei oder drei Tagen vorbei», sagt Helmut Jäger, Leiter des Reisemedizinischen Zentrums der Bernhard-Nocht-Klinik in Hamburg. «Die Flüssigkeit und die Salze, die in dieser Zeit verloren gehen, müssen jedoch unbedingt ersetzt werden, damit das Herzkreislaufsystem nicht zu stark belastet wird», sagt Jäger. Das gilt vor allem für Kinder, Senioren und Schwangere. Das Mittel der Wahl ist ein Elektrolyt-Pulver zum Anrühren. Nur im Notfall - zum Beispiel bei einer Bustour - sollten Erwachsene kurzfristig zu Medikamenten greifen, welche die Darmmotorik lähmen und den Durchfall stoppen.
Nicht minder unangenehm können Verstopfungen werden. Sie lassen sich mit ballaststoffreicher Kost, viel Trinken und ausreichend Bewegung meist schnell beheben. Notfalls ist ein mildes Abführmittel hilfreich.
Individuelle Probleme
Die Reiseapotheke kann durch Nasenspray und Ohrentropfen ergänzt werden - vor allem, wenn Flugreisen und lange Aufenthalte in klimatisierten Räumen anstehen. Individuelle Probleme könne weitere Präparate erfordern: Wer eine Allergie hat oder zu Augenreizungen, Reiseübelkeit, Sodbrennen, Pilzinfektionen oder Lippenherpes neigt, sollte sich mit einem ebenfalls bewährten Medikament wappnen.«Regelmäßig einzunehmenden Medikamente müssen in ausreichendem Maße mitgeführt werden - und zwar in der Originalverpackung mit Beipackzettel», rät Jäger. So können sie notfalls nachgekauft werden.
Aufbewahrung
Alle Arzneimittel sollten kühl und trocken aufbewahrt werden. Eine Kühltasche ist jedoch nur in besonderen Fällen - etwa bei Insulin, eventuell bei Zäpfchen - erforderlich. «Bewahren Sie einen Teil der Reiseapotheke im Handgepäck und einen anderen im Koffer auf, so dass wenn, dann nicht alles verloren geht», schlägt Lösch vor.
Versorgung vor Ort
Die beste Reiseapotheke ist allerdings im Zweifelsfall kein Ersatz für einen Arztbesuch. «Sie ist nur für die Behandlung von kleinen Wunden und Gesundheitsstörungen gedacht», sagt Jäger. «Deshalb ist es unerlässlich, sich vor einer Reise über die Gesundheitsversorgung am Urlaubsort zu informieren.» (dpa)