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Deutsche zieht es auf Meere und Flüsse

08. Mai 2006 13:56
Kreuzfahrt
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Reiseweltmeister sind die Deutschen ja ohnehin. Immer öfter begeben sie sich jetzt auch aufs Meer, statt an Land andere Länder zu erkunden.

Von Christian Röwekamp

Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche ist von Wasser bedeckt. Auch für die deutschen «Reiseweltmeister», die an Land schon fast überall gewesen sind, bieten die Ozeane damit noch genug unentdeckte Flecken. Das allein ist aber nicht der Grund für den aktuellen Kreuzfahrten-Boom: Immer mehr, immer modernere und immer größere Schiffe heizen die Nachfrage nach Urlaub an Bord stark an. Zwar kann die Seetouristik lange nicht mit den Zahlen deutscher Gäste auf Mallorca, in der Türkei oder Österreich mithalten. Experten sind sich aber sicher: Die Zukunft des Reisens liegt zu einem immer größer werdenden Teil auf den sieben Weltmeeren und auf den Flüssen.

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Dass das Interesse an Kreuzfahrten wächst, registrieren neben den Reedereien auch Tourismusforscher wie Professor Martin Lohmann aus Kiel. «3,2 Prozent der Deutschen wollen in den kommenden drei Jahren sicher eine Kreuzfahrt unternehmen, für 9,9 Prozent kommt diese Urlaubsform generell in Frage», zitiert Lohmann aus der jüngsten Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F.U.R). 2004 planten erst 2,0 Prozent sicher eine Seereise, für 7,1 Prozent kam sie in Frage. Lohmann sieht als Ursache der Entwicklung vor allem die gewachsenen Kapazitäten der Reedereien: «Hier schafft das Angebot die Nachfrage.»

Fast eine Million Schiffstouristen

Nach Zahlen des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin sind die Reedereien kurz davor, die lange angepeilte Marke von einer Million Schiffstouristen im Jahr zu erreichen. Im Jahr 2005 lag die Branche mit gut 639.000 Hochsee- und knapp 326.000 Flussschiff-Reisenden nur noch um 35.000 Urlauber von dieser «magischen Grenze» entfernt. Und bei einem Passagierzuwachs von zuletzt 8,5 Prozent im Jahr dürfte es fast nur noch Formsache sein, in den Millionenbereich vorzustoßen.

Viele Reedereien versuchen auch in diesem Jahr, mit neuen Schiffen das Interesse weiter anzufachen. Gerade erst wurde in Hamburg die 339 Meter lange «Freedom of the Seas» von Royal Caribbean International (RCI) präsentiert, mit Platz für 4370 Passagiere das bisher größte Passagierschiff überhaupt. Im Sommer stellen mit Costa Crociere und MSC zwei italienische Reedereien Neubauten für 2500 bis 3000 Gäste in Dienst. Die zusätzlichen Schiffe deutscher Anbieter, die «Arielle» (Transocean Tours), die «Amadea» (Phoenix Reisen) und die «Lili Marleen» (Holiday Kreuzfahrten) - fallen mit ihren 600 bis 1029 Betten da schon deutlich kleiner aus. Sie sind allerdings auch keine Neubauten, sondern wurden von anderen Reedereien übernommen.

So viel Werbung wie nie

Das Gedrängele in den Häfen wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Aida Cruises in Rostock, wohl der wichtigste Motor für die steigende Lust der Deutschen auf Seereisen, wird von 2007 bis 2009 drei weitere Clubschiffe in Empfang nehmen. Die Reederei MSC, die verstärkt deutsche Gäste ansprechen will und zum Beispiel im Sommer 2007 zwei Schiffe nach Nordeuropa entsendet, verdoppelt ihre Flotte bis zum Jahr 2009 nahezu von heute sieben auf dann zwölf Schiffe. Costa Crociere dagegen bietet im Sommer 2006 mit der «Costa Classica» nicht nur ein größeres Schiff als bisher für Abfahrten in Kiel an, sondern will auch auf den anderen Strecken den Service für deutsche Gäste ausbauen, etwa durch mehr deutschsprachige Reiseleiter an Bord.

Der deutsche Schiffsurlauber wird also umworben wie selten. «Die vielen neuen Schiffe müssen schließlich erst mal gefüllt werden», sagt Lohmann. Bisher habe das durch die Ansprache immer neuer Zielgruppen funktioniert: Die Gegenmodelle zur formellen Kreuzfahrt mit Smokingzwang haben verstärkt jüngere Menschen für Seeurlaub interessiert, nicht zuletzt auf den Aida-Schiffen. «Heute besteht die pfiffige Idee darin, an Bord eines Schiffes mehrere Themen parallel zu präsentieren und verschiedene Personenkreise anzusprechen», sagt Lohmann. Golfer, Gourmets und Kultur-Fans sind oft gleichzeitig an Bord. Es kommt darauf an, allen passende Landausflüge anzubieten.

Zu viel und zu hässlich

Dass allein durch ein größeres Angebot auch die Nachfrage nach Urlaub auf See steigt, müsse aber nicht zwangsläufig geschehen, sagt der Experte: «Das funktioniert nicht immer. In der Türkei zum Beispiel haben wir gerade die Diskussion, ob nicht zu viel und zu hässlich gebaut wurde.» Anders als ein Hotel stünde in solch einem Fall ein Schiff aber immerhin nicht leer in der Landschaft herum, sondern könnte sich auch dorthin begeben, wo die Nachfrage größer ist als bei den deutschen «Reiseweltmeistern». Die Erdoberfläche besteht ja schließlich zu mehr als 70 Prozent aus Wasser. (dpa/gms)

 
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