netzeitung.deVerträumte Oase in der Bergwelt Kantabriens

 Herausgeber: netzeitung.de

Das Kloster Santo Toribio in Kantabrien (Foto: Fremdenverkehrsamt Kantabrien/dpa/gms<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Kloster Santo Toribio in Kantabrien
Foto: Fremdenverkehrsamt Kantabrien/dpa/gms
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Millionen von Pilger wissen es bereits: Hinter den Schluchten Kantabriens erwartet den Reisenden das Liébana-Tal. Auf saftigen Wiesen grasen Kühe, Gebirgsbäche schlängeln sich durch die Landschaft.

Von Manuel Meyer

Der Weg durch die Schlucht ist dunkel. Die hohen Felswände lassen kaum Sonnenlicht durch. Am Straßenrand donnern die Fluten des Río Deva bedrohlich nahe am Auto vorbei.

Die Straßen sind kurvig und eng in der Bergwelt Kantabriens. Dennoch werden in diesem Jahr eine Million Pilger im Norden Spaniens erwartet, die im Kloster Santo Toribio einen Splitter vom Kreuz Christi bestaunen. Am Ende der Schlucht erwartet den Reisenden das verträumte Liébana-Tal. Auf saftigen Wiesen grasen Kühe, Gebirgsbäche schlängeln sich durch die Landschaft. Aus den Schornsteinen kleiner Bauernhäuser steigt Rauch. Im Hintergrund blitzen die schneebedeckten Gipfel der Picos de Europa.

Die tiefe Schlucht trennt das Tal fast ganz von der Außenwelt ab. Als die Iberische Halbinsel im 8. Jahrhundert von den Mauren besetzt wurde, flüchteten viele Christen in das schwer zugängliche Tal, dass nie von den fremden Besatzern erobert wurde. Kurz nach der Schlucht zeugt die Kirche Santa María de Lebeña von den ersten christlichen Siedlungen im Tal.

Die Kirche aus dem Jahr 930 ist eine der ältesten Kirchen Kantabriens. Der Graf von Liébana ließ die kleine Kirche im mozarabischen Stil erbauen, um dort Reliquien des Heiligen Toribio aufzubewahren. Doch die Benediktiner-Mönche aus dem wenige Kilometer entfernten Kloster Santo Toribio setzten sich erfolgreich zur Wehr, als die Ritter des Grafen die Gebeine des Heiligen mit Waffengewalt holen wollten.

In der Kapelle bewahren die Mönche - heute sind es Franziskaner - das größte Fragment vom Kreuz Christi auf. Daher ist das Kloster einer der wenigen Orte neben Rom, der ein Heiliges Jahr ausrufen darf. Immer dann, wenn der Namenstag des Heiligen am 16. April auf einen Sonntag fällt - so auch 2006. Da der Tag in diesem Jahr der Ostersonntag ist, wird das Heilige Jahr erst am 23. April beginnen.

Der Heilige Toribio, Bischof von Astorga, hat das 63 Zentimeter lange und 39 cm breite Holzstück im 5. Jahrhundert aus Jerusalem mitgebracht. Im 8. Jahrhundert versteckten es die Mönche im abgelegenen Liébana-Tal vor maurischen Plünderern. Heute liegt das mit Gold und Silber verzierte Kreuz in einem Schrein in der Klosterkirche. Der Splitter wurde in die Kreuzform eingelassen.

Hunderte Male wurde Oscar Solloa schon gefragt, ob es sich wirklich um ein Fragment aus dem Jesus-Kreuz handle. «Analysen haben zumindest bestätigt, dass es sich um eine Zypresse aus Palästina handelt, die über 2000 Jahre alt ist - aber das ist auch nicht so wichtig», antwortet der Mönch. «Immerhin gibt es eine Menge Menschen, die durch die Berührung wieder den Weg zum Glauben gefunden haben.»

In den umliegenden Dörfern ist nur wenig Aufregung vor den bevorstehenden Touristenmassen zu spüren. Nur in Potes, dem vitalen Hauptort des Liébana-Tales, durchstreifen einige Urlauber die Altstadt mit ihren Arkaden, Holzbalkonen und dem Torre del Infantado, einem Festungsturm aus dem 15. Jahrhundert.

Außer den Pilgern kommen vor allem Wanderer in die Gegend mit ihren verträumten Dörfern wie Mogrovejo und Cosgaya. Andere führt der Weg ins letzte Dorf im Tale, Fuente De. Hier endet die Straße vor einer 800 Meter hohen Felswand, die mit einer Seilbahn erklommen werden kann. Das sollte aber nur machen, wer schwindelfrei ist – oder zuvor den Segen von Santo Toribio eingeholt hat.

Information: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/72 50 38, Broschüren-Tel.: 06123/991 34).
(dpa)