15.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Inder begrüßen Frühling mit Farben und Stöcken
Während Europa noch in eisgrau und schneeweiß versinkt, wird in Indien mit dem Fest der Farben der Frühling begrüßt. Millionen Menschen haben das so genannte «Holi-Fest» begangen.
Mit knalligen Farben, fröhlichen Tänzen und feierlichen Gebeten haben Millionen Inder ausgelassen den Frühling begrüßt. Das ursprünglich hinduistische Holi-Fest ähnelt einem Karneval: Dabei beschmieren sich Menschen gegenseitig mit bunten Pulvern und bespritzen sich mit Farbwasser. Die Massen vergnügten sich in Bombay, Bangalore, Madras und Neu Delhi, aber auch in Varanasi, wo erst kürzlich 20 Menschen bei einem Bombenattentat ums Leben kamen.
Zu Holi beschenken Eltern ihre verheirateten Töchter und deren Kinder mit neuer Kleidung. Es gibt spezielle Gerichte aus Hülsenfrüchten und besondere Süßigkeiten. Beliebt ist auch eine Paste aus den zerstoßenen Blättern der Cannabispflanze, gemischt mit Mandeln und Gewürzen.
Um das Fest ranken sich viele Legenden. Die Hauptrolle spielt dabei Krischna, der Gott mit den meisten menschlichen Schwächen. Krischna war berühmt für seine Streiche. Er bändelte mit Hirtenmädchen an und bespritzte sie aus «Pichkaris» - das sind Wasserspritzen aus Messing.
Heute sind die Pichkaris aus Plastik und können ganze Wasserladungen aufnehmen. Bevor die Menschen sich gegenseitig damit durchnässen, werden Gesichter und Kleidung mit Gulal, einem Farbpulver, beschmiert.
Am Abend vor Holi werden in vielen Orten Nordindiens Freudenfeuer entfacht, die den Triumph des Guten über das Böse symbolisieren sollen. Für die Männer in den nördlichen Bundesstaaten Uttar Pradesh und Haryana wird Holi oft zum Albtraum: Mit Stöcken wild um sich schwingend, prügeln Frauen auf sie ein. Nur mit einem über den Kopf gestülpten Bambuskäfig wagen sich die Männer an diesem Tag aus dem Haus. (nz)