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Auf einen Kaffee nach Kuba

10. Feb 2006 10:01
Las Terrazas liegt in einem Naturschutzgebiet
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Der kleine Ort Las Terrazas westlich von Havanna hat sich zum ökotouristischen Ausflugsziel entwickelt. Wie im 18. Jahrhundert wird hier wieder Kaffee angebaut.

Von Andreas Heimann

Es sieht ganz kuschlig aus bei Maria Hernandez. Ein Schaukelstuhl steht neben dem Tisch, im kleinen Nebenzimmer kocht schon der Kaffee. Marino Meranda hilft, ihn zu servieren. Die beiden alten Herrschaften arbeiten in einem Café in Las Terrazas, das auch ihr Wohnzimmer sein könnte. Doch meistens sitzen an ihrem Tisch Touristen. Las Terrazas, ein Stück westlich von Havanna, entwickelt sich zum Ausflugsziel. Vor 20 Jahren hätte das noch kaum jemand für möglich gehalten.

Die Gemeinde ist heute Teil des Biosphären-Reservates Sierra del Rosario der Unesco und ein ökotouristisches Vorzeigeprojekt. Das Naturschutzreservat liegt im «Schwanz des Krokodils», ganz in Kubas Westen also. Die Provinz Pinar del Rio ist vor allem eines: grün. Die Landschaft ist von hügeligen Mittelgebirgen durchzogen und bewaldet - jetzt wieder. Denn das Naturschutzgebiet rund um Las Terrazas ist ein Wiederaufforstungsprojekt. Tausende von Bäumen sind in den vergangenen Jahren gepflanzt worden.

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In der Kolonialzeit fiel dem Raubbau an der Natur vor allem der Wald zum Opfer: Das Holz wurde für den Schiffbau gebraucht, der Boden für Zucker- und Kaffeeplantagen - so wie in Las Terrazas. «Im 18. Jahrhundert brachten die Franzosen Kaffeepflanzen hierher», erzählt Alexis Lopez. «Bald darauf arbeiteten 120 Sklaven auf den Feldern und wohnten in den Baracken daneben.» Ihre Geschichte war schon fast vergessen. Inzwischen wird wieder an sie erinnert. Sogar Kaffee wird wieder angebaut, allerdings nur noch in vergleichsweise kleinem Stil.

Die Secaderos von einst wurden rekonstruiert, die Trockenflächen, auf denen die Kaffeebohnen in der Sonne ausgebreitet wurden. In einer Hütte mit Palmendach ist auch noch ein Mühlstein zu sehen, der früher von Zugtieren bewegt wurde, um die Kaffeebohnen auf diese Weise zu schälen. «Bis ungefähr 1850 wurden die Bohnen nur geschält exportiert», sagt Lopez, der Besuchergruppen durch die alte Plantage führt. Anders als früher werden auch keine Robusta-Sorten angepflanzt, sondern nur Arabica, «weil die unter ökologischen Gesichtspunkten besser sind.»

Die guten Bademöglichkeiten locken auch viele einheimische Gäste an.
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Übernachtungen sind zum Beispiel im Vier-Sterne-«Hotel Moka» möglich, mitten im dichten Grün. Pinar el Rio hat auch unter botanischen Gesichtspunkten einiges zu bieten: Almancigo-Bäume zum Beispiel gibt es immer wieder zu sehen. «Wir nennen sie Touristen-Bäume», sagt Alexis Lopez, «weil ihre Rinde so stark blättert - wie helle Haut beim Sonnenbrand.» In der Lobby des «Hotel Moka» ragt ein mehr als 100 Jahre alter Johannisbrotbaum bis durch das Dach des Hauses, und von den 26 Zimmern aus fällt der Blick auf Teak- und Mahagonibäume.

Nicht einmal 1000 Einwohner hat die Gemeinde Las Terrazas. «60 Prozent von ihnen arbeiten im Tourismus», erzählt Lopez. Viele Besucher kommen in das Naturreservat allerdings nicht um zu übernachten, sondern vor allem, um zu baden: Der Rio San Juan plätschert hier durch grünes Dickicht. An dem kleinen Fluss haben es sich gleich mehrere Familien gemütlich gemacht. Die einen sitzen auf den Felsen in der Sonne, die anderen schwimmen durch das angenehm warme Wasser.

Ein kleiner Wasserfall reizt vor allem Kinder, die sich kopfüber durch die Stromschnellen spülen lassen. Eigentlich wirkt das alles völlig idyllisch - dass in der Nähe irgendwann einmal Sklaven auf den Kaffeefeldern geschuftet haben, ist schnell vergessen. (dpa/gms)

 
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