netzeitung.deMit dem Pferd auf den Spuren Fontanes

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Pferde im Schneetreiben (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Pferde im Schneetreiben
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sachsen-Anhalt hat den längsten Reitwanderweg Europas. Auf dem Rücken der Pferde kann man dort den Spuren des Dichters Theodor Fontane folgen.

Von Birgitt Pötzsch

Die Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt und inmitten des Städtedreiecks Berlin - Hamburg - Hannover zählt zu den wenigen naturbelassenen und dünn besiedelten Landstrichen Deutschlands: Weite Felder und grüne Wiesen, die von Flüssen und Gräben durchzogen sind, bieten auf 4500 Quadratkilometern Lebensraum unter anderem für Schwarzstorch, Biber und Rotbauchunken sowie für Moschuskraut und Leberblümchen. Zudem können Besucher hier auf den Spuren historischer Persönlichkeiten wie Theodor Fontane oder Otto von Bismarck wandeln, «am besten auf den Rücken von Pferden», wie Eike Trumpf rät, der Vorsitzender des Interessenvereins «Sternreiten in der Altmark» ist.

Seine Anfänge hatte der Verein 1997, als das Bundessozialministerium ein dreijähriges Programm für die strukturschwache Altmark startete. Im Mittelpunkt stand der Aufbau einer Reittouristik, vor allem deren Vermarktung beispielsweise auf Messen und im Internet, erinnert sich Trumpf. Eine der wichtigsten Auflagen sei gewesen, dass die Idee nach Auslaufen der Förderung, die insgesamt rund 1,8 Millionen Euro betragen habe, fortgesetzt werden müsse.
Reiterparadies
So wurden 1999 der «Sternreiten»-Verein gegründet, dem mittlerweile knapp 40 Mitglieder angehören, darunter Reiterhöfe, Gaststätten, Hotels, Pensionen, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften. Gemeinsam haben sie ein Pferde- und Reiterparadies mit einem 1600 Kilometer langen ausgeschilderten Netz touristischer Reitrouten geschaffen.

Die insgesamt rund 200 Routen gelten als das längste Reitwanderwegenetz Europas. Eike Trumpf macht in diesem Zusammenhang auf das großzügige Feld- und Forstgesetz Sachsen-Anhalts aufmerksam, das im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern hier zusätzlich ein nahezu grenzenloses Reiten auf Sand-, Feld- und Waldwegen quer durch die Landschaft möglich mache. Zudem gebe es ein dichtes Netz von Furten, Schutzhütten, Info-Tafeln und Anbindevorrichtungen, so dass jeder Reiter die Möglichkeit habe, die Region individuell kennen zu lernen.

Übernachtungen für Reiter und Pferd
Auch jene, die lieber in Gesellschaft reiten, kommen in der Altmark auf ihre Kosten: Der Verein bietet eine sach- und ortskundige Führung, Gepäcktransfer, umfangreiches Kartenmaterial mit Gastgeberverzeichnis sowie gebuchte Übernachtungen für Reiter und Pferd, wie Trumpf verspricht.

Zudem werden Erlebnisse für Freizeit- und Sportreiter ebenso angeboten wie für Anfänger, Reiterferien für Kinder und Urlaub auf dem Bauernhof für Familien. Bereits am 14. Januar im neuen Jahr beispielsweise steht ein Vollmondritt auf dem Kalender, am 26. Februar geht es um den Karneval und am 18. Juni um die
Glühwürmchen.

Ritt von Schloss zu Schloss
Auf Rundkursen können Interessenten auch Teile des Biosphärenreservats Mittlere Elbe erkunden oder romanische Feldsteinkirchen und gotische Backsteinkirchen entdecken. Der «Altmärkische Bauernhof-Trail» führt zu liebevoll restaurierten Gehöften, unter anderem durch die Stadt Salzwedel, die durch ihren Baumkuchen bundesweit bekannt wurde. Über 100 Kilometer geht der Elbe-Havel-Trail, nahe Arneburg, Havelberg und Werben.

Und den Wanderritt «Von Schloss zu Schloss» gibt es gleich in zwei Varianten, je nach Wunsch über vier oder über fünf Tage. Auf dem Programm steht beispielsweise das Schloss der Familien von Bismarck in Döbbelin. Übernachtet werden kann unter anderem im Gutshof Büttnershof, einem ehemaligen Besitz der Familie von Katte.

Alte Sagen auf neuen Pfaden
Ab kommenden Frühjahr können Reiter die Altmark auch von ihrer mystischen Seite kennen lernen: «Alte Sage auf neuen Pfaden» heißt eine neue Tour, wie Eike Trumpf ankündigt. Das Grab des Riesen Goliath liegt unter anderem auf der Strecke, der Mittelpunkt der Welt, und das Hünenbett im Pfarrgarten zu Winterfeld. Zu jeder der insgesamt sieben Stationen wird eine alte Geschichte erzählt, so auch die Sage «Wie der Kirchturm zu Brunau Spitzen bekam». (AP)