Besuch bei den Meistern der Meditation
29.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Während Ranjit, der junge Fahrer, den Jeep-Insassen mit gekonnter Fahrweise auf holprigen, unbefestigten und feuchten Straßen die Angst vor dem ewigen Abgrund nimmt, wird die Luft spürbar dünner. Das einstige Königreich Sikkim kam 1974 zu Indien. Bis heute hat der Bundesstaat einen Sonderstatus.
Die Tibeter, von denen viele aus China nach West-Bengalen und Sikkim flüchteten, haben auch ihre Religion mitgebracht: Entlang der Straßen finden sich kleine Lädchen, die die bunten tibetischen Gebetsfahnen, Räucherstäbchen und Thangkas - Rollbilder mit Gemälden von Buddhafiguren - verkaufen.
Die Fahrt geht entlang des Great Ramgit River, einem Gebirgsstrom, dessen Wildheit an mehreren Stellen Touristen aus dem Westen zum Rafting und Campen einlädt. Die Ausläufer der hügeligen Teeplantagen von Darjeeling erstrecken sich hierher bis an die Grenze zu Sikkim und machen unterwegs Lust auf ein Tässchen des weltberühmten Tees. Schließlich erreichen Ranjit und seine Mitfahrer den Grenzposten Melli, wo sich alle anmelden müssen, und später das Grenzstädtchen Jorethang.
Eine erste Sehenswürdigkeit ist der Stupa von Tatopani, direkt am Fluss gelegen, die die Pilger im Uhrzeigersinn umrunden. Direkt daneben liegt eine von vielen Höhlen, die es in dieser Umgebung zu erkunden gibt. Im achten Jahrhundert vor Christus praktizierte ein hoher Lehrer des tibetischen Buddhismus, Guru Rinpoche, hier seine Meditation.
Die kulturellen und spirituellen Sehenswürdigkeiten Sikkims sind entlang des Rangit River nicht zu übersehen. Noch etwas weiter nördlich geht die Fahrt weiter nach Tashiding, wo sich oberhalb des Ortes auf einem Areal von der Größe eines Fußballfeldes weiße und vergoldete Stupas in verschiedenen Größen versammelt haben. Direkt vom Stupa-Feld aus geht die Wanderung weiter hinauf zur nächsten Höhle des alten Meditationsmeisters - eine Tour, die sich auch wegen des Himalaya-Panoramas unbedingt lohnt.
Es ist schon Abend, als der Jeep Rumtek erreicht. Das mehrere Meter hohe Eisentor, durch das der Weg die letzen Meter hinauf zum Kloster und den kleinen Pensionen führt, öffnet sich, nachdem die Gruppe sich angemeldet hat.
Das Kloster wurde 1962 vom 16. Karmapa, einem hohen buddhistischen Lehrer, nach seiner Flucht vor den Chinesen aus Tibet gegründet. Es birgt viele Schätze. Die dort lebenden Mönche öffnen die großen und schweren Türen gerne für Besucher. So wie auch Karma Shenphen Dawa, der den Meditationsraum der Gottheit Tara hütet, und bei Tee und Gebäck in seiner kleinen Kammer gerne Fragen beantwortet. Überall glimmen Räucherstäbchen aus tibetischen Kräutern.
Um Sikkim kennenzulernen, fliegt man von Deutschland aus am besten nach Neu Delhi und von dort mit einem Inlandsflug weiter nach Bagdogra. Ein Visum für die Indien gibt es bei der indischen Botschaft. Für Sikkim ist ein gesondertes Visum erforderlich, das ebenfalls bei der indischen Botschaft beantragt werden kann. (nz)

