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Besuch bei den Meistern der Meditation

29. Okt 2005 16:40
Klöster gehören zum Landschaftsbild in Sikkim.
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Über holprige, unbefestigte Straßen führt der Weg hinauf ins einstige Königreich Sikkim. Nach stundenlanger Fahrt durch den Himalaya öffnet sich ein meterhohes Eisentor und gewehrt Einblick in das Leben buddhistischer Mönche.

Die Landschaft erinnert an die Alpen. Während der Jeep sich die Berge hinauf in den äußersten Nordosten Indiens nach Sikkim schlängelt, haben Europäer schnell das Gefühl, in der Schweiz zu sein. Doch ein Blick auf die Höhenmetern in der Landkarte genügt, um den Unterschied sofort zu begreifen: 2000 bis 3000 Meter sind hier am Rande des indischen Himalaya keine Seltenheit – nach oben sind fast keine Grenzen gesetzt. Der Kangchenjunga, mit 8586 Metern der dritthöchste Berg der Welt, grüßt während der gesamten Reise stolz herüber.

Während Ranjit, der junge Fahrer, den Jeep-Insassen mit gekonnter Fahrweise auf holprigen, unbefestigten und feuchten Straßen die Angst vor dem ewigen Abgrund nimmt, wird die Luft spürbar dünner. Das einstige Königreich Sikkim kam 1974 zu Indien. Bis heute hat der Bundesstaat einen Sonderstatus.

Gebetsfahnen und Räucherstäbchen

Der Weg in die indischen Himalaya-Berge führt durch West-Bengalen. Der Jeep mit Ranjit startet dort in der Stadt Kalimpong auf rund 1200 Meter Höhe. Bereits hier ist der Einfluss der Bergvölker Nepals und Tibets deutlich spürbar: In kleinen Garküchen am Straßenrand bereiten sie Momos zu, tibetische Teigtaschen.

Die Tibeter, von denen viele aus China nach West-Bengalen und Sikkim flüchteten, haben auch ihre Religion mitgebracht: Entlang der Straßen finden sich kleine Lädchen, die die bunten tibetischen Gebetsfahnen, Räucherstäbchen und Thangkas - Rollbilder mit Gemälden von Buddhafiguren - verkaufen.

Die Fahrt geht entlang des Great Ramgit River, einem Gebirgsstrom, dessen Wildheit an mehreren Stellen Touristen aus dem Westen zum Rafting und Campen einlädt. Die Ausläufer der hügeligen Teeplantagen von Darjeeling erstrecken sich hierher bis an die Grenze zu Sikkim und machen unterwegs Lust auf ein Tässchen des weltberühmten Tees. Schließlich erreichen Ranjit und seine Mitfahrer den Grenzposten Melli, wo sich alle anmelden müssen, und später das Grenzstädtchen Jorethang.

Whisky zum Frühstück

Zeit für ein Frühstück. Und für viele der Augenblick für einen ersten Whisky. Dieser Umstand erstaunt so manchen Europäer: War der Alkohol in West-Bengalen noch verboten, so präsentiert sich plötzlich ein Whisky-Laden am anderen. Weiter geht es nach Norden durch die dicht bewaldeten Hügel des kleinen indischen Paradieses, inzwischen ist der Great Ramgit River zum Rangit River geworden. Der buddhistische Einfluss wird immer deutlicher: überall kleine und große weiß getünchte Stupas, Denkmäler, die Symbole für den Buddhismus sind.

Eine erste Sehenswürdigkeit ist der Stupa von Tatopani, direkt am Fluss gelegen, die die Pilger im Uhrzeigersinn umrunden. Direkt daneben liegt eine von vielen Höhlen, die es in dieser Umgebung zu erkunden gibt. Im achten Jahrhundert vor Christus praktizierte ein hoher Lehrer des tibetischen Buddhismus, Guru Rinpoche, hier seine Meditation.

Die kulturellen und spirituellen Sehenswürdigkeiten Sikkims sind entlang des Rangit River nicht zu übersehen. Noch etwas weiter nördlich geht die Fahrt weiter nach Tashiding, wo sich oberhalb des Ortes auf einem Areal von der Größe eines Fußballfeldes weiße und vergoldete Stupas in verschiedenen Größen versammelt haben. Direkt vom Stupa-Feld aus geht die Wanderung weiter hinauf zur nächsten Höhle des alten Meditationsmeisters - eine Tour, die sich auch wegen des Himalaya-Panoramas unbedingt lohnt.

Tibetische Kost

Von Tashiding nimmt Ranjit die Straße über am Rongi River entlang hinauf zum Kloster Rumtek. Es ist eines der kulturellen Schätze Sikkims und Pilgerstätte fast aller Touristen, unweit der Hauptstadt Gangtok gelegen. Unterwegs lohnt es sich, schnell am Straßenrand noch etwas Obst zu kaufen. Oben am Kloster, auf mehr als 1500 Meter Höhe, gibt es vor allem tibetische Kost, Momos, Tsampa sowie die typisch indischen Nudel- und Reisgerichte.

Es ist schon Abend, als der Jeep Rumtek erreicht. Das mehrere Meter hohe Eisentor, durch das der Weg die letzen Meter hinauf zum Kloster und den kleinen Pensionen führt, öffnet sich, nachdem die Gruppe sich angemeldet hat.

Das Kloster wurde 1962 vom 16. Karmapa, einem hohen buddhistischen Lehrer, nach seiner Flucht vor den Chinesen aus Tibet gegründet. Es birgt viele Schätze. Die dort lebenden Mönche öffnen die großen und schweren Türen gerne für Besucher. So wie auch Karma Shenphen Dawa, der den Meditationsraum der Gottheit Tara hütet, und bei Tee und Gebäck in seiner kleinen Kammer gerne Fragen beantwortet. Überall glimmen Räucherstäbchen aus tibetischen Kräutern.

Hubschrauber-Service

Hinter den Reisenden liegt eine fünfstündige Fahrt, die am indischen Flughafen Bagdogra nahe der Stadt Siliguri begann. Wer die Fahrt mit dem Jeep scheut, kann auch einen Hubschrauber-Service nutzen.

Um Sikkim kennenzulernen, fliegt man von Deutschland aus am besten nach Neu Delhi und von dort mit einem Inlandsflug weiter nach Bagdogra. Ein Visum für die Indien gibt es bei der indischen Botschaft. Für Sikkim ist ein gesondertes Visum erforderlich, das ebenfalls bei der indischen Botschaft beantragt werden kann. (nz)

 
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