netzeitung.dePortugal setzt auf sein historisches Erbe

 Herausgeber: netzeitung.de

Guarda in Portugal - die Kathedrale gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Guarda in Portugal - die Kathedrale gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Burgen statt Badestrand: Portugal geht im Tourismus neue Wege. Mit Rundfahrten zu historischen Stätten sollen Urlauber in das Land gelockt werden.

Von Katalin Muharay

Wenn Touristen heute Sonne und Strand suchen, ist Südeuropa längst nicht mehr erste Wahl. Auch Portugal leidet darunter: Nach Angaben der Welttourismusorganisation WTO hat das Land in den vergangenen drei Jahren fast eine halbe Million Besucher verloren - die meisten waren zuvor treue Sommergäste an der Algarve.

Um gegenzusteuern, setzt Portugal nun auf eine andere Stärke: sein historisches Erbe. In einem neuen Programm fördert das Tourismus-Institut ITP Rundfahrten durch Dörfer in Beira Alta. Die Region in Zentralportugal liegt in der Nähe zur spanischen Grenze.

Die Landschaft ist reich an Naturschutzgebieten wie der Serra de Estrela, der höchsten Bergkette Portugals. Für das Projekt ausgesucht wurde die Region aber auch, weil viele Dörfer ihr mittelalterliches Gesicht behalten haben: Architektur, Denkmäler und Burgen erinnern dort an die Zeit, als Portugal noch eine europäische Großmacht war und seine Seefahrer sich anschickten, ferne Küsten zu erobern.

Ein Beispiel ist Belmonte. Das 3500-Einwohner-Dorf mit den Resten einer Burg war über Jahrhunderte im Besitz der Familie Cabral. Eine kleine Kapelle beherbergt das Grab ihres bedeutendsten Abkömmlings: Admiral Pedro Alvares Cabral verschlug es um das Jahr 1500 mit seiner Flotte an einen unbekannten Landstrich, den er für den portugiesischen König in Besitz nahm - das spätere Brasilien.

In Belmonte und anderen Dörfern blühten auch die Gemeinschaften portugiesischer Juden, der Sepharden. So hat sich in Belmonte noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die letzte «kryptojüdische» Gemeinde der iberischen Halbinsel erhalten - Juden, die während der Inquisition gewaltsam christianisiert wurden, im Verborgenen aber ihren alten Glauben weiter lebten.

In derselben Region erinnern Ortschaften wie Covilha, Guarda, Trancoso und Fundao an die alten jüdischen Gemeinden. In Guarda etwa ist noch die - längst anderweitig genutzte - alte Synagoge zu sehen. Auf portugiesisch-sephardische Juden gingen bis zu ihrer Vertreibung 1492 oft entscheidende Fortschritte in der Kartografie zurück. Sie ermöglichten so erst die großen portugiesischen Entdeckungen des 15. und 16. Jahrhunderts.

Andere historische Dörfer wie Idanha-a-Velha waren im Mittelalter weniger bedeutend. Dort können dafür die Reste der Festung und einer Brücke der Stadt Civitas Igaeditanorum aus dem ersten Jahrhundert vor Christus besichtigt werden. Der Ort hieß später Egitanea und zählte zu den wichtigsten Zentren des römischen Portugal.

Das benachbarte Dorf Monsanto mit seinen mittelalterlichen Mauern und der imponierenden Festung dagegen war eine der wichtigsten Burgen der Tempelritter und ihrer Nachfolger, des Ordens der Christusritter. Die historische Reiseroute schließt auch Sortelha, Linhares und Castelo Novo ein - typische befestigte Dörfer, die im 13. Jahrhundert entstanden und sich entwickelten mit dem Ziel, die Bedrohung durch spanische Invasionen zu bremsen.

Bei der Restaurierung von Häusern und Denkmälern sollen weitgehend die ursprünglichen Baumaterialien zum Einsatz kommen. Geplant ist, dass die Touristen zwar das Flair eines mittelalterlichen Steinhauses erleben, in seinem Innern aber dennoch modernen Komfort genießen. (dpa)

Informationen: Portugiesisches Touristik- und Handelsbüro, Schäfergasse 17, 60313 Frankfurt (Tel.: 069/92 07 26 11, Verbraucher-Tel.: 01805/00 49 30, Internet: www.visitportugal.com)