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Kino in den Katakomben von Paris

09. Sep 2004 07:35
In den Pariser Katakomben
Whiskey und «Film Noir» im Untergrund von Paris: In einem Tunnel unter dem vornehmen 16. Bezirk hat die Polizei ein illegales Kneipen-Kino entdeckt.

Unter dem Straßenpflaster beginnt das geheime Paris. Die französische Hauptstadt wird von einem weit verzweigten Netz unterirdischer Tunnel und Höhlen durchzogen, die größtenteils nicht betreten werden dürfen - der ideale Ort für Subkultur.

Ausgerechnet unterhalb des vornehmen 16. Arrondissements entdeckte eine Polizeistreife kürzlich ein illegales Kino und Restaurant, dessen Gäste sich offensichtlich mit Whiskey und Thrillern die Zeit vertrieben. Das berichtet der britische «Guardian».

Die Polizisten, deren Einheit für die Überwachung des mehr als 300 Kilometer langen Tunnelsystems zuständig sind, ließen sich In der Nähe des Trocadéro durch einen Abzugsschacht in den Untergrund hinab. Kurz darauf sahen sie eine Plane mit der Aufschrift «Baustelle - Betreten verboten».

Spionagekamera und Hundegekläff

Dahinter begann ein Tunnel, in dem eine TV-Kamera jeden Eindringling filmte. Beim Betreten wurde außerdem ein Tonband in Gang gesetzt, das ungebetene Gäste mit Hundegebell erschrecken sollte.

In 18 Meter Tiefe gelangten die erstaunten Beamten schließlich in eine Art Amphitheater, das sich als Kino entpuppte. Neben einer großen Kinoleinwand wurden dort Vorführgeräte und Filmkopien gefunden - von Klassikern des «Film Noir» aus den 50er Jahren bis hin zu neueren Thrillern. Verbotene Filme seien nicht darunter gewesen, sagte ein Polizeisprecher der Zeitung.

In einer kleineren Höhle befand sich eine improvisierte Bar mit Whiskey und anderen Spirituosen sowie einem Dampfkochtopf für Couscous-Gerichte. Laut der Polizei hatten sich die Betreiber ein professionelles Stromnetz legen lassen und verfügten über mindestens drei Telefonanschlüsse.

Sekte oder Geheimbund?

Als die Polizisten drei Tage später zurückkehrten, waren alle Leitungen gekappt. Unbekannte hatten auf dem Boden einen Zettel hinterlassen. «Versucht nicht, uns zu finden», stand darauf.

Wer die Kinobetreiber im Untergrund sind, ist der Polizei weiterhin ein Rätsel. An die Decke seien Hakenkreuze, keltiche Kreuze und mehrere Davidsterne gemalt worden, so ein Sprecher. «Ich glaube nicht, dass es Extremisten sind. Eher eine Sekte oder Geheimgesellschaft.»

Offiziell zu besichtigen ist nur noch ein kleiner Teil des Pariser Untergrunds, der in der Antike als Steinbruch genutzt wurde. Später wurden dort bis zu sechs Millionen Menschen bestattet, als die Friedhöfe im 17. Jahrhundert zu eng wurden. Seit 1995 ist der Zutritt zu dem übrigen Tunnelsystem aus Sicherheitsgründen verboten. Underground-Freaks finden allerdings immer geheime Zugänge, um Partys zu organisieren.

 
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