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Norwegische Kirche zieht Metal-Fans an

06. Aug 2004 07:51
Die Stabkirche in Fantoft
Vielen ist Norwegen vor allem als das Land der Fjorde und Elche bekannt. Musik-Fans aus aller Welt besuchen dort aber auch gerne den Ort einer Brandstiftung.

Zu den bekanntesten Aktionen des berüchtigten norwegischen Black-Metal-Musikers Varg Vikernes gehörte das Anzünden von Kirchen. Unter anderem legte er Anfang der 90er Jahre die historisch bedeutsame Stabkirche in Fantoft bei Bergen in Schutt und Asche. Wie der norwegische Sender NRK berichtet, ist die mittlerweile rekonstruierte und 1997 erneut geweihte Kirche mittlerweile nicht nur wieder Touristenattraktion, sondern auch das Ziel zahlreicher Metal-Fans aus ganz Europa geworden.

Künstler Krimineller Kultfigur

Mehr in der Netzeitung:
Vikernes, der Anfang der 90er mit dem Ein-Mann-Projekt «Burzum» mehrere Alben einspielte, verbüßt seit 1994 eine 21-jährige Haftstrafe wegen Mordes an dem Sänger einer anderen Black-Metal-Band. Im Oktober 2003 war es ihm gelungen, schwer bewaffnet zu fliehen, nach einigen Tagen wurde er jedoch wieder gefasst. Seit seinem Haftantritt hatte sich Vikersnes mehr und mehr rechtsradikalem Gedankengut verschrieben und ist mittlerweile nicht nur eine Black-Metal- sondern auch Neonazi-Kultfigur.

Noch vor dem Mord und seiner Verhaftung hatte der auch als «Count Grishnackh» oder «Greven» bekannte Musiker in einer damals als «Norwegen-Tour» bezeichneten Aktion zahlreiche Kirchen angezündet, darunter auch die Fantoft-Stabkirche aus dem 13. Jahrhundert. Das Gotteshaus brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Respektlose T-Shirts

Mehr im Internet:
Ein Foto der verkohlten Überreste der Kirche in Fantoft ziert ein Burzum-Album und prangt auch heute noch oft auf T-Shirts von Black-Metal-Fans. Der norwegische Fremdenführer Arne Dyrøy beklagt gegenüber NRK die Respektlosigkeit zahlreicher Touristen, die heute Fantoft besichtigten und solche Shirts trügen. Viele Metal-Fans würden ihn nach Vikernes fragen und ihn gerne im Gefängnis von Bergen besuchen. Auch hätte ein kanadisches Filmteam bereits eine Dokumentation über den «Greven» bei der Kirche gedreht.

Ernst und theatralisch

Der Black-Metal-Musiker King ov Hell von der Band Gorgoroth
Black Metal, eine extreme Spielart des Heavy Metal zeichnet sich durch antichristliche Texte, schwarz-weisse Gesichtbemalung («corpse paint») sowie ein theatralisches Auftreten voller Dogmatismus und Ernsthaftigkeit aus. Die norwegische Szene der frühen 90er Jahre gilt den meisten Black-Metal-Bands und –Fans immer noch als beispielhaft und stilprägend in ihrer Konsequenz.

Nett und umgänglich

Mehr im Internet:
Torgrim Øyre, norwegischer Musikjournalist und Mitorganisator eines jährlichen Metal-Festivals in Bergen, bestätigte gegenüber NRK, das Anzünden der Stabkirche sei ein «klassisches Ereignis der norwegischen Black-Metal-Geschichte». Das wachsende Pilgertum der Fans gen Fantoft sei jedoch ein «Nerd»-Phänomen. Er habe die meisten Black-Metal-Fans als nette und umgängliche Zeitgenossen kennen gelernt, sei jedoch trotzdem auf der Hut vor ihnen. (nz)
 
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