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«Taschendiebe sind keine Einsteins»

25. Mai 2004 07:58
Taschendiebstahl
Die Urlaubszeit ist leider auch die Zeit der Taschendiebe. Einer, der es wissen muss, sagt, es sei verblüffend einfach, sich vor ärgerlichem Verlust zu schützen.

Voll Freude kommt man an am Urlaubsort, zerrt seine Koffer und Taschen in die U-Bahn, nur um endlich im Hotel angekommen, festzustellen, dass einem das Portmonnaie aus der Gesäßtasche geklaut worden ist. So oder ähnlich verliert mancher Urlaub bereits am ersten Tag jeden Entspannungseffekt. Damit das nicht passiert, verrät Bob Arno, Magier und Trickdieb-Experte aus Las Vegas, die «neuesten Trends an der Klaufront».

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Ein sauber ausgeführter Taschendiebstahl beginnt mit einer Ablenkung, sagte Arno im Interview mit der Zeitschrift «Neon». Der Dieb nähere sich zum Beispiel beim Aussteigen aus der U-Bahn, inszeniere eine kleine Ablenkung, und drücke dann mit einem Finger die Geldbörse ganz sanft zweieinhalb Zentimeter in der Gesäßtasche nach oben, berichtet der Trick-Experte. «Mit der anderen Hand hält er die Spitze des Geldbeutels, die nun oben aus der Tasche schaut, fest.» Der Taschendieb ziehe aber nicht. Er lasse das Opfer einfach weggehen. Natürlich klappe das nicht immer, aber wenn der Dieb gut ist, werde der Bestohlene nichts merken.

Der Stil des Klauens variiere je nach Land: «Die Nordafrikaner - Marokkaner und Tunesier - arbeiten oft mit den Füßen. Manche ihrer Bewegungen haben sogar ihren Ursprung im Fußball«, sagt Arno. Sie steigen auf den Fuß des Opfers oder schrammen daran vorbei und entschuldigen sich.

So was sehe man in Kolumbien nie. Die Südamerikaner machen demnach viel mit Schnelligkeit - weil viele der Diebe dort als 'Piranhas' in Kinderbanden angefangen haben. Einen ganz eigenen Stil haben die Roma in Albanien oder Rumänien. »Ihre Technik ist viel spielerischer. Ein Diebstahl ist bei ihnen ein guter Witz. Jeder lacht, niemand schämt sich dabei. Muslime schämen sich dagegen sehr, wenn sie erwischt werden. Sie verstoßen ja mit ihrem Diebstahl gegen den Koran.»

Ketchup und Vogelmist

Als Ablenkung sei sehr verbreitet, sein Opfer zu bekleckern. «Zum Beispiel mit Senf oder Ketchup, Öl oder etwas, das aussieht wie Vogelmist.» «Eine Minute später macht er dich auf den Fleck aufmerksam, gibt dir ein Taschentuch oder hilft dir, den Fleck zu entfernen. Oft lenkt der eine ab, und sein Partner stiehlt.»

Es gebe Tausende fiese Tricks, so Arno. In Amerika trügen manche Diebe Kleidersäcke für Anzüge mit sich herum. «In einer Drehtür oder im Aufzug kommen sie dir damit sehr nahe, so dass der Sack für einen Moment über deiner Tasche oder deinem Rucksack liegt und deine Sicht verdeckt. In Spanien kommen Diebe mit Blumen an und stecken dir eine ins Knopfloch.» Wenn man dann Kleingeld suche, um den vermeintlichen lokalen Brauch zu entlohnen, würde einem das Papiergeld aus der Börse gestohlen.

Blumensträuße und Minikameras

Die neuesten Trends sind laut Arno das Ablesen der PIN-Nummer mit Minikameras - und anschließend wird die Kreditkarte gestohlen. Bei ordinären Kriminellen komme immer häufiger die Rasierklinge zum Einsatz. Außerdem würde mittlerweile nicht nur in Bahnhöfen und auf der Straße, sondern auch in Museen und Kirchen gestohlen.

Der einfachste Trick gegen Taschendiebstahl sei das Bewusstsein, dass es passieren kann, sagt der Experte: «Taschendiebe sind im Normalfall keine Einsteins. Sie haben keine Chance, wenn man auch nur ein bisschen aufpasst. Aber ich beobachte leider, dass ungefähr 15 Prozent der Menschen wirklich dumm sind. Man muss einen Rucksack mit Reissverschluss nicht auf dem Rücken tragen, wenn man mitten in einer Menschenmenge in Barcelona steht. Man muss eine Handtasche in einer Bar nicht einfach über den Stuhl hängen.» Wenn man sie stattdessen in Sichtweite deponiere, gebe es später auch keine böse Überraschung. (nz)

 
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