22. Apr 2004 16:54
Wegen Wandmalereien an einem New Yorker Lagerhaus droht einem Künstler bis zu einem Jahr Haft. Seit den 70er Jahren sind Graffiti in der Stadt bei Strafe verboten.
Seine ersten Graffiti malte James De La Vega 1993, aus Trauer über den Tod eines Freundes. Inzwischen kennen viele New Yorker seine Wandbilder an U-Bahnhöfen und viel befahrenen Straßen, unter Kollegen gilt er als talentierter Künstler. Die Behörden sehen das aber anders. Da Graffitimalerei in New York seit den 70er Jahren als Vandalismus gilt, könnte De La Vega nun bis zu einem Jahr ins Gefängnis kommen, wie die US-Onlinezeitung «Salon.com» berichtet.
Im vergangenen Juli wurde der Mann aus Spanish Harlem festgenommen, als er die Wand einer Lagerhalle in der Bronx bemalte. Hätte er sich schuldig bekannt, wäre er mit 30 Tagen Haft davongekommen. Doch De La Vega sah in seinem Tun nichts Verwerfliches und muss sich nun Anfang Juni vor Gericht verantworten.Das Gesetz stellt Graffiti an öffentlichen und privaten Gebäuden nur dann außer Strafe, wenn eine ausdrückliche Genehmigung des Eigentümers vorliegt. Es gebe allerdings viele andere Personen, die das anders sähen und bereit seien, zu Gunsten von De La Vega auszusagen, betont sein Anwalt.
Der zuständige Bezirksbürgermeister Robert Johnson hatte dagegen kürzlich der «New York Times» gesagt, er finde es widerwärtig, wenn Mauern als Leinwände missbraucht würden.
Für De La Vega ist die Sache jedenfalls klar: «Ich habe die Wände nicht als Privateigentum betrachtet», zitiert ihn die Zeitung. Er habe in der Bronx ein Kunstwerk schaffen wollen, das vorbeifahrende Autofahrer zum Lächeln gebracht hätte. (nz)