Desaster schrecken Touristen ab: 

netzeitung.deNur Einheimische vor Birmas Pagoden

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Shwedagon-Pagode in Birmas früherer Hauptstadt Rangun (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Shwedagon-Pagode in Birmas früherer Hauptstadt Rangun
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein wichtiges Reiseland war Birma nie, aber nach den niedergeschlagenen Aufständen und einem Zyklon finden kaum noch Touristen in das asiatische Land. Dabei gäbe es viel zu sehen: Tempel und schwimmende Gärten.

Früh um sieben Uhr taucht die goldene Spitze der Shwedagon-Pagode in der birmanischen Hafenstadt Rangun ganz langsam aus dem Morgennebel auf. Erst diffus, dann immer deutlicher kommt die gigantische goldene Kuppel in Sicht, bis die ganze Pracht mit tonnenweise Blattgold in der Morgensonne glänzt. Auf den Märkten ist schon seit Stunden Betrieb, Frauen balancieren ihre Einkäufe in Basttaschen auf hoch erhobenem Kopf nach Hause.

Die Schäden durch den verheerenden Zyklon «Nargis» sind längst beseitigt, und trotzdem liegt eine bleierne Schwere auf Rangun. «Keine Touristen», klagt der Taxifahrer. «Die meisten Zimmer sind leer», stöhnt ein Hotelmanager. Am Frühstücksbuffet dampft der Reis unangerührt, sieben Kellnerinnen drehen Däumchen.

Im Rest des Landes sieht es nicht anders aus. Reiseveranstalter haben nur vereinzelte Anfragen. Eigentlich beginnt mit dem Ende der Regenzeit im Oktober die schönste Jahreszeit und Hochsaison in Birma - doch davon ist nach Aussage der Tourismusveranstalter in diesem Jahr nichts zu spüren.

Erst Aufstand, dann Wirbelsturm
Birma ist von der Militärjunta in den vergangenen 40 Jahren zu einem der ärmsten Länder in Asien heruntergewirtschaftet worden. Erst in den letzten Jahren haben Touristen die Pagodenpracht und das liebenswerte buddhistische Ambiente entdeckt. Dann geriet das Land in den vergangenen 15 Monaten zweimal in die Schlagzeilen. Im September 2007 schlug das Militärregime einen Aufstand von tausenden Mönchen blutig nieder. Sieben Monate später brach «Nargis» über die Südküste herein und verwüstete das Irrawaddy-Delta und Rangun. 138.000 Menschen kamen um. Beides hat die Touristen abgeschreckt.

Aus Deutschland kamen noch im November 2007 mit Abstand die meisten westlichen Gäste. 2151, hat das Tourismusministerium gezählt, fast doppelt so viele wie aus Frankreich. Nur aus dem benachbarten China kamen mit 3901 mehr. Im Januar waren aber nur noch 1440 Deutsche da, und im Juni ganze 177. Das ist zwar die Regenzeit mit drückender Hitze, in der immer weniger Gäste kommen. Doch sieht die kommende Hochsaison auch düster aus.

«Viele Leute haben gedacht, das ganze Land sei durch den Sturm verwüstet worden oder es drohe ständig eine neue Wetterkatastrophe. Da haben sie lieber storniert», sagt Katharina Vaeth, Managerin des Savoy-Hotels in Rangun. «So ist es aber nicht: Reiseziele wie Bagan, Mandalay, Ngapali Beach und der Inle See wurden völlig verschont.»

Regime überlässt Branche sich selbst

Anderen wurde durch die Berichterstattung erst bewusst, dass das Land von einer Militärjunta regiert wird und sie sagten Reisepläne ab. «Man muss Tourismus und Politik völlig trennen», sagt Carsten Schmidt, Leiter des Uniteam-Reisebüros in Rangun. «Diejenigen, die am meisten leiden, wenn keine Gäste mehr kommen, sind die einfachen Birmanen.» Zimmermädchen, Fahrer, Köche, Kellnerinnen - hunderte sind entlassen worden. Sie haben oft Großfamilien von dem Salär versorgt.

Das Regime kümmert sich wenig um die Branche. Zwar profitieren ein paar Generalsfamilien und Junta-Freunde, die Hotels und Airlines betreiben, vom Touristengeschäft. Doch betrachtet Juntachef Than Shwe die Ausländer eher mit Argwohn. Geld zur Tourismusförderung gibt es so gut wie nicht. Deshalb haben sich 88 Reisebüros, Hotels und Fluggesellschaften zum privaten «Myanmar Marketing Committee» zusammen getan, um für das Land zu werben, etwa durch Auftritte bei Tourismusmessen.

Einheimische unter sich
Die historische Königsstadt Bagan mit hunderten erhaltenen Sakralbauten ist ein Muss für jeden Birma-Touristen - doch sind an einem Oktobermorgen auf dem Flug nach Bagan außer Einheimischen nur sieben amerikanische Rentner an Bord. Der Weiterflug nach Mandalay und Heho zum Inle-See findet praktisch ganz ohne Ausländer statt. Der 22 Kilometer lange See liegt auf fast 1000 Metern Höhe in den Shan-Bergen. In dem nur zwei, drei Meter tiefen Wasser gibt es aufwendig gepflegte schwimmende Gärten und ganze Dörfer auf Stelzen. Und Hotelanlagen, doch sind viele der Bungalows heute verrammelt. Am Ufer liegen mehrere Dutzend Motorboote vertäut, die sonst Touristen auf den See hinaus fahren. Gerade mal zwei sind an diesem Tag im Einsatz.

Auch in der Shwedagon-Pagode sind die Einheimischen unter sich. Ein Student hat eine einzelne Ausländerin entdeckt und radebrecht erfreut auf Deutsch, nachdem er ihre Herkunft erfragt hat. «Die Deutsch-Klassen an der Universität sind voll», sagt er. Wegen eines erhofften Jobs in der Tourismus-Industrie? «Nee», sagt der junge Mann. «Die einzigen Jobs gibt es im Moment bei Hilfsorganisationen.» (Kristina Rich, dpa)