Goldgräbersiedlungen und Wild-West-Städte:
Der «Weißen Lady von Latuda» auf der Spur
03. Sep 2008 14:06
 |  Ein verlassenes Haus im Lake Valley | Foto: AP |
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Sie lieben den Klang knarrender Eisentore und das Gefühl der Verlassenheit, wenn der Wind durch leere Straßen heult. «Ghost-Towner» durchreisen die USA auf der Suche nach Geisterstädten.
Burgruinen und verfallene Klöster hat das Reiseland USA seinen Besuchern nicht zu bieten. Dafür gibt es dort jede Menge verlassene Goldgräbersiedlungen und aufgegebene Wild-West-Städte. Diese Geisterstädte entfalten einen ganz eigenen Reiz und schlagen eine immer größere Zahl von Besuchern in ihren Bann. Für ausländische Touristen bieten sie Gelegenheit, bei einem USA-Urlaub unbekannte Facetten des Landes zu entdecken.
In den USA selbst hat sich eine eigene Bewegung gefunden, die sogenannten «Ghost Towners», die verlassene Siedlungen aufsuchen, dokumentieren und Gleichgesinnten über ihre Reisen berichten. «Wir sind ein Teil der Outdoor-Kultur», erklärt der Zeitungskolumnist Clint Thomsen. «Wenn Du bereit bis, 200 Meilen auf staubigen Straßen zu fahren, nur um etwas zu suchen, das definitiv verfallen ist, dann gehörst Du dazu.»
Eine Webseite für Gleichgesinnte
Die meisten Geisterstädte gibt es im Westen der USA. Einige US-Staaten dort haben 100 bis weit über 200 dieser Orte zu bieten. Aber auch im Mittleren Westen und selbst im Osten gibt es mehr Geisterstädte, als man gemeinhin denkt, wie Todd Underwood erklärt. Der ehemalige Chemieprofessor ist leidenschaftlicher «Ghost Towner» und hat eine eigene Webseite für Gleichgesinnte ins Leben gerufen.Selbst der Staat New York weist 14 dieser Phänomene auf, wie Underwood betont. Und in Pennsylvania gibt es sogar eine «Geisterautobahn», ein 21 Kilometer langes Teilstück des Pennsylvania Turnpike mit Tunneln und Brücken, das seit 1968 wegen einer Umfahrung nicht mehr benutzt wird. Der Pilot schätzt, dass er selbst rund 1000 Geisterstädte besucht hat. Eine Geisterstadt ist ein Ort, der im Schatten einstigen Glanzes steht. Das können kleine Ortschaften sein wie Jerome in Arizona oder Calico in Kalifornien. Das können die Ruinen in vergessenen Minensiedlungen sein, aufgegebene Farmen oder Bahnstationen, zu denen keine Züge mehr fahren.
Begegnungen mit Klapperschlangen inklusive
Was für den Einzelnen genau den Reiz dieser Orte ausmacht, ist so unterschiedlich, wie es die Besucher selbst sind. Den einen fasziniert der Klang knarrender Eisentore, der andere liebt das Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit, wenn der Wind durch ausgestorbene Straßen heult. Ganz ungefährlich sind die Besuche nicht: So berichten «Ghost Towner» von unliebsamen, überraschenden Begegnungen mit Klapperschlangen. Underwood hat einmal erlebt, dass er bei einem Besuch einer Geisterstadt auf einem verfallenen Haus saß, als plötzlich ein Mann mit einem Gewehr auf ihn zukam. «Ich drehte mich um und machte mich schnell davon», berichtet er.
 |  "Eine Geisterstadt ist ein Ort, der im Schatten einstigen Glanzes steht" | Foto: AP |
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David Pike hat auf seiner Website knapp 20 Geisterstädte in New Mexico untersucht und bewertet. Er gewinnt den Besuchen in den verlassenen Stätten eine fast philosophische Betrachtungsweise ab. «Wenn man in einem Gebäude steht, das einst war und sich jetzt langsam in ein baldiges Nichts auflöst, dann erinnert einen das intensiv daran, dass man dankbar dafür sein soll für das, was man hat, solange man es hat.»
Tipps für Abstecher ins Reich der Geisterstädte
Ghosttown-Enthusiasten wie Pike und Underwood haben für Interessenten ein paar Vorschläge an Geisterstädten zusammengestellt, die einen Besuch lohnen. Die verlassene Siedlung Lake Valley im Süden von New Mexico ist laut Pike der Inbegriff einer Geisterstadt. Lake Valley gehört dem US-Büro für Grundstückverwaltung und weist einige noch stehende Gebäude auf, darunter eine Schule, einen Kramladen und eine kleine Kirche. «Wenn ein Ort danach strebt, eine Geisterstadt zu sein, dann sollte er Lake Valley nacheifern», schwärmt Pike. Carson im US-Staat Colorado, ein aufgegebenes Minencamp, liegt auf der US-Kontinentalscheide in einer stolzen Höhe von 3658 Metern. «Es ist sehr weit ab vom Schuss und die meiste Zeit im Jahr von Schnee bedeckt», erklärt Underwood. «Alle Gebäude sind noch intakt. Es sieht fast aus, als sei jemand gerade erst aufgebrochen und weggegangen.»
Frisco in Utah ist der absolute Favorit von «Ghost Towner» Thomsen. Die alte Silberminenstadt im Südwesten des US-Staates hat verschiedene Kohleöfen im Freien, die einst für den Schmelzvorgang benutzt wurden. Außerdem gibt es einen Friedhof und einige stehende Gebäude zu besichtigen. Spring Canyon, ebenfalls in Utah, ist die Heimat von gleich mehreren Geisterstädten - ein weiterer Tipp Thomsens. Zumeist sind es alte Minencamps. In einem treibe sogar ein Geist, die «Weiße Lady von Latuda» ihr Unwesen. (Heather Clark, AP)