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Zurück in den «heißen märkischen Sand»: 

Schloss Ribbeck lädt zum Verweilen ein

18. Aug 2008 09:49
Friedrich-Carl von Ribbeck vor dem berühmten Birnenbaum
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Schlussendlich hat ein Nachfahre nun doch den Platz neben dem Birnenbaum zurück bekommen. Zwar nicht in dem Schloss, das Besuchern offen steht, doch auch im Reitstall ist es schön.

Für «Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland» gab es immer nur eine Heimat: Er wollte neben dem Birnbaum wohnen, den ganz Deutschland aus Theodor Fontanes Gedicht kennt. Rund 30 Jahre musste Ribbeck warten, bis er zu seinem Baum nach Brandenburg zurückkehren konnte. Der Krieg hatte die Heimat verändert. Heute ist nicht mehr alles wie im Gedicht: Der Birnbaum ist neu gepflanzt, und die Familie sitzt nicht mehr auf Schloss Ribbeck. Auch wenn viele Birnen nun zu Essig verarbeitet werden, so bekommt bestimmt das ein oder andere Kind eine süße Frucht von dem Adligen.

Seit 1998 lebt Friedrich-Carl von Ribbeck, der Enkel des letzten Herrn auf Gut Ribbeck, wieder in dem kleinen Dorf. Jedoch nicht im angestammten Schloss, sondern in dem ehemaligen Reitstall daneben. «Es ist mir eine Verpflichtung gewesen, die Familientradition wieder aufzunehmen - wenn auch unter anderen Vorzeichen», sagt der 69- Jährige. Die «anderen Vorzeichen», von denen von Ribbeck spricht, haben viele Adlige durch den Krieg und die darauffolgenden Enteignungen zu spüren bekommen. Das Zuhause ist zwar noch Heimat, Eigentümer sind heute jedoch andere.

Enteignung durch die Nazis

Der Familienbesitz, darunter das Schloss, auf dem die von Ribbecks von 1237 an residierten, geriet im Zweiten Weltkrieg in die Hände der Nationalsozialisten. Der letzte Schlossherr Hans von Ribbeck starb 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Formell wurde der Besitz noch im selben Jahr im Zuge der Bodenreform enteignet. Der jahrelange Streit um die Rückübertragung des Besitzes endete 1999 mit einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht Potsdam. Die Familie erhielt eine Entschädigung, der Landkreis das Schloss. «Ein Schloss ist kein Sportabzeichen - man muss es sich leisten können», sagt von Ribbeck. «Jetzt muss der Landrat es fegen.»

Und obwohl sein Herz am Zuhause seiner Ahnen hängt, die nahe des Schlosses auf dem Familienfriedhof begraben liegen, überwiegt nicht die Wehmut, das Schloss verloren zu haben. Die Mittel, um eine derartige Immobilie zu halten, seien «Emotionskiller» genug, sagt von Ribbeck. Derzeit wird das Schloss aufwendig saniert. Künftig sollen dort ein Standesamt, ein Restaurant, Ausstellungsräume und Vereinsräume untergebracht werden.

Zurück in die Heimat

Mit «dem Glockenschlag der Wiedervereinigung» kehrte von Ribbeck in seine Heimat zurück. Nach 15 verschiedenen Wohnsitzen habe er sich «wie ein Zigeuner» gefühlt, sagt der Volkswirt. Er sehnte sich nach dem «heißen märkischen Sand», auf dem er als Kind sein Fahrrad schob. «Es kam mir vor, als säße ich im Zug und bekäme immer wieder die falsche Fahrkarte.»

Zehn Jahre lebt Herr von Ribbeck nun wieder bei seinem Birnbaum. Dem Baum, dem er viel zu verdanken hat, wie er sagt. Die ehemalige Brennerei seiner Familie hat er zurückgekauft. Dort brennt er Schnaps und Essig - aus Birnen, versteht sich. «Fontane sei Dank» drehe sich in seinem Leben alles um die Früchte. Und natürlich sei auch die Geschichte vom alten Ribbeck wahr, der den Kindern immer eine süße Birne gab und sogar eine mit ins Grab nahm, aus der ein schöner Baum wuchs.

«Man muss Vertrauen in die Zukunft haben.»

Ja, er habe das sogar mit einem «arithmetisch-biologischem Algorithmus» untersuchen lassen, witzelt von Ribbeck. Und er habe da schon einen Vorfahren im Auge, der großzügig alle Kinder beschenkte. Hans-Georg von Ribbeck I., verstorben 1759, soll der echte «Herr von Ribbeck aus Ribbeck im Havelland» gewesen sein - sein Alter und das des Baumes passe perfekt zusammen.

Doch wer auch immer der echte «Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland» wohl gewesen sein mag - eines habe Fontane mit seinem Gedicht die Leser gelehrt, sagt sein Nachfahr: «Man muss Vertrauen in die Zukunft haben.» Auch er habe immer einen Traum gehabt - nach Hause zurückzukehren. «Ich bin hierher gegangen, wo die Birnen wachsen - und sie kommen mir noch immer nicht zu beiden Ohren raus.» (Patricia Driese, dpa)

 
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