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Viele Schlösser bieten Unterkunft : 

Schnarchen in alten Gemäuern

23. Jul 2008 08:45
Das Château de La Verrerie im Loire-Tal stammt aus dem 18. Jahrhundert
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Schlösser gelten als märchenhafte Sehnsuchtsorte mit Himmelbett und Rosengarten. Heute kann sich jeder mal eine Nacht wie ein König fühlen: In vielen europäischen Anwesen werden Gästezimmer vermietet.

Für viele Menschen sind Burgen und Schlösser entweder düstere oder romantisch-verklärte Orte. Wegen ihres Rufes wirken sie seit Jahrzehnten wie ein Magnet auf Reisende - und das neuerdings auch als Übernachtungsmöglichkeit. Vorreiter dieser Tourismus-Form des Frankreich: «Das hat mit den Schlössern an der Loire angefangen, die seit den 70er Jahren Übernachtungen anbieten», erklärt Tillmann Otto vom Europäischen Tourismus Institut in Trier. Von Frankreich aus habe sich der Trend dann weiter fortgesetzt nach Spanien, Deutschland und Großbritannien.

Der Mittelpunkt des Schlösser- und Burgentourismus in Frankreich liegt immer noch an der Loire. «In der Loire-Region gibt es insgesamt 800 Schlösser, 100 davon sind öffentlich zugänglich», sagt Melanie Jeschke vom Maison de la France in Frankfurt. Zum Bienvenue au Châteaux, einer touristischen Vereinigung historischer Bauten, gehören 26 private Schlösser im Loire-Tal. «Die Bienvenue-Häuser müssen mindestens von 1900 oder älter und in privatem Besitz sein.» Einige Anwesen stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Frühstück mit dem Schlossherrn

Der Katalog der Vereinigung stellt insgesamt 128 Schlösser, Herrenhäuser und Landgüter in West-Frankreich vor, die Bed & Breakfast anbieten. «Die meisten verfügen über zwei bis fünf Zimmer», sagt Jeschke. Auf manchem Anwesen frühstückten die Gäste gemeinsam mit dem Schlossherrn. Einige Häuser verfügten sogar über Golfplätze. «Die Besitzer machen das zum einen, um das Schloss instand halten zu können und zum anderen als Antwort auf die touristische Nachfrage.» Übernachtungen sind in einigen Schlössern für weniger als 100 Euro buchbar.

Auch in Deutschland können viele Schlossherren ihre Anwesen nur erhalten, wenn sie sie öffentlich zugänglich machen. An der deutsch-niederländischen Grenze haben sich daher einige Eigentümer zum Schlösserverein Culture & Castles zusammengetan. Unter dieser Marke bieten insgesamt 49 Schlösser, Burgen und Klöster Unterkunft.

Staatlich geführte Schloss-Hotels

Die meisten Anwesen liegen in der deutsch-niederländischen Grenzregion. «Mittlerweile haben wir auch ein Haus in Paris und zwei in Belgien», sagt Sandra Kimm-Hamacher von Culture & Castles in Kalkar am Niederrhein. Sie böten gehobenen Standard in Anlehnung an Vier-Sterne-Hotels und verfügten meist über zwei bis vier Zimmer. Die Gäste haben Zutritt zu den Parks und Gärten, ein Doppelzimmer mit Frühstück sei in einigen Häusern ab 90 Euro erhältlich.

Der Parador de Alarcón aus dem 8. Jahrhundert liegt etwa 200 Kilometer südöstlich von Madrid
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Die spanische Hotelkette Paradores besitzt insgesamt 91 Häuser, etwa 40 davon sind historisch. Sie verteilen sich über das gesamte Land. «Darunter gibt es auch Häuser aus dem 6., 7. und 8. Jahrhundert», sagt Roswitha Hildebrand in Düsseldorf, die die Marke Paradores in Deutschland vertritt. Die Kette ist staatlich geführt, keines der Häuser befindet sich mehr im privaten Besitz. Einige Häuser verfügen über Spas, manche bieten Ausritte, Wanderrouten oder Sportveranstaltungen an.

Bed & Breakfast ab 100 Euro

«Es gibt auch mehrtägige Routen der Paradores wie die Route de la Plata im Süden», erklärt Leonor Castelos vom spanischen Fremdenverkehrsamt in Düsseldorf. Touristen erkundigten sich mittlerweile auch direkt nach älteren Gebäuden. «Es wird zum Beispiel viel nach Klöstern gefragt, denn die sind meist preiswerter», erklärt Castelos. Preislich und qualitativ gibt es große Unterschiede, denn neben den günstigen Klöstern gibt es auch Anwesen mit fünf Sternen.

Auf den britischen Inseln haben zahlreiche Häuser noch private Eigentümer. «In England gibt es allerdings kaum Schlösser, sondern mehr Herrenhäuser», erläutert Wulf Scheunert vom Veranstalter Britain & Ireland Tours in Berlin. Auch in Schottland sei die Auswahl nicht riesig. Irland biete dagegen mehr Herrenhäuser und Schlösser, außerdem seien die Unterkünfte billiger als in Großbritannien. Touristen fragen meist nach Häusern im Süden Englands sowie in Schottland: «Dabei ist das Angebot in Nordengland und in der Mitte breiter, denn dort sind mehr alte Herrenhäuser erhalten», erklärt Kerstin Tegtmeyer von der British Travel Company in Frankfurt.

Größere Häuser sind oft Schlosshotels im mittel- oder hochpreisigem Segment, kleinere Häuser werden oft privat geführt. Viele Anwesen sind 300 Jahre alt oder älter. «Die Preisspanne ist sehr groß, im Manor beim niedrigeren bis mittleren Landadel fängt das Zimmer mit Bed & Breakfast bei 80 Pfund an». Das sind umgerechnet etwa 100 Euro. Mittelklasse-Schlosshotels in Schottland verlangten umgerechnet rund 190 Euro. Es gebe aber auch luxuriös ausgestattete Privatunterkünfte, bei denen das Zimmer bis zu 500 Euro kosten könne. (Ragah Kamel/dpa)
 
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