Naturschauspiele in Namibia: 

netzeitung.deDas Leuchten der Wüste

 Herausgeber: netzeitung.de

Sehr geeignetes Fotomotiv: Ein Köcherbaumwald in Namibia (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sehr geeignetes Fotomotiv: Ein Köcherbaumwald in Namibia
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Irgendwo am Horizont verschmilzt die schnurgerade Piste mit dem blauen Himmel. Links schroffe Berge, rechts rote Dünen. Wie eine Fata Morgana taucht auf einmal ein Schloss mitten in der Wüste Namibias auf.

Es ist früh am Morgen, die Sonne hat noch nicht die Kraft, den Nebel zu durchdringen. Erst später am Vormittag wird sie ihn auflösen, um dann über einen wolkenlosen Himmel zu wandern und die Wüste mit ihrem Gluthauch zu versengen. «Namibia ist ein kaltes Land mit heißer Sonne», sagt Marion Schelke, die von Lüderitz am Atlantik aus Wüstentouren für Touristen organisiert. «Mit dem abrupten Wechsel von kalten, feuchten Nächten und glühend heißen Tagen zählt die Region zu den unwirtlichsten Gegenden der Welt.»

Übersetzt bedeutet das Wort Namibia Wüste oder auch «weites Land». Welcher der Versionen man auch zuneigt: Sie sind beide richtig, was am Namib-Naukluft-Park leicht erkennbar ist: Mit einer Fläche von etwa 50.000 Quadratkilometern ist er größer als die Schweiz, und er besteht fast nur aus Wüstenlandschaft. Für Touristen sind die beiden bedeutendsten Natursehenswürdigkeiten des Gebietes zugänglich: das von gewaltigen Dünen eingerahmte Sossusvlei und der Sesriem Canyon.

Reise in die Märchenwelt
Die Reise in die Märchenwelt beginnt am Sesriem Camp. Dort öffnen sich mit Sonnenaufgang die Tore des Parks. Die Dünen, deren Kämme ständig vom Wind neu modelliert werden, sind im Licht der aufgehenden Sonne in faszinierende Rot- und Goldtöne getaucht. Am Morgen ist es auch noch angenehm kühl, um die mit 380 Metern höchste begehbare Sanddüne «Big Daddy» zu erklimmen.

Auch wenn der Aufstieg im losen Sand nicht einfach ist, sollten Besucher diese Anstrengung auf sich nehmen. Denn die Mühe wird mit einem Ausblick auf das endlos erscheinende Dünenmeer belohnt, in dem auch eine durch Wasser geformte Lehmpfanne liegt. Sie füllt sich nur alle paar Jahre, wenn es in den Auffanggebieten des Tsauchab-Flusses genug geregnet hat.

In der Nähe der Soussusvlei-Parkeinfahrt lohnt ein Besuch des Sesriem Canyons. «Ses Riem» - sechs aneinander geknotete Riemen eines Ochsengespannes - brauchten Reisende früher, um Eimer in die 30 Meter tiefe Schlucht hinabzulassen, die der Tsauchab-Fluss hier in die Felsen gegraben hat. Heute ist jeder gut beraten, der ausreichend Trinkwasser mit sich führt. Zwar soll der Canyon nach Regenfällen tatsächlich Wasser führen, aber das passiert nur ganz selten.

Silbrig glänzendes Wüstengras
Die Straße nach Süden entlang der Wüste Namib beeindruckt durch die Kulisse der gezackten Nubib-Berge, vor denen Dünengras so hoch wie Kornfelder silbrig glänzend im Wind wogt. Wenige Kilometer von der Piste entfernt erscheint wie eine Fata Morgana das Schloss Duwisib. Die wie eine Festung anmutende Wohnanlage wurde 1909 vom Kolonialoffizier Hansheinrich von Wolf inmitten eines fast baumlosen Nichts erbaut. Das mit einem schönen Innenhof ausgestattete und von Zinnen geschmückte Schloss ist heute ein Museum. In der benachbarten Farm können Besucher frisch gebackenen Apfelkuchen genießen.

Auf dem weiteren Weg in den Süden empfiehlt sich ein kleiner Umweg. Die wenig befahrene Sand- und Schotterpiste D 707 biegt bei Spes Bona ab. Hier sind die Reisenden meistens mit der Natur allein. Irgendwo am Horizont verschmilzt die schnurgerade Piste mit dem blauen Himmel und den weißen Wolkenfeldern. Begrenzt wird der Blick nur durch die schroffen Bergzüge der Tirasberge auf der einen und die roten Dünen der Namib auf der anderen Seite.

Nach 123 Kilometern stößt die D 707 auf die Straße C 13, die nach Aus führt. Der kleine Ort ist vor allem wegen seiner wilden Pferde bekannt. Sie leben in kleinen Gruppen und haben sich über Jahrzehnte die Wüste als Lebensraum erobert. Um die Herkunft der Tiere ranken sich unterschiedliche Geschichten, wahrscheinlich stammen sie aber von Pferden der südafrikanischen Armee ab, die während des Ersten Weltkrieges versprengt wurden und verwilderten.

Fotos von einem ungewöhnlichen Baum
Mit etwas Glück können Besucher ausgelassen herumtobende Pferde an einer Wasserstelle bei Garub beobachten. «Die Pferde symbolisieren die Freiheit, die der Mensch verloren hat. Deswegen sind viele Leute von ihnen so fasziniert», sagt Piet Swiegers, der in der Nähe eine Farm betreibt.

Die bedeutendste Stadt im Süden Namibias ist das 150 Kilometer landeinwärts gelegene Keetmanshoop. Hierhin kommen Touristen vor allem wegen des Köcherbaumwaldes. Der Köcherbaum ist eigentlich eine Aloenart. Er kann größere Wassermengen im Stamm speichern, wo es durch die holzige Borke gut vor Verdunstung geschützt ist. Das lässt ihn auch längere Durststrecken überleben.

Heute dienen die rund 250 Bäume vor allem als Fotomotiv. Besonders morgens und abends gelingen eindrucksvolle Aufnahmen und erinnern - wie die Fotos von den Nebeln am Morgen - zu Hause an die Naturerlebnisse im Süden Namibias. (Detlef Berg, dpa)

Informationen: Namibia Tourism, Schillerstraße 42-44, 60313 Frankfurt (Tel.: 069/133 73 60