Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Tagesthema Hauptstadt: 

Von Lissabon nach Washington D.C.

23. Jun 2008 13:28
Stockholm
Bild vergrößern
Stockholm, Lissabon, Washington D.C. oder Riga: Wofür stehen diese Städte und was hält die jeweilige Bevölkerung von ihnen? Wohin sich zu reisen lohnt und wohin nicht, zeigt Teil II der Netzeitungs-Blitzanalyse.

Stockholm, Schweden – klein, aber hip

1,9 der gut neun Millionen Schweden wohnen im Großraum Stockholm – die zweitgrößte Stadt Göteborg hat mit rund 879.000 Einwohnern (Großraum) nicht mal halb so viele. Deshalb ist Stockholm das politische wie kulturelle Zentrum Schwedens. Vor allem im eher industriell geprägten Göteborg herrscht indes eine gewisse Rivalität mit der Hauptstadt: Die Göteborger betrachten die Stockholmer gern als verwöhnt und etwas hochnäsig.

Hafen von Stockholm
Bild vergrößern
Stockholm ist «in» und hat trotz der überschaubaren Größe der Stadt eine recht große Bar- und Clubszene. In den letzten Jahren haben Studenten und junge Künstler das frühere Arbeiterviertel Södermalm entdeckt. Als Szeneviertel hat sich vor allem das südliche Södermalm unterhalb der Folkungagatan etabliert, was die Stockholmer in Anlehnung an SoHo in Manhattan (South of Houston Street) als SoFo (South of Folkungagatan) bezeichnen.

Muss man Stockholm besucht haben? Unbedingt! Sowohl im Sommer, wenn vor jedem Café, vor jeder Kneipe Tische stehen und Stockholm beinahe südländisches Flair bekommt und in den kurzen Nächten die ganze Stadt auf den Beinen ist – vor allem zu Midsommar –, als auch an kalten, aber sonnigen Wintertagen, wenn der Riddarfjärden zugefroren ist und man auf dem Eis von der malerischen Altstadt zum Stadtteil Södermalm laufen kann.

Waran man bei Stockholm zuerst denkt? Die Ermordung von Olof Palme 1986 in der Stockholmer Innenstadt. Am Tatort im Sveavägen erinnert heute eine Gedenktafel an den Mord. Und: Die Deutsche Silvia Sommerlath heiratet im Juni 1976 in Stockholm den schwedischen König Carl XVI. Gustaf. (Matthias Breitinger)

Lissabon, Portugal – alte Dame voller Würde

Lissabon ist die schönste Stadt der Welt, zumindest für die Lisboetas, die Einwohner Lissabons und einige Zugereiste, die sich in die Stadt am Tejo verliebt haben. Die Einwohner Portos sehen das ein bisschen anders. «Lissabon ist nicht Portugal», hört man oft aus dem Norden und «São uns mouros», «Das sind Mauren», schließlich wurde Lissabon erst 1147 von den Mauren zurückerobert, Porto mehr als 150 Jahre früher.

Lissabon ist eine Studentenstadt mit legendärem Nachtleben. In der Altstadt dem Bairro Alto, reihen sich Kneipen an Restaurants und kleine Diskotheken, vor allem am Wochenende sind die Straßen voller feiernder Menschen. Wer es etwas schicker mag, geht zu den Docas, dem Weggehviertel unter der Ponte 25 do Abril, die mit ihrem Namen an die friedliche Nelkenrevolution von 1974 erinnert. Direkt am Hafen gibt es dort zahlreiche Diskotheken und Bars.

Blick auf Lissabon
Bild vergrößern
Lissabon ist für mich die schönste Stadt Europas. Das wunderbare Licht und die Altstadt Lissabons sind dermaßen wunderschön, dass ich nicht glauben konnte, dass so etwas Schönes wirklich existiert. Der Tejo gibt der Stadt eine Offenheit, eine zum Meer-Gewandheit, die einem das Gefühl von Freiheit gibt. Kein Wunder, dass die portugiesischen Entdeckungsfahrten hier ihren Anfang nahmen. So wie die für Portugal glorreichen Zeiten der Entdeckungen vergangen sind, so verströmt Lissabon selbst einen morbiden Charme. Die Portugiesen leiden gerne, denken an die glorreiche Vergangenheit und lamentieren über die bedeutungslose Gegenwart. Lissabon ist eine alte Dame, die in ihrer Jugend wunderschön und betörend war, der mächtige Männer zu Füßen lagen, und die jetzt mit Würde altert.

Denke ich an Lissabon, denke ich an den Tejo. Oft stehen Autos am Fluss, in denen Portugiesen sitzen, die traurig oder gedankenverloren aufs Wasser starren. Der Fado, der traurige traditionelle Gesang der Portugiesen ist mehr als ein Touristenklischee, er passt in vieler Hinsicht zur portugiesischen Volksseele, die damit ihre «Saudade», das angeblich unübersetzbare Wort «Sehnsucht» ausdrücken. Vom Fado beeinflusst ist auch die Musik von Madredeus, die durch den Film Lisbon Story von Wim Wenders auch in Deutschland bekannt wurden. Wer nach Lissabon reist, sollte deshalb unbedingt eine traditionelle Fado-Kneipe besuchen. Aber nicht vergessen: Beim Fado sollte man weder sprechen noch klatschen.

Ein Grund, warum die wirtschaftlich starken Portuenser nicht so richtig mit Lissabon warm werden, ist die zentralistische Organisation des Landes. Die Politik spielt in der Hauptsstadt, ebenso wie die Bürokratie. Und die kann nicht nur für Ausländer ermüdend sein. (Caroline Benzel)


Jurmala in Lettland
Bild vergrößern

Riga, Lettland – die Stadt der Gegensätze

Für die Letten ist Riga natürlich das Aushängeschild ihres Staates, vor allem mit dem Bewusstsein darüber, dass Riga die größte der drei baltischen Hauptstädte ist. Nachdem Lettland Jahrzehnte lang eine Republik der Sowjetunion war, betonen die Letten jetzt umso mehr den Bezug zu Westeuropa – bei Riga vor allem, dass die Stadt im Mittelalter der Hanse angehörte und vom Deutschen Orden geprägt wurde. Deutschstämmige Großgrundbesitzer waren über Jahrhunderte von großem Einfluss auf das ganze Land.

Deshalb zeigt man Touristen gern mit Stolz die Gildehäuser in der Rigaer Altstadt oder das prächtige Schwarzhäupterhaus der Bruderschaft der unverheirateten Kaufleute.

Allerdings ist Riga auch eine Stadt der Gegensätze: Mitten in der mittelalterlichen Altstadt wirkt das Okkupationsmuseum, ein unansehnlicher dunkler Kasten, wie ein Fremdkörper. Und wer auf dem Turm der Petrikirche steht, sieht auch außerhalb der Innenstadt die Überreste der Sowjetzeit: ein wuchtiges Gebäude im stalinistischen Zuckerbäckerstil und den hässlichen Fernsehturm.

Muss man Riga besucht haben? Die Stadt ist auf jeden Fall ein verlängertes Wochenende wert. Besichtigen sollte der Besucher neben der Altstadt das Viertel um die Alberta iela (Albertastraße) mit einer ganzen Reihe von Häusern im Jugendstil.

Riga hat kein Wahrzeichen, mit dem man die Stadt direkt assoziieren würde, aber für die Rigaer zählt der Turm der Petrikirche zu den Wahrzeichen ihrer Stadt. Ein weiteres ist das Freiheitsdenkmal – direkt daneben steht die berühmte Laima-Uhr: Wenn sich Rigaer – vor allem junge – in der Innenstadt verabreden, dann gilt zumeist die Uhr als Treffpunkt.

Lettland ist ein Land der Gegensätze: Auf der einen Seite die größte Stadt des Baltikums als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes und auf der anderen Seite der teilweise extrem ländliche (und bisweilen recht zurückgebliebenen) Rest des Landes, in dem man bei der Rundreise immer wieder den Eindruck hat, die Zeit sei stehengeblieben. (Matthias Breitinger)

Das Kapitol
Bild vergrößern

Washington D.C. – Buddha mit vielen Händen:

Für die einen bedeutet Washington D.C. Karriere, für den anderen ist die Stadt ein Ärgernis. Viele Amerikaner, die woanders leben, halten die Stadt für eine Blase (engl. the bubble), in der sich für sie weltfremde Dinge abspielen. In D.C. trifft man die Bildungselite und Karrierepolitiker, aber auch viele Praktikanten, die jeden Sommer kostenlos in Regierungsbüros, Medienbetrieben und NGO-Zentralen aushelfen.

Ständig ziehen Leute nach D.C. und wieder weg. D.C. ist ein Sprungbett für viele Provinzpolitiker und viele, die zu Hause etwas werden wollen und professionell Erfahrung sammeln wollen. Es gibt so viele Museen wie in keiner anderen amerikanischen Stadt und sie sind alle kostenlos. Das ist aber auch das einzige, was man sparen kann. Die Mieten sind unverschämt hoch: 800 Dollar aufwärts für ein kleines WG-Zimmer. Man kann mit Nationen aus aller Welt ins Gespräch kommen, vor allem an Unis und den Behörden.

Washington D.C. als Stadt der Gegensätze lässt sich mit einem Buddha mit vielen Händen vergleichen. Sie ist schön und gefährlich, eine Vielzahl unterschiedlicher Leute in unterschiedlichen Lebenssituationen trifft aufeinander. Es gibt zahlreiche Klassenunterschiede. Da sind zum einen hoch bezahlten Politiker, Rechtsanwälte und Regierungsbeamte. Zum anderen gibt es die – oft schwarzen - Arbeiter, die mit Gelegenheitsjobs überleben und sich ein Leben in den reichen sicheren Villenvierteln nicht leisten können.

Die Stadt ist stark unterteilt. Im weißen Nordwesten bekommt man kaum etwas von der hohen Kriminalität im armen Südosten mit. In Georgetown, dem besonders teuren Wohnviertel, hält erst gar keine U-Bahn.

Der Film, der zu der Stadt gehört, ist «All the President’s Men» von 1976, in dem Dustin Hoffman und Robert Redford als legendäres Duo Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post den berühmten Watergate-Skandal aufdecken und damit Präsident Nixon zu Fall bringen.

In keiner anderen Stadt dreht sich soviel um Geld und Macht. Dennoch sind die USA sehr föderalistisch geprägt durch die teilweise sehr unabhängigen Bundesstaaten mit eigenen Gesetzen und Denkweisen. In manchen Bundesstaaten zum Beispiel gibt es die Todesstrafe, in anderen nicht. (Bettina Meier)

Zurück zum ersten Teil>>>

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.