Teure Hotels statt Almhütte:
Wandern wird zum Luxuserlebnis
30.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Teurer als der Spanien-Pauschalurlaub
Die «neuen» Wanderer bevorzugen Strecken von höchstens 15 statt 25 Kilometer am Stück sowie das Unterwegssein in der kleinen Gruppe oder zu zweit. «Für die alten reichten ein gut ausgeschilderter Weg und abends eine Hütte mit schmalen Betten», sagt Prof. Quack. «Die neuen sind viel reiseerfahrener. Sie stellen im Wanderurlaub die gleichen Ansprüche wie beim Badeurlaub auf den Kanaren.»
Stefan Gubitz beobachtet den touristischen Markt für Wanderer schon lange: 1994 gründete er Gomera Trekking Tours, den Vorgänger des neuen Veranstalters Drei Wünsche Wanderreisen. Damals seien die Erwartungen der Wanderer nicht hoch gewesen, erinnert er sich. Inzwischen hat sich das Publikum für Wanderreisen aber stärker aufgefächert: «Es gibt durchaus eine Zielgruppe, die Komfort und mehr Qualität will» - und die dafür auch einiges zu zahlen bereit ist.
Die gleiche Beobachtung hat Susanne Leder gemacht: «Die Ansprüche ändern sich immens», sagt die Expertin, die für die Wanderregion Müllerthal in Luxemburg arbeitet. «Es sind heute ganz andere Leute als früher, die wandern. Sie sind jünger, sie haben einen höheren Bildungsgrad, und sie geben mehr Geld aus.» Wandern erfülle inzwischen auch einen anderen Zweck: Es gehe nicht mehr nur ums Baum- und Blümchengucken. «Wandern ist die Seele baumeln lassen», sagt Leder, die ihre Doktorarbeit über die «Neue Muße im Tourismus» geschrieben hat. Wichtig sei der mentale Ausgleich zur Beschleunigung im Berufsalltag. Entsprechend wollen viele Wanderer abends im Hotel entspannen - etwa mit Wellness-Angeboten, die diesen Namen verdienen.
Entsprechend müssen Wanderregionen mehr bieten als Trampelpfade durch die Pampa. Dazu kann gehören, dass es direkte Erlebnisangebote gibt - von der Hängebrücke bis zum Barfußpfad, ein Konzept, das viele der neuen Premiumwanderwege verfolgen. «Der Rothaarsteig ist ja bewusst ein Weg der Sinne», sagt Prof. Quack.
Susanne Leder geht davon aus, dass Wandern künftig noch mehr mit Angeboten kombiniert wird, die weit über klassische Wellness hinausgehen: «Das kann von Yogakursen bis Personal Coaching reichen.» Für Tourismusregionen und Hotelbetriebe sei das durchaus eine Chance, eine neue Klientel für sich zu gewinnen.
Zumindest in den Alpen dürfte die Gruppe der Luxuswanderer aber überschaubar bleiben: «Beim Wandern auf dem Großteil der Höhenwege schläft man nach wie vor auf Hütten», sagt Kleinwächter. «Da gibt's gar keine Vier-Sterne-Hotels. Und da kann sich das Gepäck auch nicht mit dem Auto hochfahren lassen. Das ist ja gerade das Besondere.» (Andreas Heimann, dpa)

