Eigenwillige Natur:
Zu Besuch auf der schönen Insel
28.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Entlang der Küste wechseln sich Sandstrände und schroffe Kreidefelsen ab. Dort leben auch die meisten der etwa 280.000 Korsen. Das Innere der gebirgigen Insel ist weitgehend unbewohnt. Korsika gleicht einem unberührten Naturpark. Große Hotelkomplexe oder Bettenburgen am Meer gibt es nicht, nicht einmal in wichtigen Städten wie Ajaccio, Bastia oder Bonifacio.
Auf Pauschaltouristen übt die eigenwillige Naturschönheit Korsikas offenbar nur wenig Reiz aus. Es gibt keine Schicki-Micki-Szene am Strand, In-Lokale sind rar gesät, Diskotheken ein Fremdwort. Von Ballermann keine Spur. Dafür wissen unzählige Individualreisende die Insel sehr zu schätzen. Korsika ist ein Eldorado für Bergsteiger, Wanderer und Kletter. Die meisten brauchen einen Guide an ihrer Seite, um auf den steilen Kletterpfaden oder beim Aufstieg zum Monte Cinto bestehen zu können. Korsikas Hochgebirge ist nichts für Anfänger.
Der Grande Randonnee, kurz GR 20, etwa gilt als der schwierigste Höhenwanderweg Europas - für Ungeübte kaum zu schaffen. Paradiesische Verhältnisse finden auch Extremsportler, Kanuten und Mountainbiker vor. Jedes Jahr treffen sich die kühnsten Supersportler Europas zum Multi-Disziplin-Rennen Corsica Raid. Wem Triathlon zu lasch ist, der kann eine Woche lang im Kajak um die Wette paddeln, wandern, klettern, trekken, abseilen, radeln. Im Mai und Juni, den besten Reisemonaten für Korsika, sind Massen von Motorradfahrern auf den wenigen Berg- und Küstenstraßen unterwegs.
Von atemberaubender Farbenpracht ist zu dieser Jahreszeit auch die «Macchia», die von der Küste bis hinauf in 2.000 Meter Höhe wächst. Im Frühjahr stehen Thymian, Wacholder, Rosmarin, Lavendel, Myrte und viele andere Sträucher in voller Blüte. Ihr unverwechselbares Duftgemisch entsteht, wenn die Pflanzen aromatische Öle absondern, um sich vor Austrocknung durch Verdunstung zu schützen. Was viele Korsika-Touristen ebenfalls die Luft anhalten lässt, sind die Preise.
Lebensmittel kaufen oder Essen gehen kommt so teuer zu stehen wie im luxuriösen Nizza oder in Paris. In der ärmsten Region Frankreichs ist Leben und Wohnen spürbar kostspieliger als im Mutterland oder auf dem 83 Kilometer entfernten italienischen Festland. Bis auf landwirtschaftliche Eigenprodukte wie Wein oder Käse muss das Meiste importiert werden. Inselurlaub auf Korsika muss man sich leisten können: 2,50 Euro für ein Mini-Softeis oder 17 Euro für einen kurzen Bootsausflug in die Höhlen der Festungsstadt Bonifacio passen nicht in jedes Ferienbudget. (Berrit Gräber, AP)

