Krank im Urlaub:
Ein Notfall unter Palmen kann teuer werden
21. Mai 2008 15:40
 |  Konsulate und Botschaften können bei Notfällen im Urlaub helfen | Foto: AP |
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Niemand mag dran denken: an einen Unfall in den Ferien. Doch Urlauber sollten sich vor einer Reise informieren, ob sie ausreichend abgesichert sind – sonst kann es teuer werden.
Deutsche Auslandsurlauber sind für den Notfall unter Palmen häufig nicht optimal gerüstet. Gepäck, Auto oder Handy sind meist besser versichert als Gesundheit und Leben der Reisenden, so die Erfahrungen von Bianca Höwe vom Bund der Versicherten (BdV).
Notarzt, Krankenhaus, Operation, Rücktransport – wer auf Kreuzfahrt, Städtereise oder im Strandhotel akut erkrankt und keinen Auslandsreise-Krankenversicherer samt Notfallnetz hinter sich hat, steht häufig vor einem Berg von Problemen und als Normalverdiener schnell vor dem Ruin. Dabei kostet eine Auslandsreise-Krankenversicherung nicht viel mehr als zwei, drei Cocktails am Hotelpool: Eine ganze Familie ist bereits für gut 20 Euro ein Jahr lang abgesichert, Singles sogar schon für unter 10 Euro. Wer eine gute Police habe, müsse sich im Ernstfall kaum Sorgen um seine Finanzen machen, meint auch Isabell Pohlmann von «Finanztest». Bei den drei besten Anbietern am Markt genügt demnach ein Telefonat, und die Notfallmaschinerie rollt auch in entlegenen Regionen der Welt an. Das klappt nicht bei allen Versicherern gleich gut. Wichtig ist immer, dass der Anbieter ein gut funktionierendes Notrufsystem anbietet. Und dass der teuerste Posten, ein Ambulanzflug nach Hause, in jedem Fall abgedeckt ist.
Vorm Sparen am falschen Ende wird gewarnt
Nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) waren 2007 gut 21,3 Millionen Policen ausgestellt. 2003 hatten die Deutschen noch 26,6 Millionen Verträge in der Tasche, gibt Höwe zu bedenken. Sie meint: Am falschen Ende gespart. Die Zahl der verunglückten, erkrankten Reisenden nahm nämlich nicht etwa ab. Allein der Autoclub ADAC, der weltweit 16 Auslands-Notrufstationen und vier eigene fliegende Intensivstationen betreibt, meldet für 2007 neue Rekordzahlen an Urlauber-Patienten im Ausland. Vergangenes Jahr mussten über 43.400 Bundesbürger rund um den Globus von ADAC-Helfern medizinisch betreut werden, acht Prozent mehr als noch 2006.
Touristen müssen Kosten allein schultern
Auch andere Organisationen hätten alle Hände voll zu tun, sagt Stephan Schweda vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Aber was tun, wenn der Schutz fehlt? Pauschaltouristen können eventuell Veranstalter und Reiseleiter um Hilfe bitten. Die Kosten müssen sie in jedem Fall allein schultern. Das gilt auch für Individualreisende, sagt Tjorven Bellmann, Pressereferentin beim Auswärtigen Amt.
Zwar sind die deutschen Auslandsvertretungen, Botschaften, Generalkonsulate und Honorarkonsuln in jedem Fall Anlaufstelle in der Not. Sie sind nach Paragraf fünf des Konsulargesetzes dazu verpflichtet, Bundesbürgern zu helfen. Dazu gehören auch Hilfe bei der Arztsuche, Kontaktieren der Angehörigen daheim oder Anbahnen von Krankentransporten.
10.000 Euro für Ambulanzflug von Mallorca
Alles Übrige müssen die Betroffenen dann aber in Eigenregie bewältigen. Vor allem das Zahlen. Der Staat darf höchstens Geld vorschießen. Auslagen für Medizin oder Operation müssen immer zurückgezahlt werden. Das kann superteuer werden, warnt Walter Holzhammer vom ADAC: So kostet ein Rücktransport aus der Karibik nach Deutschland gut 60.000 Euro, der Heimflug aus Mallorca 10.000 Euro, aus Australien sogar bis zu 100.000 Euro. Ein Rücktransport wird von den Krankenkassen nie finanziert. Auch privat Krankenversicherte sind bei Ambulanzflügen nicht immer sicher vor Folgekosten. Wann es Geld gibt, hängt von den Vertragsdetails ab. Achtung: Stehe der Passus «medizinisch sinnvoll und vertretbar» in der Police, sei alles paletti, betont Holzhammer. Durch die Klausel «medizinisch notwendig» dagegen sei nicht jeder Rückflug abgedeckt.
Behandlung nur gegen Vorkasse
Viele Bürger glauben, sie seien wenigstens beim Arzt über ihre Kasse im Urlaub ausreichend abgesichert. Ein Trugschluss, wie Höwe erläutert. Wer ins Krankenhaus eingeliefert wird oder zum Doktor muss, wird vor allem in Touristenzentren in der Regel nur gegen Vorkasse und Bares behandelt – auch innerhalb Europas. Wieder zu Hause, erstattet die Kasse nur einen kleinen Anteil der Privatrechnung.Außerhalb Europas und in Ländern, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat – wie USA, Thailand oder Ägypten – gibt es von der Kasse null Euro zurück. Hat der Patient keine Auslandspolice, muss er tief in die Tasche greifen. Beispiel Amerika: Wer dort in die Klinik muss, wird rasch mit Kosten von 2000 Euro konfrontiert – täglich. Zusatzrisiko: Urlauber müssen damit rechnen, durch unnötige Behandlungen kräftig abkassiert zu werden, warnt Höwe. (Berrit Gräber, AP)