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Nischenangebot aus der Öko-Ecke: 

Fair gehandelte Reisen werden immer beliebter

13. Mai 2008 16:24
Beim Urlaub an der Ostssee verbessert man seine Klimabilanz
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Konsumenten fühlen sich zunehmend für die ökologischen und sozialen Folgen ihres Kaufverhaltens verantwortlich – allerdings eher beim Schokoriegel als bei einer Reise: Fair Travel statt Fair Trade soll helfen.

Bei Kaffee oder Schokolade greifen viele Deutsche bereits zu fair gehandelten Produkten. Bei Reisen ist das noch die Ausnahme. Für den Kunden im Reisebüro ist kaum zu erkennen, welche Reise «Fair Trade»-Gesichtspunkten entspricht und welche nicht. Ein Gütesiegel könnte da Abhilfe schaffen. Nachhaltigkeitsberichte, in denen Reiseveranstalter offenlegen, wie sie es mit Bezahlung und Arbeitsbedingungen in den Urlaubsländern halten, sind dazu eine Alternative.

Die Zeit für solche Überlegungen scheint jedenfalls günstig: «Transfair-Produkte haben 2007 um mehr als 30 Prozent zugelegt», sagt Heinz Fuchs von der Organisation Tourism Watch des Evangelischen Entwicklungsdienstes in Bonn. Dahinter steht der Trend, dass Konsumenten sich zunehmend auch für die ökologischen und sozialen Folgen ihres Kaufverhaltens verantwortlich fühlen. «In anderen Ländern ist diese Idee schon viel verbreiteter, aber auch bei uns ist das im Kommen», sagt Fuchs.

Fair gehandelte Reisen

Tatsächlich sind Fair-Trade-Label in der Reisebranche nicht völlig neu. Die Tourismusorganisation Südafrikas beispielsweise arbeitet bereits damit. Auch in Europa gibt es Überlegungen in diese Richtung. Prof. Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen hält solche Überlegungen nicht für Spinnereien aus der Jutetaschen-Ecke. «Die Leute wollen mit einem guten Gefühl verreisen», sagt er. «Das Bewusstsein dafür ist gewachsen, ähnlich wie beim Kauf von Bioprodukten. Die hat heute auch längst jeder Discounter.»

Und genau wie bei Äpfeln aus ökologischem Anbau sei auch bei fair gehandelten Reisen ein Siegel durchaus wünschenswert, so der Tourismusexperte aus Bremen. Ein Siegel habe nicht nur den Vorteil, dass die Einhaltung bestimmter Kriterien kontrolliert wird, es sei auch transparent: «Damit kann man schnell kommunizieren 'Diese Reise ist okay'», sagt Hartmann.

Kein Nischenangebot für überzeugte Gutmenschen

Das Potenzial für solche Reise-Angebote ist nach Hartmanns Einschätzung da. Heinz Fuchs sieht das ähnlich. Fuchs ist als Vertreter von Tourism Watch Mitglied in einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe. Sie setzt sich für die Einführung eines Fair-Trade-Siegels ein und stimmt die Kriterien ab, die ihm zugrunde liegen sollen. Das Label sollen Reisen erhalten, bei denen gewährleistet ist, dass die Beschäftigten fair bezahlt werden. «Es muss geregelte Arbeitszeiten geben. Die Mitarbeiter der Betrieben sollen kranken- und unfallversichert sein und auch eine Arbeitslosenversicherung haben», zählt Fuchs auf.

Einigkeit besteht auch darin, dass das Label nicht Nischenangebote für überzeugte Gutmenschen auszeichnen soll: «Es zielt auf jeden Fall auf den Mainstream-Tourismus.» Daher soll auch mit den Großen der Branche über das Thema gesprochen werden. Einig ist man sich außerdem darin, dass nicht Veranstalter oder andere Unternehmen der Reisebranche das Siegel erhalten sollen, sondern nur Produkte – einzelne Reisen zum Beispiel.

CSR-Zertifizierung soll verpflichtend werden

Solche Siegel halten aber nicht alle für die beste Alternative: «Die Zertifizierung ist nicht billig. Das kostet mehrere tausend Euro», sagt Rolf Pfeifer, Geschäftsführer des Forum Anders Reisen. «Viele Hotels werden sich das gar nicht leisten können. Viele kleinere Veranstalter auch nicht.»

Das Forum Anders Reisen hat gerade einen «Leitfaden CSR-Reporting im Tourismus» erarbeitet. Er soll die Grundlage von Nachhaltigkeitsberichten sein, mit denen Veranstalter offenlegen, wie sie es mit Corporate Social Responsibility (CSR) halten. Gerade ist der Beschluss gefallen, dass die CSR-Zertifizierung für alle Mitglieder des Forums verpflichtend werden soll – mit Übergangsfristen bis Ende 2010. Die Aspekte, die dabei eine Rolle spielen, sind im Wesentlichen die gleichen wie bei dem Fair-Trade-Siegel. (Andreas Heimann, dpa)

 
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