netzeitung.dePresseschau: «Pakistans Kurs weist ins Chaos»

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Die populäre Oppositionsführerin Benazir Bhutto wurde am Donnerstag in Pakistan erschossen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die populäre Oppositionsführerin Benazir Bhutto wurde am Donnerstag in Pakistan erschossen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Wahlen in Pakistan müssen stattfinden, meinen internationale Leitartikler. Nach dem Mord an Benazir Bhutto müsse Pakistan zeigen, dass «die Demokratie über mörderischen Extremismus siegt». «De Volkskrant»: USA kann nichts ausrichten «Ist ein Szenario denkbar, in dem Musharraf und die Führer der Opposition eine bittere, lähmende Konfrontation vermeiden? Entscheidend ist, ob es dem Präsidenten gelingt, den Eindruck auszuräumen, dass er etwas mit dem Anschlag zu tun hat. (...) Und diesen Kraftakt muss er mit einen Minimum an Glaubwürdigkeit verrichten, denn er hat nicht nur die politische Klasse von sich entfremdet, sondern sich auch als schwaches Glied im Kampf gegen den Terrorismus erwiesen.

«De Volkskrant»: USA kann nichts ausrichten
«Ist ein Szenario denkbar, in dem Musharraf und die Führer der Opposition eine bittere, lähmende Konfrontation vermeiden? Entscheidend ist, ob es dem Präsidenten gelingt, den Eindruck auszuräumen, dass er etwas mit dem Anschlag zu tun hat. (...) Und diesen Kraftakt muss er mit einen Minimum an Glaubwürdigkeit verrichten, denn er hat nicht nur die politische Klasse von sich entfremdet, sondern sich auch als schwaches Glied im Kampf gegen den Terrorismus erwiesen.

In dieser heiklen Situation kann der Verbündete USA wenig ausrichten. Denn auch für die amerikanischen Sekundanten war Bhutto die Königin im pakistanischen Schachspiel. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass ein Großmeister erscheint, der das Land vor einem Chaos behütet, das sich in der gesamten Region niederschlägt - nicht zuletzt im Nachbarland Afghanistan.»
«Le Soir»: Der Bruch des Jahrhunderts
«Frau Bhutto war keine Staatschefin, sie war auch nicht gewählt, und - unsere Leser wissen es - wir haben nie einen Hehl aus unserer Kritik ihr gegenüber gemacht. Es ist wahrscheinlich, dass sie von Händen der Taliban getötet wurde, die sie selbst bewaffnet hat, vor 13 Jahren. (...) Während sich der Westen endlich für das Schicksal Kabuls interessiert, entzündet sich das Böse. In Pakistan.

Dort öffnet sich auf einmal der große Bruch des Jahrhunderts. Da geht es nicht mehr um die Frage, ob Europa für oder gegen die Amerikaner ist, sondern darum, ob wir für oder gegen die Taliban sind. (...) Und in dieser Auseinandersetzung - das ist sicher - war Frau Bhutto auf unserer Seite.»

«Neue Zürcher Zeitung»: Hoher Preis für politischen Ehrgeiz
«Benazir Bhutto, die einflussreichste Politikerin Pakistans, hat einen absurd hohen Preis für ihren Ehrgeiz bezahlt, die Pakistanische Volkspartei erneut zu einem Sieg in Parlamentswahlen zu führen und nach zwei vorzeitig beendeten Amtszeiten wiederum Premierministerin zu werden.

Dass sie bereit war, um ihrer politischen Berufung willen selbst ihr Leben aufs Spiel zu setzen, zeigt die Größe ihres Ehrgeizes an, belegt aber auch die Tragik der politischen Verhältnisse in einem Land, in dem die Eliten tödlich verfeindet sind und ungesetzliche Gewalt immer mehr zum üblichen Mittel der Konfliktaustragung wird.»

«La Stampa»: Das Monster regiert in Pakistan
«Der Fanatismus, dem Benazir Bhutto bei einer Kundgebung zum Opfer gefallen ist, ist keine globale Kriegsmaschine mit nicht zu fassenden Folgen, wie wir oft zu sagen uns angewöhnt haben, weil wir nicht so richtig wissen, was wir denn sagen sollen.

Vielmehr ist das Monster in Pakistan geboren, es hat sich von Pakistan aus in der Welt verbreitet, um dann auch in den Städten des Westens zu lauern, und es hat praktisch seit 30 Jahren seine Herrschaft in Pakistan. Auch die kriegerischen Mittel, auf die die Mörder zurückgreifen, sind hier kultiviert und perfektioniert worden, aus Gründen, die mit der unendlichen Instabilität dieser Region zu tun haben.»

«Dagens Nyheter»: Pakistan bewegt sich in Richtung Chaos
«Der Mord an Benazir Bhutto bestätigt ein extrem schwarzes Bild von Pakistan. Für die Zukunft kann man sich noch schlimmere Szenarien vorstellen. Schrecklicherweise kam der Selbstmordanschlag alles andere als unerwartet. Es war weder der Erste gegen einen profilierten Politiker noch der Erste gegen Bhutto. Ihr Tod zeigt, wie gefährlich es in diesem Land ist, sich als Politiker zu betätigen.

Er bestätigt, dass der Kurs Pakistans in Richtung Chaos weist, dass die geplante Wahl im Januar nicht frei und gerecht durchgeführt werden kann, dass das Land ein unzuverlässiger Alliierter der USA im Kampf gegen den Terrorismus ist und dass die Gewalt wohl weitergehen wird. (...) Die von Präsident Pervez Musharraf gelieferte Form von Stabilität ist ein Trugbild.»
«Times»: Sieg über mörderischen Extremismus
«Chaos und Gewalt sind keine angemessene Würdigung von Pakistans verlorener Führerin. Bhutto war eine Patriotin und Pragmatikerin (...). Sie wird als Modernisiererin in Erinnerung bleiben. Es kann kein modernes Pakistan ohne Demokratie geben. Nach einer vergleichsweise kurzen Verzögerung müssen die Wahlen stattfinden.

Und das Militär sollte nur aus den Baracken kommen, um ausreichend Sicherheit für die Menschen zu gewährleisten, die zu den Urnen gehen. Der Mord an Bhutto war dazu da, Pakistans Recht auf eine freie Wahl zu zerstören. Um Bhutto zu ehren, muss Pakistan zeigen, dass die Demokratie immer über mörderischen Extremismus siegen wird.» (nz)