Presseschau: Harte Kritik an Herman und Kerner
11. Okt 2007 10:18
 |  Eva Herman | Foto: dpa |
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Mit Unbehagen kommentieren deutsche Leitarikler Johannes B. Kerners Kreuzverhör mit Eva Herman über deren umstrittene Nazi-Vergleiche. Manch einer vermutet gar, dass der Eklat inszeniert gewesen sei.
«Leipziger Volkszeitung»: Keine Pluspunkte für Kerner
Der einfältige Johannes traf die naive Eva. Der ZDF-Moderator hat zwar Quote gemacht, aber keine Pluspunkte gesammelt. Glaubte Johannes B. Kerner wirklich, die selbst ernannte neue Obermutter der Nation würde seinem Charme erliegen und ihre kruden Ansichten über die NS- Zeit revidieren? Wer Eva Herman in eine Talkshow einlädt, muss wissen, worauf er sich einlässt, das Gespräch souverän führen und die entsprechenden Gäste hinzu bitten, die nicht nur auf Kopfschütteln aus sind, sondern die Runde mit Niveau prägen können.
Dem sonst so versierten Kerner gelang weder das eine noch das andere. Er bohrte sich immer tiefer ins Dritte Reich, führte so eine völlig überforderte Eva Herman vor und schaffte es nicht, zum eigentlichen Thema überzuleiten. Vielleicht hat er Herman mit seinem Hinauswurf wenigstens vor noch schlimmeren Verstrickungen bewahrt.
«Pforzheimer Zeitung»: Abschreckende Beispiele
Natürlich ist längst klar, dass Herman aus purer Geltungssucht die Nazis zu Gralshütern des Familiensinnes stilisierte und mit einem Nebensatz abtat, dass diese Gralshüter Abermillionen Mütter, Väter und Kinder ins grausame Verderben schickte. Klar ist aber auch, dass sich Herman zuvor nicht als ausgewiesene Faschistin, sondern lediglich als Konservative mit verstaubtem Frauenbild profiliert hatte. Beide, Kerner und Herman, taugen nun vor allem als Beispiele. Als abschreckende Beispiele - wie man hier zu Lande nicht mit dem schweren Erbe des Nationalsozialismus umgehen sollte.
«Neue Presse»: Gierig nach Quote
Herman ist sicher keine Nazi-Anhängerin. Aber sie spielt auf der Klaviatur des empörten Volksdeutschen, der gern mal verniedlichende Vergleiche zieht. Der vom Maulkorb spricht, obwohl er es ist, der sich im Ton und in der Wortwahl vergreift. Ein Medienprofi wie Eva Herman muss wissen, was ein Hitler-Autobahn-Vergleich auslöst sowohl bei denen, die sie ablehnen als auch bei jenen, die ihr zujubeln.
Wer sie in letzter Zeit gehört oder gelesen hat, konnte weitere Ausfälle allerdings erwarten. Das gilt auch für Johannes B. Kerner und seine Redakteure. Sie waren sicherlich ausgebufft genug, um neue hermansche Missgriffe einzuplanen. Und gierig genug, um damit Quote zu machen.
«Berliner Kurier»: Aufdringliche Fragen
War der TV-Rauswurf von Eva Herman bei Johannes B. Kerner eine Inszenierung? Fast könnte man das meinen. Eva Herman, deren verstaubte Thesen zu Mutterschaft und Familie wie aus dem vorletzten Jahrhundert klingen, wurde von einem selbstgefälligen und selbstgerechten Tribunal in die Ecke geredet egal wie (geschickt oder ungeschickt) sie sich verteidigte. Man erinnere sich: Kerner selbst hat nach dem Massaker von Erfurt vor laufender Kamera ein Kind mit seinen aufdringlichen Fragen gequält. Er müsste am besten wissen, wie schnell man in einen Fettnapf tritt. Mir hat am Ende der Sendung Eva Herman sogar ein bisschen leid getan. Auch das hat sie nicht verdient. (nz/dpa)