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Presseschau: Die «eiskalte Waffe» der Lokführer

02. Okt 2007 12:08
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Inzwischen hat der «starrsinnige» GDL-Chef Schell im Tarifstreit mit der Bahn fast alle Sympathien verspielt, meinen deutsche Leitartikler. Wenn er sich nicht besinnt, könnte er selbst auf dem Abstellgleis landen.

«Lübecker Nachrichten»: Bitte nicht unverschämt werden

«Ein Zug ist kein Bus und kein Flugzeug. Eine Lok kann nicht von der Straße abkommen, den Lokführer nerven weder renitente Schulkinder noch Staus im Feierabendverkehr, und die Verantwortung des internationalen Luftverkehrs hat er auch nicht zu tragen. Das meiste im Lokführerstand regelt die Technik. Dass das Fahrpersonal dennoch gern mehr Geld in der Tasche hätte, ist verständlich. Aber bitte nicht unverschämt werden. 4,5 Prozent plus sind mehr als passabel. Davon können andere nur träumen, etwa die Lübecker Busfahrer, die durch Mehrarbeit, Überstunden ohne Lohnausgleich und Absenkung von Zuschlägen sogar deutliche Abstriche hinnehmen müssen.»

«Märkische Allgemeine»: GDL-Chef hat alle gegen sich

Mehr in der Netzeitung:
«Die GDL steht heute genau dort, wo sie zu Beginn der Auseinandersetzungen stand. Eines jedoch hat sich geändert: Konnte GDL-Chef Manfred Schell anfangs durchaus mit Sympathien für unterbezahlte Lokführer rechnen, hat er die öffentliche Meinung inzwischen fast komplett gegen sich. Zu stur hat Schell Kompromissvorschläge abgelehnt, zu durchsichtig ist der Versuch, mit seiner Mini-Gewerkschaft die großen Konkurrenten Transnet und GDBA auszustechen.

Das alles hat die Stimmung im Land längst zugunsten der Bahn umschlagen lassen bei einem Streik, der die Infrastruktur betrifft, ist das nicht unwichtig. Hat die Bahn nun tatsächlich auch noch ausgefeilte Notfahrpläne parat, könnte der GDL ihr stolzer Streik leicht ganz böse auf die Füße fallen.»

Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Wie eine Dampflok

«Was da gegen Ende dieser Woche auf die Bahnkunden und die gesamte deutsche Wirtschaft zurollt, ist kein Streik wie jeder andere. Verantwortlich dafür sind vor allem die beiden Starrköpfe, die da aufeinanderprallen: der scheidende Gewerkschaftsboss, der sich kurz vor seinem Ruhestand noch ein Denkmal setzen will, und der Bahnchef, der wie eine Dampflok ohne Rücksicht auf Signale in Richtung Börse donnert. Das sind schlechte Voraussetzungen für eine Lösung in einem Tarifstreit, der nun schon seit Monaten andauert - eigentlich sogar seit Jahren. (...)

Nur auf die Lokführer zu schimpfen, ist deshalb unfair. Ihr Job ist seit Jahren immer schwerer geworden. Und jeder Bahn-Fahrgast sollte daran interessiert sein, vorn auf der Lok einen finanziell zufriedenen Menschen sitzen zu haben, der sich voll auf seine verantwortungsvolle Arbeit konzentrieren kann. Hierzu wenigstens eine Teillösung zu finden, das hätte auch ohne Streik möglich sein müssen.»

«Express»: GDL-Chef auf dem Abstellgleis

«Eine kleine Gewerkschaft lehrt die Republik das Fürchten. Die Lokführer von der GDL mit ihrem starrsinnigen Boss Manfred Schell an der Spitze haben offenbar jedes Maß verloren. Eiskalt setzten sie die Loks als Waffe ein, um Bahnchef Hartmut Mehdorn mit einem neuen Streik in die Knie zu zwingen - auf Kosten von Millionen Bahnkunden.

Damit nicht genug. Satte 31 Prozent mehr Geld sollen es nun wieder sein. Sind die Lokführer von den anderen Bahn-Gewerkschaften etwa nur blöd gewesen, weil sie sich mit nur 4,5 Prozent zufrieden gaben? Nein, diese Kollegen haben mit Augenmaß und Vernunft ein Ergebnis im Tarifstreit erzielt, mit dem beide Seiten gut leben können. Manfred Schell agiert hingegen wie ein Pokerspieler, der bereit zu sein scheint, seinen letzten Kredit zu verspielen. Wenn er sich nicht besinnt, könnte er am Schluss einsam und mit leeren Händen auf dem Abstellgleis landen.» (nz)

 
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