26.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Modell des geplanten Transrapid zum Münchener Flughafen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Stoiber geht es beim Transrapid einzig und ein allein um das Prestige, meint die deutsche Presse. Bayern binde der scheidende Ministerpräsident indes einen «Klotz ans Bein». «Frankfurter Allgemeine Zeitung»: Stoiber will Technikgeschichte schreiben Steinbrück stand auch jetzt wieder wie ein Beerdigungsunternehmer dabei, als der scheidende Ministerpräsident Stoiber seinen «endgültigen Durchbruch» für die Transrapidstrecke zum Münchner Flughafen verkündete. In die offene Wunde der finanziellen Unwägbarkeiten hinein rieb der Finanzminister ein salziges Nein zu weiteren Bundeszuschüssen. Zugegeben: Bis zu einer Vertragsunterzeichnung mit allen Beteiligten hatte es Clement nie geschafft. Aber was dieser Vertrag wirklich wert ist, wird sich erst nach dem Abgang des verdienten Ministerpräsidenten erweisen. Für Stoiber ist der Transrapid ein High-Tech-Produkt, dessen Realisierung mit seinem Namen verbunden bleiben soll. Fragt sich nur, ob er sich das richtige Objekt ausgesucht hat, um als Politiker in die Technikgeschichte einzugehen. «Kölner Stadt-Anzeiger»: Stoiber geht es nur um das Prestige «Der Regierung Stoiber geht es einzig und allein ums Prestige: Seht her, wir Bayern schaffen es als einzige in der Republik, eine moderne Technologie zum Einsatz zu bringen. Blendet man das bayerische Selbstbewusstsein einmal aus, ist ein trübes Kapital deutscher Technologiepolitik zu erkennen. Der Transrapid ist ein Glanzlicht deutscher Ingenieurskunst. Daraus hätte ein Exportschlager werden können. Das schlug fehl, weil wir hierzulande keinem Käufer zeigen können, wie dieses superschnelle Massentransportmittel im Tagesgeschäft funktioniert. Eine Versuchsstrecke kann dies nicht leisten, aber auch keine Kurz-Strecke wie in München.» «Süddeutsche Zeitung»: Besser Geld für Regionalverkehr als für Leuchttürme «Ziel einer modernen Verkehrspolitik muss es jedenfalls in Deutschland und Europa sein, möglichst viele Menschen, möglichst viele Güter von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Was Bund und Land für den Transrapid investieren, fehlt aber im Nahverkehr, auf den regionalen und nationalen Eisenbahnstrecken, wo mit einer so gewaltigen Summe mehr Wirkung zu erzielen ist. Dass bei einem Scheitern Geld aus der Bundeskasse unwiderruflich verloren ist, zeigt das Grundproblem: Man finanziert Leuchttürme, knausert aber beim Netz in der Fläche.» «Westdeutsche Zeitung»: Ein Denkmal für Stoiber «Kurz vor seinem Abgang hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber dafür gesorgt, dass ihm in München ein Denkmal gesetzt wird: der Transrapid. Der Transrapid dürfte in der Isar-Stadt aber eine Geisterbahn bleiben. Das Meisterstück deutscher Ingenieurskunst wird am Ende auch in München aus dem gleichen Grund scheitern, aus dem alle jemals ins Auge gefassten Transrapid-Projekte gescheitert sind: zu hohe und ausufernde Kosten. Für München sind Schätzkosten von 1,85 Milliarden Euro vorgesehen - ein Wert, der aus dem Jahr 2002 stammt. Die Preise sind seitdem erheblich gestiegen. Die wirklichen Kosten dürften sich auf 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro belaufen. Makulatur sind auch die unterstellten Fahrgastzahlen - alles viel zu hoch angesetzt.» «Nürnberger Nachrichten»: Ein Klotz am Bein «Es ist schon verblüffend, wie unverhohlen Edmund Stoiber seine Motive präsentiert. Werde der Transrapidbau erst einmal begonnen, sagt er, könne das Projekt niemand mehr stoppen. Der bayerische Ministerpräsident bindet damit dem Land zum Ende seiner Amtszeit einen Klotz ans Bein, dessen Gewicht heute niemand wirklich abschätzen kann. Denn das, was die Verantwortlichen gestern als verbindliches Finanzkonzept verkaufen wollten, ist das glatte Gegenteil. Stoiber und Huber haben einen EU-Zuschuss eingerechnet, den es bislang nicht gibt.» «Frankfurter Rundschau»: Unbrauchbar im Alltag «Schön anzuschauen, pfeilschnell, von faszinierender Technik, aber leider veraltet und im mitteleuropäischen Alltag kaum brauchbar. Konzipiert für den Fernverkehr, also für Langstrecken in einer Zeit, in der die Bahn Mühe hatte, Tempo 200 aufs Gleis zu bringen, konkurriert dieses Wunderwerk der Technik heute mit einem formidablen Mix aus Flugzeug, Bahn und Auto, den die Magnettechnik nicht mehr gewinnen kann. Kaum beschleunigt, stoppt das Gerät schon wieder. Es entsteht, neben dem Denkmal für unsern Edmund, kaum mehr als eine Museumsbahn.» (nz)
«Frankfurter Allgemeine Zeitung»: Stoiber will Technikgeschichte schreibenSteinbrück stand auch jetzt wieder wie ein Beerdigungsunternehmer dabei, als der scheidende Ministerpräsident Stoiber seinen «endgültigen Durchbruch» für die Transrapidstrecke zum Münchner Flughafen verkündete. In die offene Wunde der finanziellen Unwägbarkeiten hinein rieb der Finanzminister ein salziges Nein zu weiteren Bundeszuschüssen.
Zugegeben: Bis zu einer Vertragsunterzeichnung mit allen Beteiligten hatte es Clement nie geschafft. Aber was dieser Vertrag wirklich wert ist, wird sich erst nach dem Abgang des verdienten Ministerpräsidenten erweisen. Für Stoiber ist der Transrapid ein High-Tech-Produkt, dessen Realisierung mit seinem Namen verbunden bleiben soll. Fragt sich nur, ob er sich das richtige Objekt ausgesucht hat, um als Politiker in die Technikgeschichte einzugehen.
«Kölner Stadt-Anzeiger»: Stoiber geht es nur um das Prestige«Der Regierung Stoiber geht es einzig und allein ums Prestige: Seht her, wir Bayern schaffen es als einzige in der Republik, eine moderne Technologie zum Einsatz zu bringen. Blendet man das bayerische Selbstbewusstsein einmal aus, ist ein trübes Kapital deutscher Technologiepolitik zu erkennen.
Der Transrapid ist ein Glanzlicht deutscher Ingenieurskunst. Daraus hätte ein Exportschlager werden können. Das schlug fehl, weil wir hierzulande keinem Käufer zeigen können, wie dieses superschnelle Massentransportmittel im Tagesgeschäft funktioniert. Eine Versuchsstrecke kann dies nicht leisten, aber auch keine Kurz-Strecke wie in München.»
«Süddeutsche Zeitung»: Besser Geld für Regionalverkehr als für Leuchttürme«Ziel einer modernen Verkehrspolitik muss es jedenfalls in Deutschland und Europa sein, möglichst viele Menschen, möglichst viele Güter von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Was Bund und Land für den Transrapid investieren, fehlt aber im Nahverkehr, auf den regionalen und nationalen Eisenbahnstrecken, wo mit einer so gewaltigen Summe mehr Wirkung zu erzielen ist. Dass bei einem Scheitern Geld aus der Bundeskasse unwiderruflich verloren ist, zeigt das Grundproblem: Man finanziert Leuchttürme, knausert aber beim Netz in der Fläche.»
«Westdeutsche Zeitung»: Ein Denkmal für Stoiber«Kurz vor seinem Abgang hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber dafür gesorgt, dass ihm in München ein Denkmal gesetzt wird: der Transrapid. Der Transrapid dürfte in der Isar-Stadt aber eine Geisterbahn bleiben. Das Meisterstück deutscher Ingenieurskunst wird am Ende auch in München aus dem gleichen Grund scheitern, aus dem alle jemals ins Auge gefassten Transrapid-Projekte gescheitert sind: zu hohe und ausufernde Kosten. Für München sind Schätzkosten von 1,85 Milliarden Euro vorgesehen - ein Wert, der aus dem Jahr 2002 stammt. Die Preise sind seitdem erheblich gestiegen. Die wirklichen Kosten dürften sich auf 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro belaufen. Makulatur sind auch die unterstellten Fahrgastzahlen - alles viel zu hoch angesetzt.»
«Nürnberger Nachrichten»: Ein Klotz am Bein«Es ist schon verblüffend, wie unverhohlen Edmund Stoiber seine Motive präsentiert. Werde der Transrapidbau erst einmal begonnen, sagt er, könne das Projekt niemand mehr stoppen. Der bayerische Ministerpräsident bindet damit dem Land zum Ende seiner Amtszeit einen Klotz ans Bein, dessen Gewicht heute niemand wirklich abschätzen kann. Denn das, was die Verantwortlichen gestern als verbindliches Finanzkonzept verkaufen wollten, ist das glatte Gegenteil. Stoiber und Huber haben einen EU-Zuschuss eingerechnet, den es bislang nicht gibt.»
«Frankfurter Rundschau»: Unbrauchbar im Alltag«Schön anzuschauen, pfeilschnell, von faszinierender Technik, aber leider veraltet und im mitteleuropäischen Alltag kaum brauchbar. Konzipiert für den Fernverkehr, also für Langstrecken in einer Zeit, in der die Bahn Mühe hatte, Tempo 200 aufs Gleis zu bringen, konkurriert dieses Wunderwerk der Technik heute mit einem formidablen Mix aus Flugzeug, Bahn und Auto, den die Magnettechnik nicht mehr gewinnen kann. Kaum beschleunigt, stoppt das Gerät schon wieder. Es entsteht, neben dem Denkmal für unsern Edmund, kaum mehr als eine Museumsbahn.» (nz)