Presseschau: Das Ende der Angst in Birma
25. Sep 2007 09:55
 |  Tausende Mönche demonstrieren in Rangun gegen das Militärregime in Birma | Foto: dpa |
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Die Militärführung in Birma wird zusehends nervöser, meint die internationale Presse. Gewalt-Bilder im Vorfeld der Olympischen Spiele wäre für Birma-Unterstützer China indes äußerst ungünstig.
«La Repubblica»: Das Regime steht vor einem Dilemma
«Das Militärregime hat noch nicht entschieden, wie es auf die sich ausbreitenden Proteste und den internationalen Druck reagieren soll. Im Jahr 1988 hatte es nicht gezögert, mit eiserner Faust gegen die Demonstrationen für die Demokratie vorzugehen: Etwa 3000 Menschen wurden getötet. Aber in diesen Tagen scheinen Tan Shwe und die anderen Generäle abwesend zu sein.
Mancher glaubt, dass die Verlegung der Hauptstadt nach Naypyidaw, 240 Kilometer nördlich von Rangun, sie vom Rest des Landes isoliert hat. Andere denken, dass sie Truppen in den Süden bringen, um die Proteste massiv niederzuschlagen. Und wieder andere sind der Meinung, dass sich das Regime einem echten Dilemma gegenübersieht: Wenn es die Proteste unterdrückt und die Mönche tötet, würde dies die Bevölkerung empören, so dass sich die Bewegung noch ausweiten würde. Wenn das Regime hingegen nichts tut, wird es endgültig die Kontrolle über die Situation verlieren.»
«Luxemburger Wort»: Militärjunta in der Defensive
«Die Militärjunta in Birma ist durch die tagelangen friedlichen Mönchproteste in eine ungewohnte Defensivrolle geraten. Ähnlich dem passiven Widerstand Mahatma Gandhis, ohne dessen Engagement Indiens Weg zur Unabhängigkeit weitaus blutiger und zerreißender gewesen wäre, schlagen die birmanischen Mönche die Diktatoren von Naypyidaw mit der Überlegenheit der moralischen Autorität. Die Militärjunta wäre nicht das erste Schreckensregime, das durch gewaltlose Bloßstellung implodieren würde. Die Generäle wissen: Im Vergleich zur blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 ist der Zeitpunkt für eine gewaltsame Beilegung der Proteste äußerst ungünstig. Die Schutzmacht China veranstaltet kommendes Jahr in Peking die Olympischen Sommerspiele. Im Vorfeld der Image- Veranstaltung haben Bilder mit Erinnerungswert an das Tiananmen- Massaker keinen Platz.»
«La Croix»: Das Ende der Angst in Birma
«Tag für Tag wächst die Masse der Demonstranten. Tag für Tag überwinden Menschen ihre Angst und schließen sich den Demonstrationszügen an. Sie protestieren gegen den brutalen Anstieg der Energiepreise, den die Militärjunta Mitte August beschlossen hat. Und sie fordern ein Ende der seit 1962 andauernden Militärdiktatur. Die Präsenz der buddhistischen Mönche an der Spitze dieser Bewegung ist zweifellos ausschlaggebend für ein Ende der Sperren, gut 20 Jahre nach der blutigen Niederschlagung der demokratischen Demonstrationen im Jahr 1988. Das Fehlen jeglicher Gewalt und die Präsenz der Mönche trifft das Regime an höchster Stelle, das unsicher zu sein scheint, welche Taktik es anwenden soll. (...)
Ein Blutbad im Einflussbereich Pekings hätte wenige Monate vor den Olympischen Spielen einen negativen Effekt. (...) Das ist ein Argument, auf dem der Druck aus dem Ausland anknüpfen muss, um das Schlimmste zu verhindern und dem Frieden eine Chance zu geben.
»Politiken«: Schlüssel für Lösung in Birma liegt bei China
«Hoffentlich ist die Forderung Zehntausender Menschen nach einem Rücktritt von Birmas Militärregime nicht vergebens. Mit einer so schmutzigen Vergangenheit und so viel Blut an den Händen haben die birmanischen Generäle keinen Tag länger an der Macht verdient. (...) Das Regime wird trotz des EU- und US-Boykotts reichlich mit chinesischen Waffen versorgt. (..) Deshalb liegt der Schlüssel zur Lösung des Konfliktes in China. Nächstes Jahr finden die Olympischen Spiele in Peking statt. Sollten die Generäle die Proteste in Birma mit Waffen stoppen, wird der Schwarze Peter unweigerlich auf dem Tisch der Chinesen landen. Denn wer will an einer Olympiade mit einem Gastgeber teilnehmen, der ein Massaker gutgeheißen und jede Hoffnung auf Freiheit für ein total verarmtes Volk zerstört hat? (...)
Die Generäle haben die Demonstrationen eine Woche lang laufen lassen. Vielleicht sind sie dabei, in die Knie zu gehen. Es darf ihnen nicht erlaubt werden, sich wieder zu erheben.»
»Nürnberger Nachrichten«:Angriff wäre ein Sakrileg
»Was richten Gewehre gegen Gebete aus? Vor Gewalt scheute das Regime bisher zurück. Einmal, weil die frommen Brüder in diesem streng buddhistischen Land als unantastbar gelten; sie anzugreifen, wäre ein Sakrileg, das erst recht Massen auf die Straßen triebe. Zum andern, da selbst Peking vor der Olympiade allzu große Brutalität seiner feinen Günstlinge peinlich wäre. Zu befürchten bleibt dennoch, dass die Militärs in höchster Bedrängnis die Nerven verlieren.«
»Frankfurter Allgemeine Zeitung«: Die Angst schwindet
»Die Angst, seit Jahrzehnten die zuverlässigste Machtstütze der Junta, beginnt zu schwinden. Das ist ein Phänomen, das seit 1989 in vielen Ländern zu beobachten war; die Generäle hätten davon lernen können. Aber Lehren aus der Geschichte zu ziehen ist etwas, was Diktatoren aller Länder zu allen Zeiten überfordert hat. Nun, da die Proteste offenbar stetig stärker werden, ist zu befürchten, dass sich Geschichte in anderer Hinsicht wiederholt. Das burmesische Militär war noch nie besonders zimperlich bei der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung. Eine blutige «Lösung«» läge aus Regierungssicht also nahe. Hier ist wiederum das Ausland gefordert, dem entgegenzuwirken. An einem Dialog zwischen Militärs und Opposition führt kein Weg vorbei. Dabei darf den Generälen aber nicht erlaubt werden, wieder nur auf Zeit zu spielen.» (nz)