Presseschau: Verbraucher fühlt sich gemolken
31.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Milchkühe
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Preisanstieg bei Milchprodukten hat bei der Inlandspresse ein gemischtes Echo ausgelöst. Einerseits wird die Milchquote der EU kritisiert, andererseits auf die Mechanismen der Marktwirtschaft verwiesen. .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «Westfälische Nachrichten»: Kein Grund zur Panik Jetzt spitzt sich die Lage für den Verbraucher zu: Mit der enormen Nachfrage nach Trockenmilch in China und Indien werden in den deutschen Kühltheken Käse, Joghurt, Butter und sogar frische Milch teurer, teilweise sogar knapp. Erste Handelsketten beklagen, dass sie nicht mehr alle Waren bekommen - kein Wunder, dass diese Art der Globalisierung den deutschen Konsumenten Angst macht. Grund zur Panik gibt es aber dennoch nicht. Der plötzliche starke Nachfragesog aus Asien dürfte zwar für einen begrenzten Zeitraum zu drastischen Verteuerungen mancher Lebensmittel führen. Langfristig werden sich die Märkte aber auf die veränderte Weltlage einstellen. «Frankfurter Allgemeine Zeitung»: Irrsinnige Planwirtschaft (...) Die Tanks und Kühlhäuser leeren sich schon seit einiger Zeit, weil auf dem Weltmarkt die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten aus Europa gewachsen ist und die europäischen Bauern weniger produzieren, als sie könnten. Das verhindert die EU nach wie vor mit ihrem Quotensystem, das - hier zeigt sich schon der ganze Irrsinn dieser Planwirtschaft - der Überproduktion von subventionierter Milch Einhalt gebieten sollte. (...) Vielleicht verhilft diese ungewohnte Erfahrung - seit dem Krieg wurden Grundnahrungsmittel in Deutschland immer billiger - den Verbrauchern zu der Erkenntnis, dass die zuverlässige Versorgung mit so vielkonsumierten und dennoch so wenig geschätzten Produkten wie Milch und Butter ihren Preis hat. «Leipziger Volkszeitung»: Milchquote absurd Die Kritik, die gestern in der Politik laut wurde, grenzt an Heuchelei. Da wird in einem Atemzug der Abbau von Subventionen in der Agrarwirtschaft gefordert und gleichzeitig ein Preisdumping bei Nahrungsmitteln verteidigt. Wenn sich Politiker heute als Wettbewerbshüter aufspielen, sollte sie in erster Linie eigene Regularien auf den Prüfstand stellen. Beispielsweise verhindert die Milchquote der EU, dass die Bauern flexibel auf den Markt reagieren und ihre Produktion ausbauen können. Deutschland hat im zurückliegenden Milchjahr 3,4 Millionen Euro Strafe an Brüssel gezahlt, weil die Milchquote überzogen wurde. Angesichts der Engpässe bei Milch und Magermilchpulver ist das absurd. «Thüringische Landeszeitung»: Fest steht auch, dass die Milchpreise für die Bauern allzu lange allzu niedrig waren. Doch die jetzt angekündigten Anstiege haben ihre Ursache in einer Verquickung unterschiedlicher Faktoren. Und zudem scheint die Zeit gerade günstig für eine Anhebung, da die Bürger derzeit in Ausgabelaune sind... Was aber ist mit denen, denen der Staat vorrechnet, was ihre Tagesration an Lebensmitteln kosten darf? Hier muss recht schnell eine Lösung gefunden werden. Schon jetzt sind arme Kinder oft schlecht - zu fett, zu wenig ausgewogen - ernährt. Milch darf ihnen nicht vorenthalten werden. «Frankfurter Rundschau»: Nicht Billigware kaufen Da haben wir den Salat: Denn ein Ende ist nicht abzusehen, weil eine weltweit wachsende Nachfrage die Märkte eng macht, der Rohstoff, ob Milch, ob Getreide, wird knapp. Schlechte Ernten, Wetterkapriolen wie Dürre und Überflutung sowie die zunehmende Konkurrenz zu den nachwachsenden Rohstoffen sind die wesentlichen Gründe. Getrost darf man einen Grund noch anfügen: Manche Branche scheint diese Situation auszunutzen, um im Windschatten dieser Faktoren einen Extra-Aufschlag für sich durchzusetzen. Was tun? Man kann, wie Seehofer das vorschlägt, «preisbewusst» einkaufen. Das aber darf nicht heißen, bei Billigware zuzugreifen. Sondern dort, wo die Qualität stimmt. «Heilbronner Stimme»: Auch andere Waren bald teurer? Handel, Molkereien und Milchbauern haben ein berechtigtes Interesse daran, mit Milch etwas mehr zu verdienen. Das mit viel Aufwand hergestellte Getränk hat in Deutschland den Wert eines durchschnittlichen Mineralwassers. Für die Landwirte lohnt sich die Viehwirtschaft deshalb kaum noch. Doch weil in Australien Dürre herrscht, soll unsere Milch um bis zu 50 Prozent teurer werden? An der prägnanten Begründung durch die Milchindustrie sind ebenso Zweifel angebracht wie an der Höhe der Steigerung. Groß ist auch die Gefahr, dass im Windschatten der Diskussion um knappe Nahrungsmittel nun auch andere Waren neu ausgezeichnet werden. «Landeszeitung»: Empörung gerechtfertigt Die Milch macht einen Preissprung und der Verbraucher fühlt sich gemolken. Der Frust an der Käsetheke ist zwar nachvollziehbar, aber nicht gerechtfertigt. Jahrelang schöpften die Verbraucher bei fallenden Preisen den Rahm auf Kosten der Erzeuger ab. Kaum ein Volk schätzt den Wert von Lebensmitteln so gering ein wie das deutsche. Kommt der Preissprung in erster Linie den Milchbauern zu Gute und nicht dem Lebensmittelhandel, ist er zu begrüßen. Chinesische Mütter greifen zu deutschem Milchpulver, weil der Ruf einheimischer Produkte wegen deren hohen Belastung mit Chemikalien verdorben ist. Zeit, dass man auch hierzulande erkennt, welchen Wert gute Lebensmittel haben. Ein Aufschrei der Empörung wäre gerechtfertigt, wenn Milch je wieder billiger werden sollte als Wasser. (nz/dpa)
«Westfälische Nachrichten»: Kein Grund zur Panik Jetzt spitzt sich die Lage für den Verbraucher zu: Mit der enormen Nachfrage nach Trockenmilch in China und Indien werden in den deutschen Kühltheken Käse, Joghurt, Butter und sogar frische Milch teurer, teilweise sogar knapp. Erste Handelsketten beklagen, dass sie nicht mehr alle Waren bekommen - kein Wunder, dass diese Art der Globalisierung den deutschen Konsumenten Angst macht. Grund zur Panik gibt es aber dennoch nicht. Der plötzliche starke Nachfragesog aus Asien dürfte zwar für einen begrenzten Zeitraum zu drastischen Verteuerungen mancher Lebensmittel führen. Langfristig werden sich die Märkte aber auf die veränderte Weltlage einstellen.
«Frankfurter Allgemeine Zeitung»: Irrsinnige Planwirtschaft (...) Die Tanks und Kühlhäuser leeren sich schon seit einiger Zeit, weil auf dem Weltmarkt die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten aus Europa gewachsen ist und die europäischen Bauern weniger produzieren, als sie könnten. Das verhindert die EU nach wie vor mit ihrem Quotensystem, das - hier zeigt sich schon der ganze Irrsinn dieser Planwirtschaft - der Überproduktion von subventionierter Milch Einhalt gebieten sollte. (...) Vielleicht verhilft diese ungewohnte Erfahrung - seit dem Krieg wurden Grundnahrungsmittel in Deutschland immer billiger - den Verbrauchern zu der Erkenntnis, dass die zuverlässige Versorgung mit so vielkonsumierten und dennoch so wenig geschätzten Produkten wie Milch und Butter ihren Preis hat.
«Leipziger Volkszeitung»: Milchquote absurdDie Kritik, die gestern in der Politik laut wurde, grenzt an Heuchelei. Da wird in einem Atemzug der Abbau von Subventionen in der Agrarwirtschaft gefordert und gleichzeitig ein Preisdumping bei Nahrungsmitteln verteidigt. Wenn sich Politiker heute als Wettbewerbshüter aufspielen, sollte sie in erster Linie eigene Regularien auf den Prüfstand stellen. Beispielsweise verhindert die Milchquote der EU, dass die Bauern flexibel auf den Markt reagieren und ihre Produktion ausbauen können. Deutschland hat im zurückliegenden Milchjahr 3,4 Millionen Euro Strafe an Brüssel gezahlt, weil die Milchquote überzogen wurde. Angesichts der Engpässe bei Milch und Magermilchpulver ist das absurd.
«Thüringische Landeszeitung»:Fest steht auch, dass die Milchpreise für die Bauern allzu lange allzu niedrig waren. Doch die jetzt angekündigten Anstiege haben ihre Ursache in einer Verquickung unterschiedlicher Faktoren. Und zudem scheint die Zeit gerade günstig für eine Anhebung, da die Bürger derzeit in Ausgabelaune sind... Was aber ist mit denen, denen der Staat vorrechnet, was ihre Tagesration an Lebensmitteln kosten darf? Hier muss recht schnell eine Lösung gefunden werden. Schon jetzt sind arme Kinder oft schlecht - zu fett, zu wenig ausgewogen - ernährt. Milch darf ihnen nicht vorenthalten werden.
«Frankfurter Rundschau»: Nicht Billigware kaufenDa haben wir den Salat: Denn ein Ende ist nicht abzusehen, weil eine weltweit wachsende Nachfrage die Märkte eng macht, der Rohstoff, ob Milch, ob Getreide, wird knapp. Schlechte Ernten, Wetterkapriolen wie Dürre und Überflutung sowie die zunehmende Konkurrenz zu den nachwachsenden Rohstoffen sind die wesentlichen Gründe. Getrost darf man einen Grund noch anfügen: Manche Branche scheint diese Situation auszunutzen, um im Windschatten dieser Faktoren einen Extra-Aufschlag für sich durchzusetzen. Was tun? Man kann, wie Seehofer das vorschlägt, «preisbewusst» einkaufen. Das aber darf nicht heißen, bei Billigware zuzugreifen. Sondern dort, wo die Qualität stimmt.
«Heilbronner Stimme»: Auch andere Waren bald teurer?Handel, Molkereien und Milchbauern haben ein berechtigtes Interesse daran, mit Milch etwas mehr zu verdienen. Das mit viel Aufwand hergestellte Getränk hat in Deutschland den Wert eines durchschnittlichen Mineralwassers. Für die Landwirte lohnt sich die Viehwirtschaft deshalb kaum noch. Doch weil in Australien Dürre herrscht, soll unsere Milch um bis zu 50 Prozent teurer werden? An der prägnanten Begründung durch die Milchindustrie sind ebenso Zweifel angebracht wie an der Höhe der Steigerung. Groß ist auch die Gefahr, dass im Windschatten der Diskussion um knappe Nahrungsmittel nun auch andere Waren neu ausgezeichnet werden.
«Landeszeitung»: Empörung gerechtfertigtDie Milch macht einen Preissprung und der Verbraucher fühlt sich gemolken. Der Frust an der Käsetheke ist zwar nachvollziehbar, aber nicht gerechtfertigt. Jahrelang schöpften die Verbraucher bei fallenden Preisen den Rahm auf Kosten der Erzeuger ab. Kaum ein Volk schätzt den Wert von Lebensmitteln so gering ein wie das deutsche. Kommt der Preissprung in erster Linie den Milchbauern zu Gute und nicht dem Lebensmittelhandel, ist er zu begrüßen. Chinesische Mütter greifen zu deutschem Milchpulver, weil der Ruf einheimischer Produkte wegen deren hohen Belastung mit Chemikalien verdorben ist. Zeit, dass man auch hierzulande erkennt, welchen Wert gute Lebensmittel haben. Ein Aufschrei der Empörung wäre gerechtfertigt, wenn Milch je wieder billiger werden sollte als Wasser. (nz/dpa)