Presseschau: Sarkozy wird zum ernsten Problem
27.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Muammar Gaddafi (l.) und Nicolas Sarkozy
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die deutsche Presse sieht die Vorvereinbarung Frankreichs mit Libyen über die Lieferung eines Atomreaktors sehr kritisch. Europa wisse jetzt, dass «in Paris ein unberechenbarer Politiker die Fäden in der Hand hat». «Badische Zeitung»: Geschenk an Gaddafi kommt zu früh «Das Objekt zur Demonstration der neuen Nähe ist ausgerechnet ein Atomkraftwerk. Gewiss, Libyen hat das Streben nach Massenvernichtungswaffen offiziell eingestellt, und das Land arbeitet - anders etwa als der Iran - mit den Kontrolleuren der Atombehörde gut zusammen. Dennoch hätte man sich ein solches Geschenk, selbst wenn Gaddafi dafür üppig bezahlt, allenfalls am Ende einer geglückten (Re-)Integration Libyens in die Staatengemeinschaft gewünscht. Und keinesfalls heute, wo Vorsicht im Umgang mit Libyen immer noch oberste Tugend zu sein scheint.» «Oldenburgische Volkszeitung»: Sarkozy ein ernstes Problem für EU «Nicolas Sarkozy wird zunehmend zu einem ernsten Problem für die Europäische Union. Wenn er den libyschen Diktator Gaddafi mit Nukleartechnologie und Waffen im Tausch gegen Rohstoffe versorgt, dann ist diese Rücksichtslosigkeit gegenüber gesamteuropäischen Sicherheitsinteressen beispiellos. Wird Gaddafi wirklich der Versuchung widerstehen können, die Atomtechnologie nicht zur Herstellung von Nuklear-Waffen zu nutzen? Dies anzunehmen ist naiv. Ein atomarer Angriff auf das leicht erreichbare Europa - mit dieser Drohung könnte Gaddafi in Zukunft viel für sich herausschlagen.» «Handelsblatt»: Sarkozy in die Pflicht nehmen «Libyens Diktator Gaddafi wird Atomtechnologie auf dem silbernen Tablett offeriert, und die deutsche Industrie ist mit von der Partie. Dass man in München bei Siemens das Unterfangen nicht an die große Glocke hängen will, leuchtet ein. Aber verbieten kann man solche Geschäfte auch nicht. Und zwar umso weniger, als auch Libyen zumindest de jure erlaubt ist, Atomtechnologie für zivile Zwecke zu nutzen. Tripolis hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Doch man muss man Sarkozy hart beim Wort nehmen: Er hat das Geschäft mit Gaddafi eingefädelt. Folglich ist es zuallererst seine Pflicht zu verhindern, dass in Nordafrika ein zweiter Iran gezüchtet wird.» «Thüringische Landeszeitung»: Sarkozy unberechenbar «Super-Sarko zeigt's allen. Mal eben ein Atomkraftwerk an Libyen verkaufen - was ist schon dabei? Und im Wüstenzelt gleich noch das Land von Diktator Gaddafi unter den militärischen Schutz Frankreichs stellen. Na und? Der Wirbelwind hat innenpolitisch in den vergangenen Jahren viel Porzellan zerschlagen. Außenpolitisch benimmt er sich jetzt auch so, wie der berühmte Elefant im selbigen Laden eben. (...) Sarkozy will sich als der Politiker Nummer eins in Europa aufspielen, der sich von anderen nicht in die Suppe spucken lässt. Atomkraft für Libyen - in Amerika werden die Alarmglocken schrillen. Und Europa weiß spätestens seit den vergangenen Tagen, dass in Paris ein unberechenbarer Politiker die Fäden in der Hand hat.» (nz/dpa)
«Badische Zeitung»: Geschenk an Gaddafi kommt zu früh«Das Objekt zur Demonstration der neuen Nähe ist ausgerechnet ein Atomkraftwerk. Gewiss, Libyen hat das Streben nach Massenvernichtungswaffen offiziell eingestellt, und das Land arbeitet - anders etwa als der Iran - mit den Kontrolleuren der Atombehörde gut zusammen. Dennoch hätte man sich ein solches Geschenk, selbst wenn Gaddafi dafür üppig bezahlt, allenfalls am Ende einer geglückten (Re-)Integration Libyens in die Staatengemeinschaft gewünscht. Und keinesfalls heute, wo Vorsicht im Umgang mit Libyen immer noch oberste Tugend zu sein scheint.»
«Oldenburgische Volkszeitung»: Sarkozy ein ernstes Problem für EU«Nicolas Sarkozy wird zunehmend zu einem ernsten Problem für die Europäische Union. Wenn er den libyschen Diktator Gaddafi mit Nukleartechnologie und Waffen im Tausch gegen Rohstoffe versorgt, dann ist diese Rücksichtslosigkeit gegenüber gesamteuropäischen Sicherheitsinteressen beispiellos. Wird Gaddafi wirklich der Versuchung widerstehen können, die Atomtechnologie nicht zur Herstellung von Nuklear-Waffen zu nutzen? Dies anzunehmen ist naiv. Ein atomarer Angriff auf das leicht erreichbare Europa - mit dieser Drohung könnte Gaddafi in Zukunft viel für sich herausschlagen.»
«Handelsblatt»: Sarkozy in die Pflicht nehmen«Libyens Diktator Gaddafi wird Atomtechnologie auf dem silbernen Tablett offeriert, und die deutsche Industrie ist mit von der Partie. Dass man in München bei Siemens das Unterfangen nicht an die große Glocke hängen will, leuchtet ein. Aber verbieten kann man solche Geschäfte auch nicht. Und zwar umso weniger, als auch Libyen zumindest de jure erlaubt ist, Atomtechnologie für zivile Zwecke zu nutzen. Tripolis hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Doch man muss man Sarkozy hart beim Wort nehmen: Er hat das Geschäft mit Gaddafi eingefädelt. Folglich ist es zuallererst seine Pflicht zu verhindern, dass in Nordafrika ein zweiter Iran gezüchtet wird.»
«Thüringische Landeszeitung»: Sarkozy unberechenbar«Super-Sarko zeigt's allen. Mal eben ein Atomkraftwerk an Libyen verkaufen - was ist schon dabei? Und im Wüstenzelt gleich noch das Land von Diktator Gaddafi unter den militärischen Schutz Frankreichs stellen. Na und? Der Wirbelwind hat innenpolitisch in den vergangenen Jahren viel Porzellan zerschlagen. Außenpolitisch benimmt er sich jetzt auch so, wie der berühmte Elefant im selbigen Laden eben. (...) Sarkozy will sich als der Politiker Nummer eins in Europa aufspielen, der sich von anderen nicht in die Suppe spucken lässt. Atomkraft für Libyen - in Amerika werden die Alarmglocken schrillen. Und Europa weiß spätestens seit den vergangenen Tagen, dass in Paris ein unberechenbarer Politiker die Fäden in der Hand hat.» (nz/dpa)