Presseschau: Ulrich Mühe war einzigartig
25.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Ich bin traurig. Ich habe Ulrich Mühe sehr geliebt und verehrt - als Künstler und als Mensch. Er war ein großartiger Mann», lässt sich der Schauspieler Herbert Knaup zitieren, der ebenfalls mit Mühe in «Das Leben der Anderen» gespielt hat.
«Ulrich Mühe wird vor allem für Cineasten und Freunde des Theaters unvergessen bleiben», würdigt Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) den Schauspieler.
Ebenso Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gab seiner Betroffenheit Ausdruck. «Wir verlieren einen großen Schauspieler, er war ein Könner, der vor allem durch seine Vielseitigkeit immer wieder überraschte», teilte Wowereit am Mittwoch mit. Mühe habe viele bedeutende Theaterrollen in Berlin gestaltet. Doch es gebe auch den Mühe des Fernsehens und des großen Kinos in «Das Leben der Anderen». Das Stasi-Thema habe den Mit-Initiator der Demonstrationen in Berlin vom November 1989 auch sehr persönlich tief berührt. «Die Kulturstadt Berlin trauert um einen großen Künstler», fügte er hinzu.
Mühe habe durch seine eindrucksvolle Darstellung des Stasi- Hauptmanns Gerd Wiesler im Oscar-prämierten Film «Das Leben der Anderen» ein Millionenpublikum für die Machenschaften der Stasi und deren Nachwirkungen sensibilisiert, hob die Stiftung für die Aufarbeitung der SED-Diktatur am Mittwoch in Berlin hervor. Mühe habe sich auch durch Engagement bei der Stiftung um die Aufarbeitung der SED-Diktatur verdient gemacht.
Der Bayerische Rundfunk (BR) würdigte Mühe als «einzigartigen Schauspieler». Mit seiner Darstellung des Stasi-Mannes in «Das Leben der Anderen» habe er seine optimale darstellerische Fähigkeit geboten, die diesem Film ganz wesentlich zur Oscar-Prämierung verholfen habe, sagte Gerhard Fuchs, BR-Fernsehdirektor und Präsident der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Mühe sei ein Schauspieler gewesen, «der sich mit seinen Rollen vollkommen identifizieren konnte und auch seine persönliche Lebenserfahrung auf eine Weise durchscheinen ließ, die sein Publikum absolut vereinnahmt hat». Sein Tod bedeute einen großen Verlust für die deutsche Film- und Fernsehlandschaft, sagte Fuchs.
«Mit hintergründigem, fast melancholischem Humor und warmherziger Philosophie hat Ulrich Mühe in dieser Figur Millionen Menschen fasziniert», beschreibt ZDF-Intendant Markus Schächter Mühes Rolle als Gerichtsmediziner Dr. Kolmaar in der ZDF-Krimiserie «Der letzte Zeuge».
«Für die einen war er ein Star uns bleibt er als Künstlerkollege und engagiertes Akademiemitglied in Erinnerung», hob Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste am Mittwoch in Berlin hervor. «Film- und Fernsehrollen machten ihn populär, brachten internationale Anerkennung, aber ließen auch den Verlust spüren, dass sich Mühe vom Theater mehr und mehr zurückgezogen hatte», sagte Staeck weiter. Mühe («Das Leben der Anderen»), schon zu DDR-Zeiten Film- und Bühnenstar, war am Sonntag im Alter von 54 Jahren an Krebs gestorben.
Staeck erinnerte auch an Mühes Rede auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989. Dort erklärte der Schauspieler vor einer halben Million Demonstranten seine Absage an den Führungsanspruch der SED, wie Staeck in einer Mitteilung hervorhob. (dpa/AP)

