netzeitung.dePresseschau: Tour-Aus im TV überfällig

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ARD und ZDF setzten die Berichterstattung vorläufig aus. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe ARD und ZDF setzten die Berichterstattung vorläufig aus.
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In den deutschen Medien wurde der Rückzug von ARD und ZDF von der Tour de France größtenteils begrüßt. Einige Zeitungen werfen den Sendern allerdings Blauäugigkeit vor. .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «Süddeutsche Zeitung» (München) Die Konsequenzen aus der chronischen Blauäugigkeit ziehen jetzt auch ARD und ZDF, indem sie ihre Übertragungen beenden. Tröstlich für eingefleischte Radsportfans: Die Spartensender machen weiter. Weshalb das Peloton endlich dort ankommt, wo es hingehört: auf eine Programmschiene mit Schlammcatchen und Monstertrucks. «Berliner Morgenpost» Es ist gerade Halbzeit bei der Tour de France, und das Fernsehen schaltet ab. ARD und ZDF haben gestern entschieden, ihre Berichterstattung wegen des Dopingfalls Patrik Sinkewitz auszusetzen. Bei dem T-Mobile-Fahrer wurde ein erhöhter Testosteronwert festgestellt. Radfahrer betrachten Dopingmittel nach wie vor als eine Art Garantieschein und riskieren dafür sogar ihren finanziellen Ruin und öffentliche Ächtung. Patrik Sinkewitz jedenfalls unterzeichnete eine Ehrenerklärung, nicht gedopt zu haben. Er galt als einer dieser jungen, unbefleckten deutschen Fahrer, denen die Zukunft gehören würde. Nun steht er symbolisch für das Scheitern des Neubeginns im Radsport und sein Team für den lächerlichen Versuch, auch noch eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Doping zu spielen. Eine weiße Weste ist in diesen Tagen der Tour de France eben weit mehr wert als ein Gelbes Trikot. «Abendzeitung» (München) Endlich ziehen die Verantwortlichen von ARD und ZDF die längst überfällige Konsequenz und beenden die Tour-Übertragungen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen kann schließlich nicht in der erste Reihe sitzen, um diesen Wahnsinn mit unseren Gebühren mit zu finanzieren. Das TV-Aus ist aber nur ein erster Schritt. Wir brauchen eine breite Allianz im Kampf gegen Doping. Bessere Kontrollen, härtere Gesetze, empfindliche Geldstrafen, gesellschaftliche Ächtung auch der Sponsoren. Wir sind das dem Sport schuldig und unseren Kindern, denen wir eigentlich vermitteln sollten, dass Sport etwas sehr schönes ist. Und vor allem etwas gesundes. «Handesblatt» (Düsseldorf) Der jüngste Dopingskandal um den Radrennfahrer Patrik Sinkewitz wird weiter reichende Konsequenzen haben als den vorläufigen Übertragungsstopp der Tour de France durch ARD und ZDF. Sponsoren aus der Wirtschaft, allen voran die Deutsche Telekom, sollten sich nun dringend von dem Skandalsport distanzieren. Kluge Konzernlenker wissen: Reputationsrisiken übersteigen mittlerweile die Sachrisiken bei weitem. Insofern stellt für die Telekom ein Verbleib im Radsport mit dem Team T-Mobile eine unkontrollierbare Gefahr dar. «Lausitzer Rundschau» (Cottbus) Patrik Sinkewitz wurde gestern in Hamburg operiert. Nach seinem schweren Sturz bei der Tour de France ist dem Radprofi vom Team T- Mobile zu wünschen, dass er möglichst schnell gesund wird. Die alten Wunden, die Sinkewitz mit dem positiven Dopingtest wieder aufgerissen hat, werden dagegen nicht so schnell verheilen. Sein erhöhter Testosteronwert ist ein weiterer Tiefschlag für den Radsport, der mit seinen Anti-Doping-Bemühungen verzweifelt um ein neues Image kämpft. Die Illusionen, dass dieser Kampf in absehbarer Zeit ein positives Ende finden könnte, sind durch den neuerlichen Dopingfall geplatzt wie eine Seifenblase. Mit dem vorläufigen Abbruch der Fernseh- Berichterstattung von der Tour haben die beiden öffentlich- rechtlichen Sender ARD und ZDF ein spektakuläres Zeichen gesetzt. Der Radsport hat hierzulande seine wichtigste Bühne verloren. «Neue Osnabrücker Zeitung» Die Entscheidung, die Berichterstattung über die Tour auszusetzen, ist fragwürdig. Wer hat etwas von dieser Verfügung? Jene, die sich nicht länger den Täuschungen der Radprofis aussetzen wollen, haben die Fernbedienung ohnehin parat. Und die Fans, von denen es immer noch welche geben soll, gucken in die Röhre. Konsequent wäre es gewesen, wenn das Erste und Zweite nach den Dopinggeständnissen um Zabel, Aldag und Dietz gleich die Leitungen zur Tour gekappt hätten. So entsteht der Eindruck, dass ARD und ZDF ihre Hände plötzlich in Unschuld waschen wollen. Wenn das ARD-Magazin Kontraste T-Mobile bereits Ende Mai über Auffälligkeiten bei Sinkewitz informiert hat, dann dürfte das den Programmchefs eigentlich nicht entgangen sein. Oder es wurde geschlampt. «Badische Zeitung» (Freiburg) Das Interessanteste am Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen ist: Sie müssen sich in Zukunft eigentlich an der Tour messen lassen. Wird es nach Dopingvergehen bald auch keine Bilder mehr von Olympia, Leichtathletik-WM und Profiboxen geben? So viel Konsequenz werden sich ARD und ZDF dann doch nicht leisten wollen. «Märkische Allgemeine» (Potsdam) ARD und ZDF wollen mit Nicht-Berichterstattung zu einem sauberen Sport beitragen. Das sei die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, heißt es in ihrer Erklärung. Da haben sie sich eine saubere Anspruchsfalle gestellt. Denn an diesem hehren Grundsatz wollen wir sie künftig messen. Nicht nur im Radsport. Sauberen Sport wollen wir auch in der Leichtathletik, bei den Schwimmern, den Fußballern und so weiter und so fort. Nach Lage der Dinge werden ARD und ZDF viel Geld sparen. Denn den Schacher um Übertragungsrechte für Großereignisse können sie sich schenken - falls sie weiterhin konsequent sein wollen. «General-Anzeiger» (Bonn) Nach der Tour de France soll das Radsport-Engagement von T- Mobile noch einmal auf den Prüfstand. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass es auf wackligen Beinen steht. Doch jetzt auszusteigen wäre inkonsequent. Es hieße, blauäugig geglaubt zu haben, dass allein mit Ehrenkodizes und Fahrerunterschriften der Radsport zu säubern sei. Man musste damit rechnen, dass es Rückschläge gibt. Und diese Rückschläge für die Nachhaltigkeit der neuen Strategie auch mit einkalkulieren. Jetzt aus der Berichterstattung auszusteigen, ist ebenfalls ein Fehler. Man darf die Szene nicht unbeobachtet im eigenen Saft kochen lassen. Und wenn es manchen Zuschauer nervt, dass ARD und ZDF zu viel über Doping berichten, so dass er umschaltet, dann schließt er gewissermaßen auch die Augen. Der Zuschauer darf das. Die Medien nicht. Denn die haben einen Auftrag. (nz/dpa)

«Süddeutsche Zeitung» (München)

Die Konsequenzen aus der chronischen Blauäugigkeit ziehen jetzt auch ARD und ZDF, indem sie ihre Übertragungen beenden. Tröstlich für eingefleischte Radsportfans: Die Spartensender machen weiter. Weshalb das Peloton endlich dort ankommt, wo es hingehört: auf eine Programmschiene mit Schlammcatchen und Monstertrucks.


«Berliner Morgenpost»

Es ist gerade Halbzeit bei der Tour de France, und das Fernsehen schaltet ab. ARD und ZDF haben gestern entschieden, ihre Berichterstattung wegen des Dopingfalls Patrik Sinkewitz auszusetzen. Bei dem T-Mobile-Fahrer wurde ein erhöhter Testosteronwert festgestellt. Radfahrer betrachten Dopingmittel nach wie vor als eine Art Garantieschein und riskieren dafür sogar ihren finanziellen Ruin und öffentliche Ächtung. Patrik Sinkewitz jedenfalls unterzeichnete eine Ehrenerklärung, nicht gedopt zu haben. Er galt als einer dieser jungen, unbefleckten deutschen Fahrer, denen die Zukunft gehören würde. Nun steht er symbolisch für das Scheitern des Neubeginns im Radsport und sein Team für den lächerlichen Versuch, auch noch eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Doping zu spielen. Eine weiße Weste ist in diesen Tagen der Tour de France eben weit mehr wert als ein Gelbes Trikot.


«Abendzeitung» (München)

Endlich ziehen die Verantwortlichen von ARD und ZDF die längst überfällige Konsequenz und beenden die Tour-Übertragungen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen kann schließlich nicht in der erste Reihe sitzen, um diesen Wahnsinn mit unseren Gebühren mit zu finanzieren. Das TV-Aus ist aber nur ein erster Schritt. Wir brauchen eine breite Allianz im Kampf gegen Doping. Bessere Kontrollen, härtere Gesetze, empfindliche Geldstrafen, gesellschaftliche Ächtung auch der Sponsoren. Wir sind das dem Sport schuldig und unseren Kindern, denen wir eigentlich vermitteln sollten, dass Sport etwas sehr schönes ist. Und vor allem etwas gesundes.


«Handesblatt» (Düsseldorf)

Der jüngste Dopingskandal um den Radrennfahrer Patrik Sinkewitz wird weiter reichende Konsequenzen haben als den vorläufigen Übertragungsstopp der Tour de France durch ARD und ZDF. Sponsoren aus der Wirtschaft, allen voran die Deutsche Telekom, sollten sich nun dringend von dem Skandalsport distanzieren. Kluge Konzernlenker wissen: Reputationsrisiken übersteigen mittlerweile die Sachrisiken bei weitem. Insofern stellt für die Telekom ein Verbleib im Radsport mit dem Team T-Mobile eine unkontrollierbare Gefahr dar.


«Lausitzer Rundschau» (Cottbus)

Patrik Sinkewitz wurde gestern in Hamburg operiert. Nach seinem schweren Sturz bei der Tour de France ist dem Radprofi vom Team T- Mobile zu wünschen, dass er möglichst schnell gesund wird. Die alten Wunden, die Sinkewitz mit dem positiven Dopingtest wieder aufgerissen hat, werden dagegen nicht so schnell verheilen. Sein erhöhter Testosteronwert ist ein weiterer Tiefschlag für den Radsport, der mit seinen Anti-Doping-Bemühungen verzweifelt um ein neues Image kämpft. Die Illusionen, dass dieser Kampf in absehbarer Zeit ein positives Ende finden könnte, sind durch den neuerlichen Dopingfall geplatzt wie eine Seifenblase. Mit dem vorläufigen Abbruch der Fernseh- Berichterstattung von der Tour haben die beiden öffentlich- rechtlichen Sender ARD und ZDF ein spektakuläres Zeichen gesetzt. Der Radsport hat hierzulande seine wichtigste Bühne verloren.


«Neue Osnabrücker Zeitung»

Die Entscheidung, die Berichterstattung über die Tour auszusetzen, ist fragwürdig. Wer hat etwas von dieser Verfügung? Jene, die sich nicht länger den Täuschungen der Radprofis aussetzen wollen, haben die Fernbedienung ohnehin parat. Und die Fans, von denen es immer noch welche geben soll, gucken in die Röhre. Konsequent wäre es gewesen, wenn das Erste und Zweite nach den Dopinggeständnissen um Zabel, Aldag und Dietz gleich die Leitungen zur Tour gekappt hätten. So entsteht der Eindruck, dass ARD und ZDF ihre Hände plötzlich in Unschuld waschen wollen. Wenn das ARD-Magazin Kontraste T-Mobile bereits Ende Mai über Auffälligkeiten bei Sinkewitz informiert hat, dann dürfte das den Programmchefs eigentlich nicht entgangen sein. Oder es wurde geschlampt.


«Badische Zeitung» (Freiburg)

Das Interessanteste am Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen ist: Sie müssen sich in Zukunft eigentlich an der Tour messen lassen. Wird es nach Dopingvergehen bald auch keine Bilder mehr von Olympia, Leichtathletik-WM und Profiboxen geben? So viel Konsequenz werden sich ARD und ZDF dann doch nicht leisten wollen.


«Märkische Allgemeine» (Potsdam)

ARD und ZDF wollen mit Nicht-Berichterstattung zu einem sauberen Sport beitragen. Das sei die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, heißt es in ihrer Erklärung. Da haben sie sich eine saubere Anspruchsfalle gestellt. Denn an diesem hehren Grundsatz wollen wir sie künftig messen. Nicht nur im Radsport. Sauberen Sport wollen wir auch in der Leichtathletik, bei den Schwimmern, den Fußballern und so weiter und so fort. Nach Lage der Dinge werden ARD und ZDF viel Geld sparen. Denn den Schacher um Übertragungsrechte für Großereignisse können sie sich schenken - falls sie weiterhin konsequent sein wollen.


«General-Anzeiger» (Bonn)

Nach der Tour de France soll das Radsport-Engagement von T- Mobile noch einmal auf den Prüfstand. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass es auf wackligen Beinen steht. Doch jetzt auszusteigen wäre inkonsequent. Es hieße, blauäugig geglaubt zu haben, dass allein mit Ehrenkodizes und Fahrerunterschriften der Radsport zu säubern sei. Man musste damit rechnen, dass es Rückschläge gibt. Und diese Rückschläge für die Nachhaltigkeit der neuen Strategie auch mit einkalkulieren. Jetzt aus der Berichterstattung auszusteigen, ist ebenfalls ein Fehler. Man darf die Szene nicht unbeobachtet im eigenen Saft kochen lassen. Und wenn es manchen Zuschauer nervt, dass ARD und ZDF zu viel über Doping berichten, so dass er umschaltet, dann schließt er gewissermaßen auch die Augen. Der Zuschauer darf das. Die Medien nicht. Denn die haben einen Auftrag. (nz/dpa)