netzeitung.dePresseschau: Rostock lässt Böses befürchten

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Ausgebrannte Autos nach Rostocker Krawallen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ausgebrannte Autos nach Rostocker Krawallen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die schweren Krawalle in Rostock werden von den Kommentatoren deutscher Zeitungen scharf verurteilt. Sie sprechen von einem Desaster - nicht nur für die Polizei, sondern auch für die Veranstalter. .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «Ostsee-Zeitung»: Gewalt, die fassungslos macht Hunderte verletzte Demonstranten und Polizisten, in Panik flüchtende Menschen, brennende Barrikaden und Autos. Eine Gewalt, die fassungslos macht - Rostock im Schock. Schlimmer hätte der Auftakt der Protestwoche gegen den Gipfel kaum enden können. Man muss Böses befürchten für die nächsten Tage. Verantwortlich für die Explosion der Gewalt: Professionelle Straßenkämpfer, die aus halb Europa und den deutschen Krawallhochburgen Berlin und Hamburg angereist waren. Organisierte Kämpfer, die ihren Hass auf den Staat unter dem Deckmantel des legitimen Protests zehntausender friedlicher Demonstranten tarnen, um dann wie auf ein Kommando loszuschlagen. Wirkungsvoller scheint da die Ankündigung von Attac, die den Autonomen die Rote Karte zeigt und in Zukunft gemeinsame Demonstrationen mit den Chaoten ablehnt. Nur so kann es gehen. «Berliner Zeitung»: Fiasko Ein Fiasko sind die Ereignisse von Rostock nicht nur für die Polizei, sondern auch für die friedliche Anti- Globalisierungsbewegung. Ihr Anliegen ist berechtigt; das wachsende Unbehagen über die zunehmende Dominanz des Ökonomischen muss eine politische Plattform finden. Doch wer spricht nach Rostock noch darüber? Auch die Organisatoren der Demonstration zeigen sich jetzt vom Ausbruch der Gewalt überrascht, nun räumen sie eigene Versäumnisse ein. War ihre bisherige Kritik an vermeintlich überzogenen Sicherheitsvorkehrungen nur naiv? Waren sie nicht auch dankbar, als viele ihrer Anhänger durch die heftig kritisierten Aktionen der Behörden erst so richtig zum Protest motiviert wurden? Wussten sie etwa nicht, dass die Gewaltbereiten den friedlichen Protest nur allzu gern als Tarnung nutzen? «Der Tagesspiegel»: Gewalt als purer Selbstzweck Dass am Tag nach den Krawallen die Frage diskutiert wird, ob sich in Rostock vereinzelt Polizisten auch angemessen deeskalierend verhalten hätten, ist angesichts des Ausmaßes der Gewalt absurd. Gleiches gilt für die ganz Fixen unter den Analogiesuchern. Merke: Wenn sich Massen an einem 2. Juni bewegen, wird daraus noch lange keine «Bewegung 2. Juni». Bis auf weiteres haben die Autonomen von Rostock (und ihre aus dem Ausland angereisten Kumpane) einen Exklusivanspruch auf Beschränktheit, revolutionären Anspruch haben sie nicht, ihre Gewaltaktionen sind purer Selbstzweck. «Frankfurter Allgemeine Zeitung»: Den Staat herausfordern Nahezu tausend Verletzte in Rostock. Wenn das der angekündigte «friedliche Auftakt» zu den G8-Demonstrationen war, wie werden dann erst die friedlichen Straßenblockaden aussehen, die zur Wochenmitte folgen sollen? Die Polizei hat ihre Deeskalationsstrategie, die offensichtlich auch darin bestand, möglichst wenig martialisch aufzutreten, mit einer hohen Verletzungsrate bezahlt. Sie darf ihren Beamten eine solche Taktik nicht ein zweites Mal zumuten. Selten ist so augenfällig geworden wie in Rostock, dass die Globalisierungskritiker in zwei ungleich große Gruppen zerfallen: Die Mehrheit ergreift aus durchaus idealistischen Motiven Partei für humanitäre und ökologische Forderungen; der Minderheit ist jeder Anlass recht, den Staat herauszufordern. «Abendzeitung»: Legitimer Protest i9n Gefahr Sie hätte ein gutes Beispiel werden können, die Großdemonstration in Rostock aus Anlass des G8-Gipfels. Ein Beispiel dafür, wie man den Staats- und Regierungschefs den Spiegel ihrer uneingelösten Versprechen vorhalten kann. Wie Globalisierung mit Gerechtigkeit zu verbinden ist. Doch jetzt liegt bereits, bevor der Gipfel überhaupt begonnen hat, ein Schatten über dem alternativen Programm. Die Ausschreitungen, die an der Ostsee von reisenden Chaoten angezettelt wurden und auf die die Polizei, was Wunder, sicher nicht in jedem Fall angemessen reagierte - sie drohen, den legitimen Protest zu diskreditieren. «Mannheimer Morgen»: Bestätigung für Schäuble Dass die Vertreter der harten Linie wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sich in ihrem Kurs bestätigt fühlen, darf niemanden überraschen. Dabei hat die überwältigende Mehrheit der Demonstranten in Rostock friedlich protestiert. Teilweise fühlte sich die Polizei nach eigenen Angaben an einen lustigen Karnevalsumzug erinnert, bis die Autonomen aus der Deckung kamen und zum Angriff bliesen. Nur: Warum nehmen es die Veranstalter hin, dass diese Randalierer immer dabei sind? Auch im Vorfeld der G8-Proteste haben sie über das Thema Gewalt lieber nicht groß diskutiert. Der Schwarze Block hat in Rostock bewiesen, wie falsch das war. (nz/dpa)

«Ostsee-Zeitung»: Gewalt, die fassungslos macht
Hunderte verletzte Demonstranten und Polizisten, in Panik flüchtende Menschen, brennende Barrikaden und Autos. Eine Gewalt, die fassungslos macht - Rostock im Schock. Schlimmer hätte der Auftakt der Protestwoche gegen den Gipfel kaum enden können. Man muss Böses befürchten für die nächsten Tage. Verantwortlich für die Explosion der Gewalt: Professionelle Straßenkämpfer, die aus halb Europa und den deutschen Krawallhochburgen Berlin und Hamburg angereist waren.

Organisierte Kämpfer, die ihren Hass auf den Staat unter dem Deckmantel des legitimen Protests zehntausender friedlicher Demonstranten tarnen, um dann wie auf ein Kommando loszuschlagen. Wirkungsvoller scheint da die Ankündigung von Attac, die den Autonomen die Rote Karte zeigt und in Zukunft gemeinsame Demonstrationen mit den Chaoten ablehnt. Nur so kann es gehen.
«Berliner Zeitung»: Fiasko
Ein Fiasko sind die Ereignisse von Rostock nicht nur für die Polizei, sondern auch für die friedliche Anti- Globalisierungsbewegung. Ihr Anliegen ist berechtigt; das wachsende Unbehagen über die zunehmende Dominanz des Ökonomischen muss eine politische Plattform finden. Doch wer spricht nach Rostock noch darüber? Auch die Organisatoren der Demonstration zeigen sich jetzt vom Ausbruch der Gewalt überrascht, nun räumen sie eigene Versäumnisse ein. War ihre bisherige Kritik an vermeintlich überzogenen Sicherheitsvorkehrungen nur naiv? Waren sie nicht auch dankbar, als viele ihrer Anhänger durch die heftig kritisierten Aktionen der Behörden erst so richtig zum Protest motiviert wurden? Wussten sie etwa nicht, dass die Gewaltbereiten den friedlichen Protest nur allzu gern als Tarnung nutzen?
«Der Tagesspiegel»: Gewalt als purer Selbstzweck
Dass am Tag nach den Krawallen die Frage diskutiert wird, ob sich in Rostock vereinzelt Polizisten auch angemessen deeskalierend verhalten hätten, ist angesichts des Ausmaßes der Gewalt absurd. Gleiches gilt für die ganz Fixen unter den Analogiesuchern. Merke: Wenn sich Massen an einem 2. Juni bewegen, wird daraus noch lange keine «Bewegung 2. Juni». Bis auf weiteres haben die Autonomen von Rostock (und ihre aus dem Ausland angereisten Kumpane) einen Exklusivanspruch auf Beschränktheit, revolutionären Anspruch haben sie nicht, ihre Gewaltaktionen sind purer Selbstzweck.
«Frankfurter Allgemeine Zeitung»: Den Staat herausfordern
Nahezu tausend Verletzte in Rostock. Wenn das der angekündigte «friedliche Auftakt» zu den G8-Demonstrationen war, wie werden dann erst die friedlichen Straßenblockaden aussehen, die zur Wochenmitte folgen sollen? Die Polizei hat ihre Deeskalationsstrategie, die offensichtlich auch darin bestand, möglichst wenig martialisch aufzutreten, mit einer hohen Verletzungsrate bezahlt. Sie darf ihren Beamten eine solche Taktik nicht ein zweites Mal zumuten. Selten ist so augenfällig geworden wie in Rostock, dass die Globalisierungskritiker in zwei ungleich große Gruppen zerfallen: Die Mehrheit ergreift aus durchaus idealistischen Motiven Partei für humanitäre und ökologische Forderungen; der Minderheit ist jeder Anlass recht, den Staat herauszufordern.
«Abendzeitung»: Legitimer Protest i9n Gefahr
Sie hätte ein gutes Beispiel werden können, die Großdemonstration in Rostock aus Anlass des G8-Gipfels. Ein Beispiel dafür, wie man den Staats- und Regierungschefs den Spiegel ihrer uneingelösten Versprechen vorhalten kann. Wie Globalisierung mit Gerechtigkeit zu verbinden ist. Doch jetzt liegt bereits, bevor der Gipfel überhaupt begonnen hat, ein Schatten über dem alternativen Programm. Die Ausschreitungen, die an der Ostsee von reisenden Chaoten angezettelt wurden und auf die die Polizei, was Wunder, sicher nicht in jedem Fall angemessen reagierte - sie drohen, den legitimen Protest zu diskreditieren.
«Mannheimer Morgen»: Bestätigung für Schäuble
Dass die Vertreter der harten Linie wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sich in ihrem Kurs bestätigt fühlen, darf niemanden überraschen. Dabei hat die überwältigende Mehrheit der Demonstranten in Rostock friedlich protestiert. Teilweise fühlte sich die Polizei nach eigenen Angaben an einen lustigen Karnevalsumzug erinnert, bis die Autonomen aus der Deckung kamen und zum Angriff bliesen. Nur: Warum nehmen es die Veranstalter hin, dass diese Randalierer immer dabei sind? Auch im Vorfeld der G8-Proteste haben sie über das Thema Gewalt lieber nicht groß diskutiert. Der Schwarze Block hat in Rostock bewiesen, wie falsch das war. (nz/dpa)