Presseschau zum EU-Sorgerechts-Urteil: 

netzeitung.de«Ein klarer Sieg für die Kinder»

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Mit Rechten sind auch Pflichten verbunden: Wickelnder Vater (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mit Rechten sind auch Pflichten verbunden: Wickelnder Vater
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Europäische Gerichtshof hat mit seiner Entscheidung der deutschen Justiz und Politik eine «Ohrfeige» verpasst, meinen einige Kommentatoren. Die Stärkung der Rechte lediger Väter sei ein Schritt weg vom «Gluckendenken». «Frankfurter Rundschau»: Sorgerecht flott anpassen Wer die Geschlechtsrollen derart fixiert hier die treusorgende Mutter, dort der nachlässige Vater, der wird einer sich verändernden Wirklichkeit nicht gerecht, in der mehr Väter sich um ihre Kinder kümmern und mehr Mütter die Alleinzuständigkeit ablehnen.

«Frankfurter Rundschau»: Sorgerecht flott anpassen
Wer die Geschlechtsrollen derart fixiert hier die treusorgende Mutter, dort der nachlässige Vater, der wird einer sich verändernden Wirklichkeit nicht gerecht, in der mehr Väter sich um ihre Kinder kümmern und mehr Mütter die Alleinzuständigkeit ablehnen.

Schlimmer noch: Wer Männern suggeriert, sie seien als Väter inkompetent, liefert ihnen den Vorwand zum Rückzug. Zum Nachteil der Kinder. Damit der 3. Dezember wirklich ein guter Tag für Frauen, Männer und Kinder wird, sollte die Bundesregierung das Sorgerecht flott dem Straßburger Urteil anpassen.

«Badische Neueste Nachrichten» (Karlsruhe): Keine Garantie
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist ein wichtiges Signal. Es stärkt all jenen unverheirateten Vätern den Rücken, die nach der Trennung von ihrer Partnerin um jede gemeinsame Minute mit dem Nachwuchs kämpfen müssen, die im Konfliktfall kaum noch Rechte in diesem Bereich haben.

Gewiss haben diese Väter nach dem Richterspruch aus Straßburg noch keine Garantie, dass künftig alles anders wird. Die Bundesregierung muss nämlich erst einmal klären, wie sie mit dem Urteil verfährt. Danach handeln muss sie nicht - aber sie wäre gut beraten, wenn sie es täte.

«Lausitzer Rundschau» (Cottbus): Endlich gerechter
Es war nie einleuchtend, warum nach der Trennung eines unverheirateten Paares der Vater keine Rechte mehr mit Blick auf sein Kind haben sollte, dafür aber jede Menge Pflichten. Vor allem gegenüber seiner Ex-Partnerin. Für das Kindeswohl sind Mutter und Vater gleich wichtig.

Gerade das deutsche Sorgerecht hat aber diesen Grundsatz schlichtweg ignoriert und den Umstand unbeachtet gelassen, dass immer mehr Paare ohne Trauschein mit Kindern zusammenleben. Überdies: Seit Jahren propagiert die Politik die neue Rolle des Vaters in der Familie. Sie forciert dies sogar mit Maßnahmen wie Vätermonaten beim Elterngeld.

Offenkundig mit Erfolg, wie Studien belegen: Das Verständnis von Familie und Vatersein hat sich bei vielen, gerade jüngeren Männern deutlich verändert. Genau dem muss jetzt auch das deutsche Recht endlich gerechter werden, Europa sei Dank.

«Berliner Morgenpost»: Nicht auf das Beziehungsschlachtfeld
Ein der gesellschaftlichen Wirklichkeit angepasstes Sorgerecht ist überfällig. Wobei Väter, die nicht als Väter taugen, auch künftig außen vor bleiben sollten. Nichts, was Juristen nicht regeln könnten. Viel wichtiger wäre aber, dass Eltern ihre Kinder nicht auf das Beziehungsschlachtfeld zerren, dass sie vor dem Gang zum Richter erst einmal Beratungs- und Moderationsangebote annehmen, von denen es leider längst noch nicht genügend gibt.

Vor dem Hintergrund einer neuen Rechtslage sollten die Zwischeninstanzen gestärkt werden, die Paaren bei einer friedlichen Einigung helfen können, ihnen einen Weg der Zusammenarbeit aufzeigen, auch wenn sie nicht mehr zusammen leben.

«Ostsee-Zeitung» (Rostock): Ohrfeige für oberstes deutsches Gericht
Der Spruch aus Straßburg, wonach die deutsche Praxis gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstößt, ist eine Ohrfeige sowohl für das oberste deutsche Gericht, das diese Praxis in Kenntnis der Menschenrechtskonvention 2003 zuließ, als auch für die deutsche Politik jedweder Couleur, die sich, ebenfalls in Kenntnis dieser Konvention, hinter Karlsruhe versteckt hat.

Er zeigt zudem, dass die Aufwertung der Europäischen Menschenrechtskonvention, die der Vertrag von Lissabon ermöglicht, für EU-Bürger auch Vorteile haben kann. Jedenfalls wird Vater Staat bei uns nun handeln und den betroffenen Vätern mehr Rechte einräumen müssen. Wenn dann alle einsehen, dass mit Rechten auch Pflichten verbunden sind, wäre das Urteil ein klarer Sieg für die Kinder.

«Münchner Merkur»: Weiterer Schritt zur Gleichbehandlung
Im Grunde ging es den Straßburger Richtern um einen weiteren Schritt zur Gleichbehandlung von ehelichen und nichtehelichen Kindern. Vermutlich wird eine neue Regelung darauf hinauslaufen, dass beide Eltern, unabhängig davon, ob sie auf dem Standesamt waren oder nicht, weiter für das Kind verantwortlich sind.

Das gemeinsame Sorgerecht, wie es nach einer Scheidung heute üblich ist, wäre dann der Normalfall. Wer das Sorgerecht beansprucht, übernimmt allerdings auch und das ist der Knackpunkt Verpflichtungen.

«Kölnische Rundschau»: Im gesellschaftlichen Wandel
Väter ohne Ehering haben in Straßburg einen klaren Sieg errungen. Nur ist es ein Erfolg, den sie tunlichst nicht auskosten sollten. Mit großer Mehrheit haben die Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt, dass ledige Väter in diesem Land diskriminiert wer den. Dass eben die elterliche Sorge nicht allein Sache der Mutter ist, nur weil kein Trauschein vorliegt.

So aber steht es im Gesetz. Dahinter steht die Vorstellung, dass es sich bei einer Vaterschaft außerhalb einer ehelichen Beziehung kaum um mehr als eine flüchtige Disco-Bekanntschaft handeln kann. Und dass es dem Kind immer schadet, wenn das Sorgerecht gegen den Willen der Mutter erzwungen wird. Beides ist nicht so, nicht zwingend. Die Rolle von Vätern wie auch die von Müttern befindet sich im gesellschaftlichen Wandel. Viele Paare sehen heute schlicht keine Notwendigkeit mehr, vor den Traualtar zu treten.

«Stuttgarter Nachrichten»: Weg vom Gluckendenken
Wer aber gesunde, starke Kinder will, der braucht auch engagierte Väter. Und wer engagierte Väter will, der muss sie auch mehr machen lassen. Es gibt erste Schritte weg vom Gluckendenken: Laut einem neuen Gesetz dürfen seit September geschiedene Mütter den Umgang zwischen Kind und Vater nicht mehr grund- und straflos sabotieren.

Zudem hat nun der Europäische Gerichtshof die Rechte lediger Väter gestärkt. Gute Erziehung, das wissen auch immer mehr Richter, gelingt am besten gemeinsam. Dazu müssen die Frauen mehr loslassen und die Männer stärker anpacken. (dpa)