Presseschau zur Schweinegrippe: 

netzeitung.de«Heute Mexiko, morgen USA, übermorgen wir»

 Herausgeber: netzeitung.de

Vor der Grippe wird überall gewarnt (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vor der Grippe wird überall gewarnt
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Gegen einen «globalen Seuchenzug» sei die Welt nicht gewappnet, warnen Zeitungskommentatoren. Während einige ein «Horrorszenario» heraufbeschwören, schreiben andere: Zu Panik bestehe «überhaupt kein Anlass». «Financial Times Deutschland»: Viel gefährlicher Die Variante der Influenza, die sich in rasanter Geschwindigkeit von Mexiko aus ausbreitet, ist viel gefährlicher als der Vogelgrippe-Erreger H5N1. Was damals als Horrorszenario befürchtet wurde, ist bei der mexikanischen Grippe längst Realität: Das Virus kann von Mensch zu Mensch überspringen. «Süddeutsche Zeitung»: Zu schleichend Jetzt könnte eine neue und gefährlichere Grippe entstanden sein. Doch niemand außer ein paar Experten wollte die permanente Bedrohung vor dem Ernstfall zur Kenntnis nehmen. Sie war wohl zu schleichend und zu abstrakt. Die Weltgemeinschaft ist daher auch nicht gegen einen globalen Seuchenzug gewappnet; Forschung und Pandemiepläne sind unbefriedigend.

«Financial Times Deutschland»: Viel gefährlicher
Die Variante der Influenza, die sich in rasanter Geschwindigkeit von Mexiko aus ausbreitet, ist viel gefährlicher als der Vogelgrippe-Erreger H5N1. Was damals als Horrorszenario befürchtet wurde, ist bei der mexikanischen Grippe längst Realität: Das Virus kann von Mensch zu Mensch überspringen.
«Süddeutsche Zeitung»: Zu schleichend
Jetzt könnte eine neue und gefährlichere Grippe entstanden sein. Doch niemand außer ein paar Experten wollte die permanente Bedrohung vor dem Ernstfall zur Kenntnis nehmen. Sie war wohl zu schleichend und zu abstrakt. Die Weltgemeinschaft ist daher auch nicht gegen einen globalen Seuchenzug gewappnet; Forschung und Pandemiepläne sind unbefriedigend.

Erkranken tatsächlich Millionen Menschen, stehen weder genug Medikamente noch Therapieplätze zur Verfügung. Einen Impfstoff gibt es sowieso frühestens in ein paar Monaten.
«Schwäbische Zeitung»: Rund um die Uhr
Heute Mexiko, morgen USA, übermorgen Deutschland und der Rest der Welt: So schnell wie unsere Flugzeuge können auch die Erreger äußerst aggressiver Krankheiten um die Welt reisen. Doch die Bekämpfung möglicher weltweiter Epidemien liegt ebenso nahe: Das globale Netz der Wissenschaftler, Medizinhersteller und Gesundheitsbehörden ermöglicht es weit schneller als je zuvor, auf Bedrohungen dieser Art zu reagieren.

In den Industrieländern liegen gerade nach den Erfahrungen mit der Vogelgrippe Medikamente für akut Erkrankte in sehr großer Menge auf Lager. Die Forschung nach Impfschutz gegen neue Erreger läuft weltweit und rund um die Uhr auch wenn die meisten davon nie wirklich gefährlich werden.

«Nordbayerischer Kurier»: Von Menschen geschaffen
Dass das Virus bereits die Börsen geschwächt hat, liegt in der Natur der Sache. Reisewarnungen drücken bei vielen Branchen aufs Geschäft, ihre Aktienkurse sinken. Sie werden wieder steigen, wenn die Gefahr ausgestanden ist.

Viel gefährlicher bleibt das Finanzmarkt-Virus, das Bankensysteme in Todesgefahr brachte, die Weltwirtschaft erheblich schwächt. Dieses Virus ist von Menschen geschaffen, die nicht genug kriegen konnten. Es muss, wie H1N1, unschädlich gemacht werden, damit es sich nicht zum Supervirus auswächst.

«Südkurier» (Konstanz): Es gibt Todesfälle
Noch kann niemand mit Sicherheit sagen, wie gefährlich das Virus wirklich ist. Es gibt Todesfälle in Mexiko. Anderswo erweist sich der Verdacht als unbegründet. Unstrittig ist, dass sich das Problem mit den Touristenströmen ausbreitet. Deshalb muss sich Deutschland für den Fall wappnen, dass die Seuche hier ankommt.

Eine umsichtige und verantwortungsvolle Politik trägt dem Rechnung, ohne Hysterie zu schüren. Zu den wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen zählen im Augenblick Reisehinweise, die auf betroffene Länder keine falschen Rücksichten nehmen. Im Übrigen gilt die alte, bisweilen aus der Mode geratene Erkenntnis, dass Hygiene Leben retten kann.

«Der neue Tag» (Weiden): Hysterie
Die ganze Hysterie erinnert stark an die Vogelgrippe, die vor vier Jahren Deutschland in Atem hielt. Die Schlagzeilen und Bilder von damals im Nachhinein ein Fliegenschiss der Weltgeschichte. Okay, natürlich muss die Schweinegrippe ernst genommen und beobachtet werden. Aber nach Lage der Dinge besteht zu Panik überhaupt kein Anlass.. (...)

Die Forschung ist gefragt, und gerade die Experten mahnen zur Besonnenheit. Wir tun gut daran, eine gewisse Immunität gegen die Marktschreier zu entwickeln.

«Berliner Morgenpost»: Ein Warnschuss
Die Mediziner kennen den genauen Charakter des Virus noch nicht, können also noch nicht sagen, ob der Erreger die mörderische Potenz der Spanischen Grippe von 1918/19 hat. Es ist also unklar, in welchem Maße die Abwehrfront gegen die neue Grippeform in Deutschland steht. Zweifel sind angebracht. Zwar hat es Katastrophenübungen gegeben, und Grippemittel liegen in angeblich ausreichender Menge zur Therapie bereit.

Doch wie gut alles ineinander greift, ist offen. Das liegt auch an den unterschiedlichen Zuständigkeiten. Der Bund ist involviert, doch das Sagen haben im Wesentlichen die Länder. Weiß jeder Bürgermeister und jeder niedergelassene Arzt, was der Pandemieplan des Robert-Koch-Instituts an Maßnahmen vorsieht? Die Pandemie ist noch nicht da. Wenn sie ausbleibt, sollte die Schweinegrippe aber doch ein Warnschuss sein.

«Rhein-Zeitung» (Koblenz/Mainz): Im Keim ersticken
Das Anlaufen diverser Notfall- und Krisenmechanismen allüberall ist kein Zeichen, dass bereits Notstand herrscht, sondern ein wichtiger Schritt, die potenzielle Seuche möglichst im Keim zu ersticken. Und bei allem verständlichen Misstrauen in die Fähigkeiten der großen Krisenapparate: Im Falle von Sars und Vogelgrippe hat das recht gut funktioniert.
«Recklinghäuser Zeitung»: Hygiene und Wachsamkeit
Die Verunsicherung angesichts der gegenwärtigen Zuspitzung ist nicht nur an den Börsen groß, sondern auch in der Bevölkerung. Und viele fragen sich, ob aus den Erfahrungen im Umgang mit der Vogelgrippe gelernt worden ist: Was damals nicht funktionierte, sollte heute nicht schon wieder schief gehen.

Die Politik müht sich redlich. Sie versucht zu beruhigen. Doch das Krisenmanagement in Deutschland scheint auch dieses Mal eher zögerlich angelaufen zu sein. Erst jetzt beginnt man mit notwendigen Gesundheits-Checks an den Flughäfen, wird von Medien und Medizinern umfassend aufgeklärt. Sachliche Information, Hygiene und Wachsamkeit - darauf kommt es jetzt vor allem an.

«Nürnberger Nachrichten»: Gelassenheit gefragt
Hysterisch reagieren die Börsen in Asien. Dort brachen die Aktien von Fluglinien ein, weil die Anleger fürchten, dass die Grippe ähnliche Auswirkungen haben wird wie vor sechs Jahren die Atemwegserkrankung Sars. Dass Flüge nach Mexiko gestrichen werden, lässt sich ja noch nachvollziehen, aber dass in Hongkonger Restaurants bereits Schweinefleisch von der Speisekarte verschwindet, ist pure Hysterie. H1N1 hat zweifellos das Potenzial, sich rasch zu verbreiten. Ob es zu einer Pandemie kommt, wissen auch die Experten nicht. Ungeachtet der widersprüchlichen Nachrichten plädieren wir erst einmal für Gelassenheit.
«Main-Echo» (Aschaffenburg): Alarmbereitschaft
Tiefe Einschnitte ins öffentliche Leben sind in Europa deshalb momentan weder zwingend noch hilfreich, zumal sie ihrerseits Probleme auslösen. Derzeit kommt es vielmehr darauf an, dass Europas Behörden gut zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen. Zumindest für den Augenblick gilt: Aufmerksamkeit und Alarmbereitschaft sind gefragt, nicht Aktionismus. (dpa/nz)