Presseschau zur BayernLB: 

netzeitung.deRichtige Konsequenz, aber falscher Weg

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Die BayernLB will sich auf ihr Geschäft zwischen Hof und Garmisch konzentrieren. (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die BayernLB will sich auf ihr Geschäft zwischen Hof und Garmisch konzentrieren.
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die harte Schrumpfkur der BayernLB ist grundsätzlich richtig, urteilen die Kommentatoren. Doch zugleich beklagen sie, auch die Regierung Seehofer könne nicht von der Großmannssucht der Vorgänger lassen. «Financial Times Deutschland»: Zocken um die Existenz Die Bayern zocken mal wieder. Diesmal geht der Freistaat mit seiner maroden Landesbank keine riskanten Spekulationsgeschäfte ein, sondern schließt eine Wette auf deren Existenz ab. Der Einsatz ist hoch: Eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro aus dem Landesetat und eine Schrumpfkur sollen die BayernLB bis 2013 sanieren. Grundsätzlich sind die schmerzhaften Einschnitte richtig, die Vorstandschef Michael Kemmer gestern vorstellte. Die Landesbank verabschiedet sich endlich von einigen Auslandsaktivitäten und konzentriert sich wieder stärker auf das Inlandsgeschäft. Dass dabei viele Mitarbeiter gehen müssen, ist unvermeidlich. Die Chance, dass es den Bayern auf diese Weise gelingt, sich dauerhaft eine eigenständige Landesbank zu erhalten, ist allerdings nicht allzu hoch. «Abendzeitung» (München): Frommer Wunsch ans Christkind

«Financial Times Deutschland»: Zocken um die Existenz
Die Bayern zocken mal wieder. Diesmal geht der Freistaat mit seiner maroden Landesbank keine riskanten Spekulationsgeschäfte ein, sondern schließt eine Wette auf deren Existenz ab. Der Einsatz ist hoch: Eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro aus dem Landesetat und eine Schrumpfkur sollen die BayernLB bis 2013 sanieren. Grundsätzlich sind die schmerzhaften Einschnitte richtig, die Vorstandschef Michael Kemmer gestern vorstellte. Die Landesbank verabschiedet sich endlich von einigen Auslandsaktivitäten und konzentriert sich wieder stärker auf das Inlandsgeschäft. Dass dabei viele Mitarbeiter gehen müssen, ist unvermeidlich. Die Chance, dass es den Bayern auf diese Weise gelingt, sich dauerhaft eine eigenständige Landesbank zu erhalten, ist allerdings nicht allzu hoch.
«Abendzeitung» (München): Frommer Wunsch ans Christkind
Edmund Stoiber war es, dem die Grenzen des Weißwurst-Äquators viel zu eng waren. Der eine eigene Staatsbank brauchte, die international mitmischt. Dass aus dem halbstaatlichen Geldinstitut eine Zockerbude wurde, hat keinen gestört, solange der Euro rollte. Für den Größenwahn der CSU müssen nun andere büßen. Die Mitarbeiter der BayernLB, die ihre Kündigung unterm Weihnachtsbaum finden. Und Bayerns Bürger. Denn die Rechnung, dass die Milliardenverluste nicht anderswo eingespart werden müssen, ist nichts anderes als ein frommer Wunsch ans Christkind.
«Allgemeine Zeitung» (Mainz): Verkehrter Weg
Die Konsequenzen, die die bayerische Staatsregierung da zieht, sind zwar richtig, aber der Weg, den sie gewählt hat, ist völlig verkehrt. Denn sie hält weiter daran fest, die Landesbank als ihr ureigenes Finanzinstrument gebrauchen zu wollen. Dafür ist ihr offenbar nahezu jeder Aufwand recht, denn sie greift zu ihren eigenen Steuermilliarden, lässt sogar die bisherigen guten Partner, die Sparkassen außen vor, deren 50-Prozent-Anteil deshalb massiv sinken wird. Und sie folgt den überhaupt nicht guten Beispielen Baden-Württembergs, Niedersachsens und Sachsen-Anhalts und verschmäht bei ihrer Radikalkur sämtliche bereitstehenden Bundesmittel. Der Grund ist offensichtlich: Man will weiter allein das Sagen in einem Institut haben, mit dem man bisher schon nicht immer besonders glücklich, und ganz sicher nicht immer konsequent nach den Regeln des königlichen Kaufmanns politisch gestaltet hat.
«Neue Osnabrücker Zeitung»: Großmannssucht hält an
Als Ex-Verbraucherminister mag der neue Ministerpräsident darauf drängen, dass die BayernLB sich auf ihre Wurzeln besinnt, nämlich das Kundengeschäft in der angestammten Heimat. Doch das beherrschen die Sparkassen eigentlich schon ganz gut. Und die Großmannssucht, die sich unter Seehofers Vorvorgänger Edmund Stoiber bei der Landesbank breitgemacht hat, wird schwer zu beseitigen sein. Wie stark diese Sucht ist, zeigt dieser Vergleich: Die Nord/LB hat gar nicht so viele Mitarbeiter, wie sie die BayernLB jetzt loswerden will – und sich auch nicht in den USA verzockt. Ginge es nach Solidität, müsste also eigentlich Hannover Standort einer großen fusionierten deutschen Landesbank werden. Das aber wird Großmannssucht in Hamburg, Düsseldorf oder München wohl zu verhindern wissen.
«Börsen-Zeitung»: Vom Hoffnungsträger zur Hassfigur
Noch keine sechs Wochen ist es her, da haben sie ihn regelrecht geliebt, fast vergöttert. «Nur mit unserem Vorstand», «Kemmer saniert, Seehofer torpediert» oder «Finger weg von Kemmer», skandierten hunderte Mitarbeiter der BayernLB und retteten mit ihrer Kundgebung, die nicht zuletzt ein Protest gegen frühe Machtallüren des heutigen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Horst Seehofer war, dem Vorstandsvorsitzenden Michael Kemmer den Job. Doch die beispiellose Solidaritätsaktion kam wohl leicht verfrüht. Bald könnten nennenswerte Teile der Belegschaft lernen, die eben noch geliebte Führungsriege mit dem «Hoffnungsträger» Kemmer an der Spitze zu hassen. Binnen fünf Jahren sollen im zweitgrößten deutschen Landesbankkonzern fast 30 Prozent der 19.200 Arbeitsplätze ausradiert werden. (nz/dpa)