09.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Von Transnet zur Bahn: Norbert Hansen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Aus Sicht der Kommentatoren ist der Wechsel von Transnet-Chef Norbert Hansen zur Bahn Höhepunkt der Kungelei zwischen Gewerkschaft und Konzern. Mancher sieht darin auch ein Täuschungsmanöver. «Braunschweiger Zeitung»: Schon ein Geschmäckle Norbert Hansen hat die Weichen gestellt. Der Chef der Bahngewerkschaft Transnet fährt künftig auf einem anderen Gleis. Er wechselt als Arbeitsdirektor in den Bahnvorstand. An sich ist der Wechsel vom Arbeitnehmerlager in die Führungsriege eines Großunternehmens nichts Ungewöhnliches oder gar Anrüchiges. Allerdings hat es schon ein Geschmäckle, dass Gewerkschaftsboss Hansen die Seiten wechselt, kaum dass Transnet die Unterstützung bei der Teilprivatisierung der Bahn zugesagt hat.
«Braunschweiger Zeitung»: Schon ein GeschmäckleNorbert Hansen hat die Weichen gestellt. Der Chef der Bahngewerkschaft Transnet fährt künftig auf einem anderen Gleis. Er wechselt als Arbeitsdirektor in den Bahnvorstand. An sich ist der Wechsel vom Arbeitnehmerlager in die Führungsriege eines Großunternehmens nichts Ungewöhnliches oder gar Anrüchiges. Allerdings hat es schon ein Geschmäckle, dass Gewerkschaftsboss Hansen die Seiten wechselt, kaum dass Transnet die Unterstützung bei der Teilprivatisierung der Bahn zugesagt hat.
Ist der Vorstandsposten nun die Belohnung für die Politik Hansens? Hat er die Transnet-Mitglieder gar verraten? Vor dem Hintergrund von Korruptions-Skandalen stellen sich diese Fragen sofort. Doch wir sollten fair bleiben. Hansen muss beweisen, dass er seine Erfahrungen als Transnet-Chef in seine neue Aufgabe mit Weitsicht einbringt und die Interessen der Arbeitnehmer und der Kapitalseite klug zusammenbringt.
«Westfalenpost»: An Dreistigkeit kaum zu überbietenDie unsägliche Kungelei zwischen Deutscher Bahn, Politik und Gewerkschaften um die Bahn-Privatisierung hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Angesichts der dabei führenden Rolle von Transnet-Chef Hansen ist sein offenbar fest verabredeter Wechsel ins Bahn-Management an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Hansen war es, der den Schulterschluss mit Bahn-Spitze und Bundesregierung übte und seine Gewerkschaft als einzige im DGB für die zweifelhaften Börsenpläne auf Linie brachte. Hansen war es, der mit dafür sorgte, dass die Bahn ihre Netzhoheit behält und so von lästigem Wettbewerb verschont bleibt. Hansen war es, der den Lokführern im Tarifkonflikt in den Rücken fiel. Kurz: Der Gewerkschafter diente mehr den Interessen Mehdorns als denen der Beschäftigten.
«Dresdner Neueste Nachrichten»: Überzeugen wird er nicht vieleNa schau mal einer an: Kaum hat die Bahn den Posten eines Arbeitsdirektors neu geschaffen, und schon zaubert sie wie Kai aus der Kiste mit Norbert Hansen denjenigen hervor, der ihn besetzen soll. Ausgerechnet den Chef der mächtigsten Bahngewerkschaft Transnet, der die Spur wechseln soll ins Management. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt? Mag Hansen noch so wortreich von sich weisen, er könnte private mit politischen Interessen verknüpft haben, überzeugen wird er nicht viele. Immerhin war die Transnet die einzige Gewerkschaft im DGB, die Mehdorns Bahn-Privatisierungspläne fast vorbehaltlos mitgetragen hat.
«Frankfurter Rundschau»: Sand in die AugenNorbert Hansen wurde nicht erst über Nacht zur schillernden Figur. Er hat eine undurchsichtige Rolle bei der Privatisierung der Bahn gespielt. Die DGB-Gewerkschaften sind aus Gründen der Jobsicherung und im Interesse einer Bürgerbahn gegen die Börsenstrategie. Nur einer nicht, und der heißt Hansen. Der war sogar, Arm in Arm mit Mehdorn, Betreiber des Kapitalgangs. Es mag übertrieben sein, Hansen zu unterstellen, er habe die Privatisierung der Bahn aus persönlichen Gründen betrieben. Es gehört aber viel Fantasie dazu, um im Wechsel auf die Seite des Kapitals eine Garantie für die Sicherung der Beschäftigung zu erkennen, wie vom Transnet-Vorstand verkauft. Da versucht Transnet, dem dummen Bahnfahrervolk Sand in die Augen zu streuen, um einen unverfrorenen Seitenwechsel zu kaschieren.
«Express»: Das stinkt zum Himmel Vom mächtigen Gewerkschaftsboss zum Arbeitgeber. Der Karrieresprung und Frontwechsel von Transnet-Chef Norbert Hansen ist schon erstaunlich. Man fragt sich, welche besonderen Verdienste sich der Eisenbahner erworben hat, die ihn für den gut dotierten Posten eines Arbeitsdirektors an der Seite von Bahnchef Hartmut Mehdorn empfehlen - einen Manager-Posten, den es in dieser Form bei der Bahn bisher nicht gab. Ist es vielleicht der Dank dafür, dass SPD-Mitglied Norbert Hansen als einziger unter den Top-DGB-Gewerkschaftern für die umstrittene, von Mehdorn forcierte Teilprivatisierung des bislang bundeseigenen Konzerns eingetreten ist? Die Geschichte hat schon mehr als ein gewisses Geschmäckle. Sie stinkt mächtig zum Himmel.