Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

BND-Aktivitäten: 

Journalist sieht sich von Geheimdienst abgehört

29. Apr 2008 09:52
Angriffspunkt Telefonleitung
Bild vergrößern
Der Kollege der «Berliner Zeitung» wusste, dass er unter Beobachtung stand. Doch aus über ihn angelegten Vermerken des Nachrichtendienstes konnte er nun schlussfolgern, dass er sogar belauscht wurde.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einen Journalisten weit umfangreicher ausgeforscht als bislang bekannt. Die «Berliner Zeitung» stützt sich in einem entsprechenden Bericht auf eine Auskunft des Geheimdienstes über im BND-Archiv gespeicherte Daten zu dem Journalisten.

Der Reporter Andreas Förster hatte vergangenes Jahr vor dem Bundesverwaltungsgericht durchgesetzt, dass der BND die über ihn gesammelten Informationen offen legen muss. Förster soll in mindestens zwei Fällen auch abgehört worden sein: Pläne über eine geplante Buchveröffentlichung oder für eine Recherche zum Thema Journalistenbespitzelung durch den BND habe Förster nur mündlich gegenüber den betroffenen Kollegen erwähnt, heißt es. Dennoch erfasste der BND dies in seinen Unterlagen.

Die Aktenauskunft umfasst 32 Einzelinformationen, die der Dienst zwischen 1998 und 2005 über Förster archivierte. Die meisten Vermerke seien zwischen März 2002 und Oktober 2005 entstanden, als der Geheimdienst einen V-Mann auf den Journalisten angesetzt gehabt hatte. Der BND habe auch eine Aufstellung von Försters Gesprächspartnern und Kollegen, die mit ihm in Kontakt stehen, heißt es.

BND-Chef Uhrlau steht derzeit erneut gewaltig unter Druck, seit vor Tagen herauskam, dass seine Mitarbeiter die Mailkorrespondenz eines afghanischen Ministers mitlas und dabei auch Mails einer «Spiegel» Reporterin nicht ausließ. Uhrlau wurde erst ein Jahr später informiert und unterrichtete erst nach zwei Monaten das Kanzleramt. Uhrlau entschuldigte sich bereits für die Panne, die eine deutliche Grundrechtsverletzung darstellt. Entschuldigt hatte sich er aber auch schon vor zwei Jahren, als sich die Geheimdienstkontrolleure des Bundestages mit der umfassenden Ausforschung von Journalisten befassen mussten. Der BND hatte damals, um undichte Stellen im eigenen Haus zu finden, Reporter und Redaktionsmitarbeiter abgeschöpft und zum Teil sogar als Informationsbeschaffer genutzt. Vergangene Woche kam noch ein anonymer Brief hinzu, in dem sich BND-Leute kritisch über Uhrlau ausließen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach bereits von einem gestörten Vertrauensverhältnis zum BND und seinem Chef, hielt aber an Uhrlau fest. Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU), der auf Regierungsseite die Geheimdienstaufsicht führt, sagte der «Süddeutschen Zeitung», er lasse sich den BND-Präsidenten nicht von anonymen Briefschreibern demontieren. Eine Schonfrist räumt er Uhrlau jedoch nicht mehr ein: «So etwas darf sich nicht wiederholen.»

Der vom BND beschattete afghanische Handelsminister Amin Farhang erklärte die Angelegenheit unterdessen für beendet. «Die Sache ist vom Tisch für mich», sagte er. Er wolle ungestörte Beziehungen zwischen Afghanistan und Deutschland. «Wir verdanken der Bundesrepublik sehr viel», so Fahrhang. Aber er wolle auch, dass sich derlei nicht wiederhole. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe sich am Wochenende bei ihm entschuldigt und ihm zugesichert, «dass so etwas nie wieder vorkommen wird». (nz)
 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.