Reaktion auf Nahrungsmittelkrise:
Regierung verspricht mehr Geld gegen Hunger
Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn warf den USA eine Mitschuld an der Nahrungskrise vor. Die US-Landwirtschaftspolitik trage dazu bei, «dass in den Entwicklungsländern nicht ausreichend selber landwirtschaftliche Produkte produziert werden und sie damit vom Import abhängen», sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält den Wegfall der EU-Agrarexportsubventionen bis 2013 für dringend nötig. «Subventionen für Bauern darf es nur noch in Ausnahmefällen geben, etwa für die Pflege von Agrar-Kulturlandschaften», sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode der «Mitteldeutschen Zeitung» aus Halle.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sagte dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen zusätzliches Geld zu. Wegen der Not und des gestiegenen Bedarfs werde die Regierung weitere zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen, kündigte sie in einer Aktuellen Stunde des Bundestags an. «Wir können diese Katastrophe verhindern.» Sie kritisierte Exportstopps von Schwellenländern und Agrar-Spekulationen an Börsen. Merkel sagte, die Krise werde nicht schnell zu bewältigen sein. Gerade für Länder auf Reform- und Veränderungskurs seien die steigenden Preise ein «riesiges Problem».
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast machte die deutsche und europäische Politik für die Nahrungskrise mitverantwortlich. Die wahren Gründe lägen in einer seit Jahrzehnten betriebenen falschen Agrar- und Welthandelspolitik, sagte die frühere Bundesverbraucherministerin. Es gehe um weniger Zölle, aber auch um veränderte Ernährungsgewohnheiten. «Es ist unsere Verantwortung.» Seehofer warf seiner Vorgängerin Heuchelei vor. Der FDP-Agrarpolitiker Hans-Michael Goldmann sieht in «zu wenig fairem Markt und Wettbewerb» das größte Problem. Die Linke-Abgeordnete Heike Hänsel forderte eine Eindämmung von Spekulationen.
Bei Unruhen wegen stark gestiegener Lebensmittelpreise hat es in den vergangenen Wochen Tote in Kamerun und Haiti gegeben. In Bangladesch kam es zu Zusammenstößen zwischen hungrigen Textilarbeitern und der Polizei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief am Sonntag die internationale Gemeinschaft zu einer Lösung der globalen Nahrungsmittelkrise auf. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wies unterdessen in Genf daraufhin, dass nur auf die Bedürfnisse von Erwachsenen abgestimmte Hilfslieferungen bei Kindern zu Mangelernährung führen könnten. Es sei deshalb wichtig, dass auch Spezialnahrung für Kinder in Hungergebiete geschickt werde. Mangelernährung verursache jedes Jahre fünf Millionen Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, das weltweit 178 Millionen Kinder mangelernährt sind und 20 Millionen Kinder an schwerer Mangelernährung leiden. (dpa/AP)
